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Formel 1

Dritter Titel in Folge! Vettel nach Krimi Weltmeister

Platz sechs beim Finale in Brasilien genügte dem Red-Bull-Piloten, da Alonso nur Zweiter wurde. Den Sieg sicherte sich Button.

Sao Paulo – Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel ist der jüngste dreifache Formel-1-Weltmeister der Geschichte. Dem 25-jährigen Deutschen genügte dafür am Sonntag in einem durch wiederholten Regen hochdramatischen Grand Prix von Brasilien Platz sechs, da sein einzig verbliebener Titelrivale Fernando Alonso im Ferrari nicht gewann und Zweiter wurde. Der Sieg ging in Sao Paulo an den englischen McLaren-Fahrer Jenson Button, der seinen 15. GP-Triumph bejubelte.

Dreher in der ersten Runde

Drei WM-Titel en suite hatten bisher nur der legendäre Argentinier Juan Manuel Fangio sowie der deutsche Rekordchampion Michael Schumacher, der in Brasilien seinen 308. und letzten Grand Prix bestritt und Siebenter wurde, geschafft. Mit 25 Jahren und 145 Tagen ist Vettel aber der mit Abstand jüngste Dreifach-Weltmeister der Königsklasse des Motorsports. Schumacher gelang dies erst als 31-Jährigem, Fangio sogar erst im Alter von 44. In der Endabrechnung lag der Vettel mit 281 Punkten drei Zähler vor Alonso.

Für den Titelverteidiger wäre das turbulente Rennen allerdings nach einem schlechten Start beinahe nach einer halben Runde zu Ende gewesen, als ihn Williams-Pilot Bruno Senna links hinten seitlich touchierte. In der Folge drehte sich der RB8-Bolide des Weltmeisters entgegen die Fahrtrichtung, links und rechts an ihm schossen wenige Zentimeter die Konkurrenten vorbei, der Deutsche hatte bange Momente im Cockpit zu überstehen, wurde jedoch nicht mehr getroffen.

Ende hinter dem Safety-Car

Wie in Abu Dhabi musste Vettel das Feld von hinten aufrollen, noch dazu mit einem sichtlich demolierten Auto. Doch auch diese Prüfung bestand der Hesse mit Bravour, selbst Funkprobleme im Finish konnten ihn nicht stoppen, ebenso wie ein total verpatzter letzter Boxenstopp, bei dem seine Crew auf den rechten Vorderreifen „vergessen“ hatte und mehrere Sekunden verstreichen ließ.

Das Rennen endete schließlich wie es begonnen hatte - mit einem Crash, als Paul di Resta mit seinem Force India zu viel riskierte und in der vorletzten Runde mit Aquaplaning in die Streckenbegrenzung krachte. Deshalb musste Bernd Mayländer noch ein letztes Mal in dieser Saison mit seinem Safety-Car ausrücken, das Feld absolvierte die letzte Runde neutralisiert, da keine Überholmanöver mehr erlaubt waren, womit Vettel endgültig aufatmen durfte und Alonso seine Niederlage zur Kenntnis nehmen musste.

Alonso als fairer Verlierer

Freudestrahlend entstieg Vettel seinem Boliden und ließ sich feiern. „Das alles ist im Moment sehr schwer zu fassen. Das ist etwas ganz Besonderes. Als mir das Team über Funk mitgeteilt hat, dass ich Weltmeister bin, ist mir der Atem weggeblieben. Natürlich war es schwer, wenn man am Anfang einen Schlag auf die Hinterachse bekommt und verkehrt rum auf der Strecke steht. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass wir es schaffen. Mehr Steine hätte man uns aber nicht in den Weg legen können“, erklärte Vettel nach seinem historischen Triumph.

Während der österreichisch-englische Rennstall ausgelassen feierte, weinten die Ferraristi. „Ich bin sehr stolz auf unser Team. Klar, wir haben die WM verloren, aber nicht hier in Brasilien, sondern in anderen Rennen, in denen wir Pech hatten“, lautete der erste Kommentar von Vizeweltmeister Alonso, dem sein brasilianischer Teamkollege Felipe Massa im Finish Platz zwei kampflos überlassen hatte. Es war die bereits 13. Podestplatzierung des 31-jährigen Spaniers im 20. und letzten Rennen der bisher längsten F1-Saison. Bei der Siegerehrung vergoss der drittplatzierte Lokalmatador Massa viele Tränen, während Alonso gefasst war. (APA)

Grand Prix von Brasilien, in São Paulo (71 Runden à 4,309 km/305,909 km):

1. Jenson Button (England) McLaren Mercedes 1:45:22,656 Std. (Schnitt: 174,179 km/h)

2. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 0:02,754 Min.

3. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 0:03,615

4. Mark Webber (Australien) Red Bull + 0:04,936

5. Nico Hülkenberg (Deutschland) Force India + 0:05,708

6. Sebastian Vettel (Deutschland) Red Bull + 0:09,453

7. Michael Schumacher (Deutschland) Mercedes + 0:11,900

8. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 0:28,653

9. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber + 0:31,250

10. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 1 Runde

11. Witali Petrow (Russland) Caterham + 1 Runde

12. Charles Pic (Frankreich) Marussia + 1 Runde

13. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso + 1 Runde

14. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham + 1 Runde

15. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 1 Runde

16. Timo Glock (Wersau) Marussia + 1 Runde

17. Pedro de la Rosa (Spanien) HRT + 2 Runden

18. Narain Karthikeyan (Indien) HRT + 2 Runden

19. Paul di Resta (Schottland) Force India + 3 Runden

Ausfälle: Sergio Perez (Mexiko) Sauber (1. Runde); Bruno Senna (Brasilien) Williams (1. Runde); Pastor Maldonado (Venezuela) Williams (2. Runde); Romain Grosjean (Frankreich) Lotus (6. Runde); Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes (55. Runde)

Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton (McLaren Mercedes) 1:18,069 Min.

Pole Position: Lewis Hamilton (McLaren Mercedes) 1:12,458 Min.