26.11.2012, 09:47  Aktualisiert: 26.11.2012, 13:46 
Formel 1

„Wunderkind“ Vettel: Die Geschichte ist noch nicht zu Ende

Die WM-Siegesfeier des jungen Heppenheimers nach seinem dritten Titel-Gewinn dauerte bis halb vier Uhr früh.
Sebastian Vettel musste die ein oder andere Champagner-Dusche über sich ergehen lassen.
Foto: REUTERS

Sao Paulo - Die WM-Party war lang und intensiv. Sebastian Vettel und sein Formel-1-Team feierten den Titel-Hattrick gebührend. So richtig krachen ließen es der Champion und seine Crew nach dem historischen Hattrick im Nobel-Club Villa Mix in Sao Paulo. Mit den landestypischen Caipirinhas und allerlei anderem Hochprozentigen feierte Vettel mit Freundin Hanna und der Red-Bull-Truppe bis in die Morgenstunden.

Teamchef Christian Horner hatte schon beim „Vorglühen“ am Sonntagnachmittag an der Strecke prophezeit: „Morgen werden einige einen Kater haben.“ Er sollte recht behalten. Schließlich waren der ganze Stress, die ganze Anspannung Stunden nach dem irren Saisonfinale in Sao Paulo vorbei und vergessen. Es war nur noch Feiern bis zum Abwinken angesagt. „Ich will das jetzt genießen und die Batterien wieder aufladen“, erklärte Vettel, der seinen dritten Titel en suite bis halb vier Uhr früh gebührend feierte.

Die internationalen Medien würdigten den neuen Mega-Star nach seiner erneuten Meisterleistung entsprechend. „Das Wunderkind imitiert Schumacher und Fangio. Er hat den Titel einer großartigen WM verdient“, schrieb „La Repubblica“. „The Times“ titelte: „Vettel gesellt sich mit seinem dritten WM-Titel zu den Unsterblichen des Sports.“ Und „L‘Equipe“ meinte: „Vettel schließt zu den Giganten auf.“

Die gesamte Saison mit dem spektakulären Finale als Höhepunkt haben auch Vettel viel Kraft, Energie und Substanz gekostet. „Das war mein härtestes Rennen“, gestand der 25-Jährige nach dem Grand Prix von Brasilien, seinem 101. Formel-1-WM-Lauf.

Fragen nach der nächsten Herausforderung beantwortete Vettel kurz und knapp. „Ich habe einen Vertrag bis Ende 2014. Ich bin sehr glücklich mit Red Bull. Es gibt keinen Grund, an ein anderes Team zu denken“, versicherte der 25-Jährige, der immer wieder mit Ferrari in Verbindung gebracht wird. Und dann kündigte er noch den nächsten Coup an: „Die Geschichte ist noch nicht vorbei.“ Damit meinte er, dass im nächsten Jahr mit dem österreichisch-englischen Rennstall zum vierten Mal en suite Fahrer- und Konstrukteurs-Titel geholt werden sollen.

Sollte ihm auch das gelingen, ist ihm der nächste Eintrag in die Geschichtsbücher der Königsklasse des Motorsports sicher. Mit 25 Jahren und 145 Tagen ist er nun der jüngste Dreifach-Champ. Ob Punkte, Pole-Position, Sieg, Weltmeister oder Doppel-Weltmeister: Vettel ist auch hier der jeweils Jüngste. Zudem ist er erst der dritte Formel-1-Fahrer, dem das Triple geglückt ist.

Juan Manuel Fangio hatte in den 1950er Jahren mit verschiedenen Teams vier seiner insgesamt fünf Titel in Serie erobert. Rekordweltmeister Michael Schumacher schaffte mit Ferrari sogar fünf seiner insgesamt sieben Triumphe am Stück. „Vettel geht in die Geschichte ein. Wenn der Deutsche in diesem Rhythmus weiter macht, hat er mit 30 Jahren Schumacher und dessen sieben Titel überholt“, rechnete „Le Parisien“ vor.

Derartige Vergleiche mit seinem Freund und Kindheitsidol lehnt Vettel aber prinzipiell ab: „Michael war dominant wie kein anderer in der Geschichte.“ Schumacher traut seinem jungen Freund jedoch zu, eines Tages viele seiner Rekorde zu brechen. „Es ist ein schöner Moment, ihm das Feld zu überlassen. Er macht das klasse, ich bin ein Fan von ihm“, betonte der 43-Jährige nach seinem 308. und letzten Grand Prix in Interlagos.

Einen Seitenhieb auf seine Konkurrenz konnte sich Vettel in der Stunde des Triumphes nicht verkneifen, so sehr hatten ihn diverse Tricksereien und Vorwürfe getroffen. „Wir sind immer wir selbst geblieben und unseren Weg gegangen. Und das hat meiner Meinung nach am Ende den Unterschied ausgemacht“, gab der alte und neue Champion zu Protokoll.

Es sei am wichtigsten, dass man in den Spiegel schauen könne und zu sich selbst ehrlich sei. Es bringe nichts, zu betrügen und zu heucheln. „Leute haben innerhalb und außerhalb der Regeln alles versucht, uns zu schlagen“, erläuterte Vettel. Er nannte aber, auch auf Nachfrage, keine Namen, doch es war klar, dass die Kritik in erster Linie seinem knapp unterlegenen Widersacher Fernando Alonso und Ferrari galt. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 26.11.2012  09:47
aktualisiert: Mo, 26.11.2012  13:46
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