06.08.2010
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Alte gegen neue Szene

Früher galt Dopingmissbrauch im Kraftdreikampf vielerorts als Kavaliersdelikt. Der Kampf gegen den Mief der Vergangenheit hält an.
Emanuel Scheiber, einst Aktiver und nunmehr Tiroler Präsident des Kraftdreikampfsports, glaubt: „Schwarze Schafe gibt es immer.“Foto: Zangerl
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Von Florian Madl

Innsbruck – Es war nicht mehr als eine belanglose Aussendung der Nationalen Anti-Doping Agentur, die vergangene Woche über die Mail-Ordner in Österreichs Sportredaktionen eintrudelte: „Fünf Sportler positiv getestet und wegen Dopingmissbrauchs gesperrt.“ Darunter: ein 17-jähriger Kraftdreikämpfer aus Imst. Vom in Ungnade gefallenen 17-Jährigen hat dessen Verband in einer ersten Reaktion inklusive Trainingsanzug alles zurückverlangt, „damit der keinen Schaden mehr anrichten kann“.

Sportmediziner Kurt Moosburger reagierte indes „gelassen, weil meine Funktion als Tiroler Verbandsarzt nur auf dem Papier besteht und ich ihre Sinnhaftigkeit ohnehin hinterfrage“. Er sei aus sport- und präventivmedizinischer Sicht Anhänger eines vernünftig durchgeführten Krafttrainings, aber damit habe Kraftdreikampf wenig zu tun: „Hier wird – wie in anderen Leistungssportarten auch – die ‚chemische Keule‘ geschwungen.“ Mehr als warnen könne er nicht: „In den letzen 15 Jahren sind drei Kraftathleten und zwei Bodybuilder zur Gesundenuntersuchung zu mir gekommen ...“ Emanuel Scheiber, Präsident des Tiroler Kraftdreikampfverbands und Generalsekretär im Weltverband, verweist auf den offensiven Umgang mit dem Thema Doping: „Nur die alte Generation glaubt, dass es sich bei Dopingmissbrauch um ein Kavaliersdelikt handelt, die junge Generation hat einen anderen Zugang.“ Der Ötztaler, früher Nationalteammitglied und Inhaber zahlreicher Rekorde, glaubt: „Schwarze Schafe gibt es immer.“ So mancher schert aus dem Orchester aus, glaubt der ehemals jüngste Kapellmeister Österreichs zu wissen. Im nationalen Verband (4000 Mitglieder) wie im Tiroler (800). Deshalb investiere der Weltverband auch 40 Prozent seines Budgets in die Dopingfahndung. Folge: „Von 2007 bis 2009 konnten wir die Dopingfälle um 300 Prozent senken.“

Es scheint allerdings leichter, die Zahlen zu korrigieren als das Image. Der Kampf gegen den Mief der Vergangenheit wird die Szene wohl noch eine Zeit lang beschäftigen: Von 28 wegen Dopingmissbrauchs gesperrten österreichischen Sportlern kommen nicht weniger als sechs aus dem Kraftdreikampf.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 06.08.2010
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