16.05.2012
Motorsport

Ralf Schumacher im Interview: „Michael gab mir nie Ratschläge“

Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher (36) sprach mit der TT über die Vorzüge des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM), sein Verhältnis zum großen Bruder Michael und die deutsche Grammatik.
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DTM-Informationen zu Spielberg

Programm, Freitag: Training (13.35 – 15.15 Uhr); Samstag: Training (9.15 – 10.55); Qualifying (13.40 – 14.50); Sonntag: Rennen (13.33). Rahmenprogramm: Porsche Carrera Cup, Formula 3 Euro Serie, NASCAR-Demo usw.

Splitter: Mit einem Start-Ziel-Sieg hat Martin Tomczyk im vergangenen Jahr bei der Rückkehr der DTM auf den wiedereröffneten Ring in Spielberg triumphiert. Heuer werden rund 50.000 Zuschauer auf dem Red Bull Ring vom 1. bis 3. Juni an der Strecke erwartet.

Ticketpreise: von 21 Euro (Stehplatz, Rennsonntag) bis 105 Euro (Familienkarte, ganzes Wochenende). Jugendliche bis 14 Jahre (inklusive) erhalten 50 % Rabatt. Sämtliche Tribünen sind nicht überdacht.

Herr Schumacher, für Otto Normalverbraucher – was sind die großen Unterschiede zwischen einem DTM- und einem Formel-1-Boliden?

Ralf Schumacher: Das Fahrverhalten beider Autos ist völlig verschieden. Für einen Rennfahrer bedeutet beides den ultimativen Fahrspaß. Wenn man mal das Kurvenverhalten betrachtet, ist das Formel-1-Auto im Gegensatz zum DTM-Auto komplett aero­dynamisch ausgerichtet. So ein Rennauto steuert man digital, das heißt, man fährt eine Kurve in drei Abschnitten. In Teil eins fährt man voll in die Kurve rein und bremst spät ab. Dann wird das Auto in Teil zwei rumgedreht und in Teil drei aus der Kurve heraus wieder voll beschleunigt. Den DTM-Autos fehlt dazu die Leistung und man versucht die Kurven möglichst rund zu fahren, wobei das wesentlich schwieriger ist, da man sehr viel Feingefühl braucht, um das Limit zu finden.

Wie lange wollen Sie noch hinterm Steuer sitzen?

Schumacher: Hoffentlich fahre ich in fünf Jahren noch immer in der DTM. Aber erstmal wollen wir sehen, wie es in der ganzen Saison mit unserem neuen Mercedes läuft.

Sie kümmern sich um den Kart-Nachwuchs – was empfehlen Sie einem Talent, das den Sprung in die Formel 1 schaffen will?

Schumacher: Der Glaube an sich selbst ist sicherlich neben einer guten Rennfahrerschule ganz entscheidend. Auch wenn man mal nicht seine Spitzenleistung abrufen kann, sollte man beim nächsten Rennen wieder selbstbewusst an den Start gehen und nach vorne schauen.

Eine Frage, die Sie sicher schon oft beantworten mussten: Wie lebt es sich als kleiner Bruder von Michael Schumacher?

Schumacher: Ich bin natürlich stolz auf Michael. Er ist der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten. Mittlerweile fahren wir in zwei verschiedenen Rennserien und können uns untereinander austauschen.

Wie oft haben Sie – bezogen auf die aktive Formel-1-Karriere – sich Ratschläge bei Michael geholt?

Schumacher: Michael hat mir nie Ratschläge gegeben. Wir waren ja auch in unterschiedlichen Teams. Jeder hatte genug mit sich selbst zu tun. Und an den Rennwochenenden haben wir uns so gut wie gar nicht gesehen. Wir hatten damals auch ein Abkommen: Wir wollten nie zusammen in einem Team fahren. Dafür ist der Konkurrenzkampf einfach zu groß.

Gibt es eine sportliche Entscheidung, die Sie – im Rückspiegel betrachtet – heute korrigieren würden?

Schumacher: Ich bin ein positiver Mensch und lebe in der Gegenwart. Irgendwelche Spekulationen machen für mich keinen Sinn. Ich fahre heute für Mercedes-Benz in der besten Tourenwagenmeisterschaft, von daher denke ich, habe ich nicht viel falsch gemacht.

Fehlt Ihnen die große Bühne der Königsklasse?

Schumacher: Das Thema ist für mich erledigt. Die Formel 1 ist aufregend und schön, aber auch ein extremes und aufgeheiztes Geschäft. Nehmen Sie nur die Medien. Jeder will seine Story, am besten noch eine Homestory fünf Minuten vor dem Start. Und dazu möglichst viel Boulevard. Die DTM ist viel erdverbundener, wir reisen nicht mehr um die ganze Welt, und alles ist familiärer. Mir gefällt das.

Die neue Formel-1-Saison: Wie gefällt sie Ihnen und wer ist Ihr Favorit?

Schumacher: In den ersten fünf Rennen gab es fünf verschiedene Sieger. So etwas gab es schon lange nicht mehr. Es scheint, als ob es eine sehr ausgeglichene und spannende Saison wird. Persönlich habe ich mich über den Sieg der Silberpfeile gefreut. Der Lohn für die harte Arbeit scheint nun aufzugehen. Ich hoffe natürlich, dass noch viele weitere Siege folgen werden.

Was sind aus Ihrer Sicht die Unterschiede zwischen der österreichischen und der deutschen Mentalität?

Schumacher (lacht): Ich denke, die Österreicher sind ein bisschen traditionsbewusster und heimatverbundener. Die traumhafte Landschaft inmitten der Berge bietet eine hohe Lebensqualität, was den Menschen eine gewisse Ausgelassenheit verleiht. Auch die Sprache wirkt auf mich im Vergleich zum Deutschen ungezwungener und vermittelt Lockerheit und Gelassenheit, wobei es auch den einen oder anderen Fehler in der Grammatik gibt.

Warum der Sprung an die Salzach?

Schumacher: Mir gefällt die Ruhe, die man in Österreich genießen kann. Der Medienrummel ist hier nicht so stark wie in Deutschland. Außerdem ist die Landschaft traumhaft und die Menschen sind supernett, und es ist ein schöner und sicherer Ort, um seine Kinder aufwachsen zu sehen. Aber auch trotz meines Umzuges bin ich natürlich im Herzen Deutscher.

Das Gespräch führte Daniel Suckert

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