„Olympiasieger – für immer“
Von Florian Madl
Innsbruck – Stephan Eberharter war Zeit seiner Karriere als Skirennläufer keiner, der zu übermäßigen Gefühlsbekundungen neigte. Das mag am Naturell des mittlerweile 42-Jährigen liegen. Oder an der Vita des Zillertalers, der 21-jährig Doppel-Weltmeister wurde. Nach einer langen Durststrecke kehrte der „Steff“ Ende der 90er nämlich gereift an die Weltspitze zurück. Und er gewann alles: den Gesamtweltcup, Kitzbühel und weitere WM-Medaillen. Doch was galt das alles schon, wenn SIE fehlte, die eine: die olympische Goldmedaille. Am 21. Februar 2002 sollte es in Salt Lake City schließlich so weit sein. Eberharter, einen Bären von einem Mann, trugen im Zielraum die Beine nicht mehr. Eben hatte er Riesentorlauf-Gold geholt und zählte zur Kaste der sportlich Unantastbaren: „Mag sein, dass andere Erfolge wertvoller sind. Als Gesamtweltcupsieger etwa musst du eine Saison lang stark sein, das Olympiarennen ist nur eine Tagesveranstaltung. Aber Olympiasieger bist du für immer.“ Ihm in den Mund gelegt: Bei Weltmeistern wüsste man Jahre später nicht mehr exakt, wann sie wo was gewonnen hätten.
Ab 13. Jänner 2012 können sich 1059 Athleten aus 70 Nationen diesen Traum von der Goldmedaille erfüllen. Sie gelten im Biotop des Sports gewissermaßen als Versuchskaninchen, hat man doch mit der Edelmetalljagd von 14- bis 18-Jährigen nicht die geringste Erfahrung. Selbst das Internationale Olympische Komitee ließ von den Jugendsommerspielen in Singapur 2010 keine Medaillenspiegel veröffentlichen. Und wiewohl auf der allwissenden Wikipedia-Seite im Verlauf der Spiele täglich ein aktualisierter zu finden war, so war er regelmäßig zu Mittag bereits wieder weggewischt. Wie von Geisterhand. Oder doch von jenen olympischen Gralshütern, die sich dem Jugendsport mit Glaceehandschuhen nähern? Keiner will schließlich in den Verdacht kommen, das Projekt als Werbeplattform zu missbrauchen.
Zurück zu Stephan Eberharter, der sich auf die Jugendspiele in Innsbruck schon „richtig freut“: „Ich bin gespannt, wie die Bevölkerung und die Medien darauf reagieren.“ Was die sportliche Wertigkeit anbelangt, mahnt er allerdings zur Zurückhaltung: Eine Goldmedaille sei vergleichbar mit einem Junioren-Weltmeistertitel im Skifahren. Das wisse keiner besser als er, der diesen Titel nie gewann und der ihm auch nie abging. Bis zu seiner Bronze-Statue auf dem nach einem selbst benannten Dorfplatz sei es dann noch ein weiter Weg: „Mit Gold bei den Jugendspielen stehst du erst am Anfang.“ Ein Besuch am Stephan-Eberharter-Platz in Stumm öffnet einem diesbezüglich die Augen ...



