17.04.2010
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Weltverband vor dem Kollaps

Die Hallen-WM in Doha fand vor leeren Rängen statt, im europäischen Fernsehen war davon auch nichts zu sehen. Jetzt plagen den Internationalen Leichtathletikverband IAAF existenzbedrohende Geldsorgen.
Der Leichtathletik-Weltverband streckt sich, aber große Sprünge (wie hier Ariane Friedrich) sind derzeit nicht möglich.Foto: gepa
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Von Gerd Millmann

Innsbruck – Usain Bolt muss kürzertreten. Der Internationale Leichtathletikverband IAAF hat grobe Finanzprobleme und will die Preisgelder für die Athleten senken. Jean Poczobut, der Finanzchef des internationalen Leichtathletikverbands IAAF, warnte beim jüngsten Ratstreffen der IAAF vor einem Konkurs des Traditionsverbands. Die Einnahmen des Verbands stagnieren bei etwa 35 Millionen Euro jährlich, die Ausgaben machen mehr als 60 Millionen Euro im Jahr aus. Die Rücklagen früherer Jahre sind fast verbraucht.

Der Ort der Warnung des Schatzmeisters war Doha, die Hauptstadt Katars – mithin ein Grund für die finanziellen Probleme des Weltverbands. Denn die dortige Hallen-WM im März fand vor leeren Zuschauerrängen statt. Kritiker des Zuschlags für Doha hatten im Vorfeld gewarnt, dass die Traditionssportart Leichtathletik im Wüstenstaat Katar wenig Interesse auslösen würde. Es kam aber noch schlimmer: Weder in Deutschland noch in Großbritannien gab es Bilder der WM im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. ZDF-Verhandler sprachen von exorbitant hohen Forderungen der IAAF. Die TV-Einnahmen sind aber mit fast 90 Prozent aller Einkünfte der wichtigste Geldbringer der IAAF. Und in der Folge verliert die IAAF auch viele ihrer Sponsoren, weil die ihre Werbung nicht im Fernsehen übertragen sehen.

Das finanzielle Desaster der Leichtathleten hat aber schon früher begonnen. Im Vergleich zur Freiluft-WM 2003 in Paris ist bei der WM 2009 in Berlin die Anzahl der TV-Zuseher um 40 Prozent gesunken! Bei der Hallen-WM in Birmingham gab es 93 Millionen Zuseher, in Valencia 2005 nur noch 35 Millionen und im März in Doha haben sogar nur noch 12 Millionen beim Werfen, Springen und Laufen zugesehen. Im selben Ausmaß sind auch die Einnahmen aus TV-Rechten für den Weltverband geschrumpft.

Im Mai findet ein Sondertreffen der IAAF zur Verhinderung des Konkurses statt. Vorschläge sickern schon durch. So soll jeder WM-Austragungsort 20 Millionen US-Dollar für den Zuschlag der IAAF hinblättern. Die potenziellen Austragungsorte drohen aber, in diesem Fall abzuspringen. Kritiker machen den senegalesischen IAAF-Präsidenten Lamine Diack für den traurigen Zustand des Weltverbands verantwortlich. Der 76-Jährige leitet seit 1999 den Verband und gab vor wenigen Wochen überraschend bekannt, sich auch 2011 wieder der Wahl stellen zu wollen. Dabei haben sich schon Sergej Bubka, der russische Stabhochsprung-Weltrekordler, und Sebastian Coe, der ehemalige britische Mittelstreckler, dafür in Position gebracht.

Diack war bisher nicht in der Lage, die Ausgaben zu beschränken. Im Gegenteil, der Verband hat mit 220 Mitgliedern mehr als die UNO. Der Hauptsitz in Monte Carlo samt breit gefächertem Personal und zahlreichen Entwicklungsprogrammen verschlingt den Großteil der Einnahmen. Jetzt will Diack eben bei den Sportlern sparen. Die Preisgelder bei Weltmeisterschaften und internationalen Wettkämpfen sollen verringert werden.

Auf Österreichs Verband ÖLV hat die finanzielle Schieflage des Weltverbands keine Auswirkungen. Gezahlt wird eine Jahresgebühr „in unmaßgeblichem Ausmaß“, wie Generalsekretär Helmut Baudis feststellt. Dafür gibt es für die bei Weltmeisterschaften teilnehmenden ÖLV-Athleten Zahlungen der IAAF.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 17.04.2010
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