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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 30.09.2012

Ein Leben zwischen Hüttengaudi und Fußball

Johann Glabonjat ist der Trainer-Dauerbrenner in der UPC Tirol Liga. Im Winter feiert er sein 10-Jahr-Jubiläum als SVI-Trainer.

Von Tobias Waidhofer

Innsbruck – Die Online-Statistik auf der Internetseite des Tiroler Verbandes reicht immerhin sechs Jahre zurück. Das kostet einen wie Johann Glabonjat, der zu diesem Zeitpunkt bereits dreieinhalb Jahre auf der Trainerbank des Innsbrucker Sportvereins gesessen hatte, allerdings nur ein mildes Lächeln. Anfang 2003 begann seine nun schon fast zehn Jahre andauernde Tätigkeit bei den Innsbruckern. Und der Hüttenwirt sitzt so fest im Sattel wie eh und je. Die Beziehung Glabonjat/SVI scheint so etwas wie die perfekte Fußball-Ehe.

„Die Zusammenarbeit mit der Vereinsführung ist ein wesentlicher Punkt“, lobt Glabonjat Präsident Gerhard Grosch und Co. „Wir können in Ruhe arbeiten. Es gibt nicht nach jeder Niederlage gleich eine Vorstandssitzung.“

Dass der Sportverein damit eher eine Ausnahme darstellt, weiß Glabonjat: „Viele Vereine bräuchten einen stärkeren Vorstand. Trainerwechsel sind schon so etwas wie eine Modeerscheinung.“ Überhaupt sieht er viele Klubs auf dem Holzweg. „Ich glaube, dass jeder Trainer in einem Verein eine enge Verbindung zum Nachwuchs braucht. Die Jungen sind das Kapital. Zu oft steht der kurzfristige Erfolg im Vordergrund. Wohin soll dieser Weg führen?“

Er selbst lasse hingegen kaum ein Nachwuchsspiel einer SVI-Mannschaft aus – wenn es seine Zeit zulässt. „In der Sommersaison haben wir täglich schon 14 bis 16 Stunden Arbeit“, erzählt Glabonjat, der zusammen mit seiner Frau Gabi jeweils eine Hütte in Seefeld und Oberperfuss bewirtschaftet. Private Zwei­samkeit bleibt bei dem engen Zeitplan zwischen Hütte und Fußballplatz natürlich auch sehr oft auf der Strecke. „Ohne so eine tolle Frau wäre das alles natürlich nicht möglich. Sie weiß, dass ich Sportler durch und durch bin. Und solange ich mich weiter nur für den Sport und nicht für andere Frauen interessiere, ist alles in bester Ordnung“, lacht Glabonjat.

Auch zur tristen Lage des Profifußballs in Tirol hat der ehemalige BNZ-Co-Trainer eine klare Meinung: „Ich glaube, dass wir genügend Talente hätten. Beim Wacker herrscht eine gewisse Freunderlwirtschaft – jeder schaut nur auf sich selbst und das große Ganze bleibt dabei auf der Strecke. Es wird ständig vom Tiroler Weg geredet. Ich frage mich nur, wo diese ganzen Tiroler Spieler sind.“