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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 09.10.2012

Die Welt trifft sich im Unterhaus

Das Tiroler Fußball-Unterhaus gibt Kickern aus Asien, Afrika, Südamerika und Europa eine sportliche Heimat – die Tiroler Tageszeitung hat eine Weltauswahl mit elf verschiedenen Nationen zusammengestellt.

Von Thomas Mair und Tobias Waidhofer

Innsbruck – Brasilianer haben in Reutte Tradition. Begonnen hat alles mit Felipe Macedo Castellani, der mit seinen Tricks und Sturmläufen auf dem Flügel Fußball-Tirol begeisterte. Damals geriet der Mann mit der Nummer 99 sogar auf den Radar des FC Wacker. Den großen Sprung schaffte Castellani freilich nicht. Im Außerfern kommen aber seit Neuestem heimatliche Gefühle für ihn auf.

Abwehrspieler Veiga Thiago Pinto verstärkte die Samba-Fraktion vor der Saison noch einmal. Der 20-Jährige, erst vor einem halben Jahr nach Europa gekommen, feierte gestern nach acht Einsätzen in der zweiten Mannschaft (zwei Tore) sein Debüt in der UPC-Tirol-Liga. „Verwandte von ihm leben in Füssen (Deutschland, Anm.) und haben ihn nach Europa gelotst. Seit dieser Saison spielt er bei uns. Er hinkt aber sprachlich noch hinterher“, erzählt der sportliche Leiter Bernhard Hechenberger. Druck wird dem jungen Mann keiner auferlegt: „Er ist kein Edeltechniker wie Castellani, aber Pinto ist pfeilschnell und hat einen guten Schuss.“

Fast schon ein Dauerbrenner ist der Thailänder Phornchai Chanthadee. Schon 2006 bewies der Stürmer seine Torjägerqualitäten in Längenfeld. Inzwischen spielt er in Imst und hat nichts verlernt. Am vergangenen Freitag gelang ihm der Siegtreffer für die zweite Imster Mannschaft. Mit Sung Min Park (Haiming) wuselt inzwischen ein weiterer Asiate über die Unterhaus-Plätze.

Unter den drei Afrikanern, die es in die TT-Auswahl schafften, sticht der Vomper Daouda Sidibe hervor. Der Ivorer ist Top-Torjäger seiner Mannschaft, obwohl er erst seit einem Jahr vereinsmäßig Fußball spielt. „Ihn über Afrika anzumelden, war eine lange Prozedur“, erinnert sich Obmann Christian Prünster. Entdeckt wurde der 18-Jährige vom ehemaligen 1b-Trainer Peter Tschuggnall, der ihm im Asylwerberheim im Stift Fiecht begegnete: „Nach zwei Minuten wusste ich, dass er ein außerordentlicher Spieler ist, der immer zwei Schritte vorausdenkt.“ Die sprachliche Barriere sei kein Problem, zumal sich Trainer Thomas Hanser mit ihm auf Französisch unterhalte und der junge Afrikaner, der inzwischen im Innsbrucker Asylwerberheim wohnt, bereits alles versteht. Lediglich die taktischen Vorgaben auf dem Platz will er noch nicht wahrnehmen, deshalb „kann ich ihn nur im Sturm aufbieten“, erklärt Hanser: „Er spielt auf Intuition, und das macht ihn unberechenbar.“

Sein ghanaischer Sturmpartner in der TT-Auswahl Youssou Seck wiederum muss für jedes Training und Spiel bereits im Vorfeld weite Wege gehen. Sein Wohnort Imst ist nämlich 168 km von seiner Fußballheimat Hochfilzen entfernt, was eine fast fünfstündige Zugfahrt für ein Training zur Folge hat. „Er nimmt diese Strapazen auf sich, weil es ihm so getaugt hat, wie wir ihn bei seiner Ankunft in Tirol vor einigen Jahren integriert haben“, erklärt Trainer Wolfgang Unterrainer Secks Affinität zum 1.-Klasse-Verein. Der Dritte im Bunde wiederum, der Nigerianer Ikedi Elota, ist im Außerfern schon lange heimisch geworden, hat dort geheiratet und dirigiert seit Jahresbeginn das Mittelfeld des FC Lechaschau.