01.12.2012, 15:47  Aktualisiert: 01.12.2012, 16:16 
Formel 1

Weltmeister Vettel trat in Graz auf das Gas, aber nicht nach

Die geschlagene Scuderia versuchte unterdessen, ihr Aufbegehren noch einmal zu rechtfertigen.
Vettel sorgte in Graz für einen Massenauflauf.
Foto: EPA

Graz – Viel mehr als ein bunter Streifen und der intensive Geruch nach Gummi waren nicht wahrzunehmen, als der frisch gebackene Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel am Samstag durch Graz zischte. Mit seinem Rennwagen fuhr er eine kleine Runde durch die obere Altstadt, zuvor trug er sich noch zusammen mit Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko in das Goldene Buch der Stadt ein.

Kaum ein Durchkommen

Bereits eine Stunde vor dem Showrun des jüngsten Dreifachweltmeisters aller Zeiten waren die Plätze an den Absperrungen alle besetzt, ein Durchkommen rund um Schauspielhaus, Freiheits- und Karmeliterplatz war so gut wie unmöglich. Journalisten aus nah und fern strömten zur Pressekonferenz in die Alte Universität, es mussten mehrere Kontrollen passiert werden, ohne Akkreditierung gab es keine Chance auf Eintritt.

Zunächst wurde Marko befragt, er hielt Rückschau auf die vergangene Rennsaison, bei der es „zwischendurch zu einem Abwärtsstrudel mit 44 Punkten Rückstand gekommen ist“, schilderte er. Doch zuletzt ging für Vettel und Red Bull alles gut, und so betrat schließlich der 25-jährige Deutsche als Dreifach-Weltmeister die Bühne. „Schon unglaublich wie schnell das alles gegangen ist, ich darf nur nicht zur sehr darüber nachdenken“, meinte er. Dann trug er sich zusammen mit Marko in das Goldene Buch der Stadt Graz ein, wo sich zuletzt Roger Moore verewigt hatte.

Dann warteten die laut Veranstalter rund 30.000 Zuschauer gespannt darauf, dass Vettel in seinem Rennwagen richtig Gas geben würde. Das tat er gegen 12.15 Uhr dann auch, und obwohl er die 160 km/h nicht ganz erreichte, war er nur ein hell aufheulender bunter Fleck, der am Publikum vorbeirauschte. Weil es so schön war, fuhr er gleich ein zweites Mal, obwohl sowieso etwas später eine zweite Runde geplant war. Der erste Showrun - übrigens weltweit der einzige mit Vettel selbst am Steuer - war jedenfalls nach wenigen Augenblicken vorbei, es folgte nach einem kurzen Gespräch ein zweiter Durchgang, und Autogrammwünschen kam der Weltmeister auch noch nach. Unter den Zuschauern waren auch rund 200 Mitglieder des Fanklubs aus Heppenheim, der Heimatstadt Vettels, die extra nach Graz geflogen waren.

Vettel musste Nacht darüber schlafen

Auf eine verbale Revanche gegen Ferrari hat sich Vettel nicht eingelassen. Entspannt erklärte der dreifache Formel-1-Weltmeister, dass er im ersten Moment, als er mit dem aus Ferrari-Sicht umstrittenen Überholmanöver konfrontiert wurde, es selbst nicht mehr wusste. „Weil doch ziemlich viel passiert ist in dem Rennen“, sagte Vettel über den an Ereignissen kaum zu überbietenden Grand Prix von Brasilien am vergangenen Sonntag.

Nachdem der 25-jährige Deutsche nach dem ersten Telefonat eine Nacht darüber geschlafen hatte, griff er am nächsten Morgen umgehend wieder zum Hörer und versicherte seinem Teamchef Christian Horner: „Da war links ein Streckenposten, der die Grüne Flagge geschwenkt hat. 100 Prozent. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer.“

Ein Video vom Saisonfinale in Sao Paulo, wo er sich mit Rang sechs zum dritten Mal in Folge zum Weltmeister gekrönt hatte, belegt Vettels Aussage. Ein anderes Video sollte indes als Beweis herhalten, dass er den Franzosen Jean-Eric Vergne vom Red-Bull-Schwesterteam in Runde vier angeblich verbotenerweise unter Gelben Flaggen passierte. „Was soll man dazu sagen? Im Nachhinein ist es, glaube ich, klar“, betonte Vettel.

Die geschlagene Scuderia versuchte unterdessen, ihr Aufbegehren noch einmal zu rechtfertigen. „Wir hatten keine Absicht, den Verdienst des Titelgewinners zu schmälern“, sagte Teamchef Stefano Domenicali. Nachdem aber einiges im Internet die Runde gemacht habe, hätten sie den Internationalen Automobilverband FIA einfach um eine Klarstellung bitten müssen, meinte der Italiener. Sein Starpilot Fernando Alonso, dem Domenicali die Bestnote 10 im Gegensatz zum eigenen Team (7) gab, freute sich bereits auf das traditionelle Ferrari-Finale, um „unser bestes Jahr mit den Tifosi zu feiern“.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 01.12.2012  15:47
aktualisiert: Sa, 01.12.2012  16:16
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