Havelange-Rücktritt als IOC-Mitglied könnte nur Anfang sein
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Bat aus gesundheitlichen Gründen um den Rücktritt: Havelange.
Foto: REUTERS
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Lausanne – Ein hochrangiger Funktionär aus der olympischen Familie hat am Montag der deutschen Nachrichtenagentur (dpa) Joao Havelanges Rücktritt aus dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bestätigt. Der Brasilianer habe in einem Brief aus gesundheitlichen Gründen um seinen Rückzug gebeten. Der ehemalige Präsident des Fußball-Weltverbandes (FIFA) kam dadurch einem möglichen Ausschluss aus der Ringe-Organisation zuvor.
Machtgefüge wankt
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) drängte seinen 95-jährigen Doyen zu einem schmachvollen Abschied, das Machtgefüge im internationalen Fußball wankt. Als Konsequenz des ISL-Bestechungsskandals sollen noch diese Woche mildere Sanktionen gegen den Präsidenten des afrikanischen Fußballverbandes, Issa Hayatou, und den Chef des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), Lamine Diack, folgen.
In der kommenden Woche könnte es Havelanges umstrittenen Ex-Schwiegersohn Ricardo Teixeira, langjähriges Mitglied der FIFA-Exekutive und Chef des Organisationskomitees für die Fußball-WM 2014, erwischen. Die FIFA-Exekutive will in Tokio die hochbrisanten ISL-Akten veröffentlichen - und müsste dann auch den Fall Havelange bewerten. Daher könnte der davor auch sein Amt als FIFA-Ehrenpräsident zurückgeben.
„Das Schlimmste verhindert“
In Brasiliens Zeitungen ist der Rückzug von Havelange aus dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im Medientrubel um die Fußball-Meisterschaft und den Tod von Ex-Nationalspieler Socrates nahezu untergegangen. Die Blätter widmeten der Personalie am Montag nur auf den hinteren Seiten Platz.
„Melancholisches Ende“ schrieb der „Estado de Sao Paulo“. „Mit der Rücktrittsbitte hat Havelange das Schlimmste verhindert: Befleckt zu sein durch eine öffentliche Feststellung der Korruption in den Jahren seines FIFA-Kommandos.“ Die Sportzeitung „Lance!“ wies darauf hin, dass Havelange der Aufklärung des Komitees ein Ende gesetzt habe, das nun weder Ergebnisse veröffentlichen, noch Sanktionen verhängen könne.
Millionen von Agentur kassiert
Havelange und Teixeira sollen nach BBC-Informationen über Tarnfirmen Millionen von der 2001 in Insolvenz gegangenen Sportvermarktungsagentur ISL kassiert haben. Beide wiesen bisher die Vorwürfe zurück. Die ISL soll jahrelang einflussreiche Vertreter aus dem IOC, der FIFA und anderen internationalen Verbänden bestochen und als Gegenleistung lukrative TV- und Marketingverträge zugeschanzt bekommen haben.
Demnach bereicherten sich die Funktionäre um Millionen. In der FIFA-Exekutive sehen sich neben Hayatou und Teixeira auch Julio Grondona (ARG), Nicolas Leoz (PAR), Chuck Blazer (USA) und Worawi Makudi (THA) mit Bestechungsvorwürfen konfrontiert. Alle haben die Anschuldigungen stets entschieden zurückgewiesen.
Seit der umstrittenen Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar hat sich die Zusammensetzung der FIFA-Regierung bereits gewaltig verändert. Drei Funktionäre wurden ausgeschlossen - Mohamed bin Hammam (Katar), Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temari (Tahiti). Der ehemalige FIFA-Vize Jack Warner kam einer Suspendierung durch seinen Rücktritt zuvor. (APA/dpa)



