18.04.2012
Formel 1

Als die Welt kurz innehielt

„Jochen Rindt ist tot.“ Diese Meldung war am 5. September 1970 so unglaublich wie wahr. Der Grazer Bursch war der erste österreichische Formel-1-Weltmeister – heute wäre er 70.
Infobox

Steckbrief

Von Hubert Winklbauer

Innsbruck – Es gibt sie, die Momente, wenn die Welt für einen Augenblick innehält. Das Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963 war so einer. Und für alle der Jahrgänge 1955 und älter hat der 5. September 1970 so einen Augenblick gehabt: Kurioserweise wissen noch die meisten, wo sie waren, als sich damals die Welt verdunkelt hat: Jochen Rindt ist tot! Diese Nachricht hat sich eingeprägt in das Gedächtnis nahe­zu einer ganzen Nation.

Es war ein Samstag. Und es war das Ende der Sommerferien. Begleitet vom üblichen Gefühl der Wehmut, des Verlusts von Freiheit und Sorglosigkeit. Und es war das Abschlusstraining für den GP von Italien in Monza. Und dann war da dieser Stich ins Bubenherz. Und am Abend die Bilder im Fernsehen. Jochen Rindts Lotus, ein damals revolutionäres, aber auch extrem filigranes Auto, liegt im Sand von Monza. Die aufgeregten Sanitäter tragen den verhüllten Körper des Idols im Laufschritt weg. Das Entsetzen in ihren Gesichtern.

Kurz zuvor war beim Anbremsen der Parabolica das Auto links ausgebrochen. Die Ursache: eine gebrochene Bremswelle.

Über Jochen Rindt, der heute 70 Jahre geworden wäre, ist jede Menge geschrieben worden. Aber wie es so heißt: „Die Helden sind schon alle tot!“ All die Buben, die am 5. September mit den Tränen kämpften, sind älter geworden, Rindt ist noch der, der er war: mehr als „nur“ der erste österreichische Weltmeister (er war auch der erste deutschsprachige) der Formel 1. Der junge Grazer Bursch mit verwegener Nase, struppigem Haar, lässigem Blick und schlampiger Haltung war auch so etwas wie ein Befreier vom Muff der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Sohn eines wohlhabenden, früh verstorbenen Fabrikanten-Ehepaars ist er als einjährige Waise nach Graz zu seinen Großeltern gekommen. Ein Leben schon am Anfang wie Literatur.

Am 11. September 1970 wird Jochen Rindt begraben, 30.000 Menschen sind am Zentralfriedhof. Aber er wird posthum Weltmeister. Der einzige Weltmeister der Formel 1, dem dieser Titel nach seinem Tod verliehen wurde. Den Weltmeisterpokal nahm seine Witwe Nina Rindt für ihn entgegen.

Aber die Formel 1 war nicht mehr, was sie zuvor war. Jochen­-Rindt-Schauen, das war etwas anderes. Rindt, das war der Typ, der uns die Illustriertenwelt nahegebracht hat. Das waren die steilen Mädchen in den Boxenstraßen, das war aber auch die eine­, die Seine, die Nina, seine­ Frau.

Rindt war ein Gegenentwurf zu all den Typen, die uns unsere Eltern als Vorbild vorgeführt hatten. Im Siegerauto lässig die Zigarette im Mundwinkel, das Gesicht ein wenig ölverschmiert, der Champagner war noch zum Trinken und nicht nur zum Herumsprühen. Und die Nächte wahrscheinlich lang. So zumindest wollten wir es haben. Und so soll es ja auch gewesen sein. Ein atemberaubendes Leben eben. Auf der Suche nach einem Helden war Rindt unübersehbar.

Jochen Rindt lebt noch. Irgendwo in den Herzen der ehemaligen Buben. Schließlich war man eine Zeit lang wie er. Zumindest in den Tagträumen. Wie er jetzt, als 70-Jähriger, ausschauen und was er tun würde? Wer will das wirklich so genau wissen?

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 18.04.2012
Formel 1 Weltmeisterschaft 2013
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche

    7. SYMPHONIEKONZERT

    Wann: 23.05.2013
    Wo: Congress Innsbruck, Saal Tirol

    36. Innsbrucker Wochenendgespräche

    Wann: 25.05.2013
    Wo: Tiroler Landestheater -

    Die Geschichte von Babar dem kleinen Ele...

    Wann: 26.05.2013
    Wo: Tiroler Landestheater -

    Trailer - Mutter und Sohn

    Barbu (Bogdan Dumitrache) rast 50 Stundenkilome...

    Trailer: Eine Dame in Paris

    Anne verlässt Estland nach Paris, um sich dort...

    Trailer: Pieta

    Der südkoreanische Filmemacher Ki-duk Kim füh...
    Panoramabilder
    Panoramabilder
    Panoramablick
    Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
    AGB Kontakt Impressum