28.07.2010
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Die Welt ist eben nicht schwarz-weiß

Bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Barcelona laufen heute der Franzose Christophe Lemaitre (20) und der Brite Dwain Chambers (32) das 100-Meter-Duell Gut gegen Böse.
Christophe Lemaitre (FRA/l.) durchbrach als erster Weißer die Zehn-Sekunden-Schallmauer und läuft heute gegen Dwain Chambers (GBR/r.).Fotos: gepa (2)
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Ergebnisse

EM in Barcelona: M: 400 m, Vorlauf: 1. Michael Bingham (GBR) 45,49 Sek, 2. Kevin Borlee (BEL) 45,71, 3. Martyn Rooney (GBR) 45,72. C. Zeller (AUT), aufgegeben. M: 100 m, Vorläufe: 1. Christoph Lemaitre (FRA) 10,19, 2. Dwain Chambers (GBR) 10,21, 3. Mark Lewis-Francis (GBR) 10,23, 10. Moseley (AUT) 10,38. D: Speerw., Quali: 1. Spotakova (CZE) 65,56 m. Pauer (AUT), ausgesch.. FINALE: M: 20 km Gehen: 1. Emeljanow (RUS) 1:20:10 Std.. Finale: M: 10.000 m: 1. Farah (GBR) 28:24,99 Min., 2. Thompson (GBR) 28:27,33, 3. Meucci (ITA) 28:27,33... Schmid (AUT) aufgegeben.

Barcelona – Sie werden gern als Licht- und Schattenfiguren des europäischen 100-Meter-Sprints dargestellt. Wenn sich Christophe Lemaitre (FRA) und Dwain Chambers (GBR) für das heutige 100-MeterFinale bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Barcelona bereitmachen, schreibt ihre unterschiedliche Hautfarbe diese Geschichte wie von selbst. Aber in ihrem Fall ist die Zuschreibung weit mehr als die oberflächliche Betrachtung eines sich hartnäckig haltenden Vorurteils. In diesem Fall sind es die Hintergründe, die sich hinter der Hautfarbe verbergen.

Die „Lichtfigur“ Christophe Lemaitre lief am 9. Juli 2010 in Valence als erster Weißer die über 100 Meter in 9,98 Sekunden. Ein paar Wochen vorher war Chambers die Strecke in 9,99 Sekunden gerannt. Der 20-jährige Franzose gilt aber nicht erst seither als beliebtestes Gesicht bei den Meetings der Leichtathleten. Er gilt als schüchtern, zurückhaltend, fair und droht trotz Erfolg nicht vom Boden abzuheben. Den US-Colleges, die ihn mit Stipendien überhäufen, sagt er dankend ab. Lieber bleibt der 1,89 Meter große Junge aus dem kleinen Örtchen Culoz in Aix-les-Baix. Provinz statt großer Welt. „Da fühle ich mich wohl.“ Er sei ein „ungeschliffener Diamant“, weiß Franck Chevallier, Sportdirektor des französischen Verbandes, um den Wert seines Sprinters. Das genaue Gegenteil zu dem dünnen Sprint­helden bildet der muskelbepackte Dwain Chambers. Der berüchtigte Bad Boy hat sich nicht erst als Kunde des Doping-Labors Balco einen schlechten Namen gemacht. Von November 2003 war der Brite zwei Jahre lang gesperrt. Der EM-Titel 2002 über 100 Meter wurde ihm aberkannt, noch immer stottert er die Prämien ab, die er 2002 und 2003 gewonnen hat – und die er an den Weltverband IAAF zurückzahlen muss. Insgesamt mehr als 154.000 Euro. Nach der Sperre folgte ein Comeback, Chambers klagte sich zurück ins britische Team, sprach von Selbstmordabsichten und verlor mit den Enthüllungen in seiner Biografie („Race Against Me“) noch mehr „Freunde“. Inzwischen konnte er jedoch auch auf der Laufbahn wieder für Schlagzeilen sorgen, so hat der 32-Jährige jeweils Gold bei der Hallen-EM 2009 und der Hallen-WM 2010 gewonnen. Und immer wieder erklärt er, er sei geläutert, habe die „Fehler eingesehen“ und hoffe, dass aus diesen Fehlern „die Jugend etwas lernen kann“.

Christophe Lemaitre scheint bereits etwas von ihm gelernt zu haben. Sprücheklopfen hilft auf der Laufbahn gar nichts: „Favorit ist Chambers, weil er viel mehr Erfahrung hat“, attestiert er seinem Gegenüber vor der heutigen 100-Meter-Entscheidung. Diese sei für den Franzosen allerdings nur eine Zwischenstation zu den Olympischen Spielen 2012 in London. Dwain Chambers wird er dort nicht treffen. Denn der Bad Boy wurde vom britischen Olympiakomitee auf Lebenszeit ausgeschlossen. Auch vom Schwarz-Weiß Denken der Medien hält Lemaitre nicht viel: „Für mich ist das überhaupt kein besonderer Punkt“, so der Elektrotechnik-Student, der sich lieber auf das heutige Finale konzentriert.

Mehr schwarz als weiß – im Sinne der Hoffnung – ist der erste EM-Tag aus österreichischer Sicht ausgegangen. Clemens Zeller musste gestern im 400-m-Vorlauf wegen einem Muskelkrampf aufgeben. (piu, APA, dpa)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 28.07.2010
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