18.12.2011
Olympia

Feuerholen war eine olympische Herkulesaufgabe

Entzündet in Athen und transportiert in einer Frachtmaschine des Heeres, brennt seit gestern wieder das olympische Feuer in Innsbruck.
Die Hohepriesterin entzündet die Fackel in einem Parabolspiegel, der auf die Sonne ausgerichtet ist. Olympische Aussichten gab es aus dem Cockpit der Herkules, die das Feuer nach Innsbruck transportierte, wo es in der Maria-Theresien-Straße entfacht worden ist. Fotos: Mair (2), Böhm
   

Von Christoph Mair

Innsbruck, Athen – Samstag, sechs Uhr Früh, Flughafen Wien-Schwechat: Eine Hercules-Transportmaschine des Bundesheeres hebt zu einer besonderen Mission ab. Sie soll das olympische Feuer für die ersten Jugendwinterspiele im Jänner aus Athen nach Innsbruck bringen: begleitet von einer hochrangigen österreichischen Delegation, angeführt von Sportminister Norbert Darabos.

Athen empfängt die Österreicher mit beinahe 20 Grad und auf historischem Boden: Im Panathinaikos-Stadion, das 1896 für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit errichtet worden ist, wird das Feuer für die weltweit ersten Jugendwinterspiele entzündet – nach einem alten Ritual. Schauspielerinnen als Priesterinnen der Hera und des Apollon entzünden die Fackel mithilfe eines Hohlspiegels, in dem sich die Sonnenstrahlen bündeln. Ein Spiel mit dem Feuer, denn Wolken drohen das Schauspiel zu verdunkeln. Ersatz von einer dauernd brennenden Flamme steht schon bereit, doch die Götter des Olymp wollen es offenbar anders: Gerade im richtigen Moment kommt die Sonne durch und verhilft somit auch der Tradition zum Durchbruch. Die Hohepriesterin hält die Fackel in den Spiegel und nach wenigen Sekunden brennt sie.

Sie gibt das Feuer weiter an den ersten Fackelläufer, der ab 27. Dezember als einer von 2012 Läufern das Feuer durch ganz Österreich tragen wird.

Zuvor musste es aber sicher aus Athen nach Innsbruck gebracht werden. Zur Sicherheit auf drei Laternen aufgeteilt, ging es in der Hercules in die Tiroler Landeshauptstadt, in der als erster Stadt weltweit dreimal (1964, 1976 und 2012) das olympische Feuer gebrannt haben wird.

Vom Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, bekamen die Innsbrucker viele Vorschusslorbeeren mit auf den Weg: „Das olympiaerfahrene Innsbruck ist ideal als Austragungsstätte für die ersten Jugendwinterspiele“, erklärte der IOC-Präsident. Nicht nur, dass die Bedingung erfüllt sei, keine teure neue Infrastruktur bauen zu müssen. „Die Leistungen der Nachwuchssportler in Innsbruck sollen den Weg für alle nach ihnen kommenden Athleten ebnen, wie es die ersten Winterspiele 1924 in Chamonix getan haben.“

Mit an Bord war auch Tirols Sportlandesrat LHStv. Hannes Gschwentner, der auch im Aufsichtsrat der Jugendspiele-Gesellschaft sitzt. Für ihn war die Zeremonie in Athen „der Auftakt für das Finale“ bis zum Beginn der Spiele am 13. Jänner. „Aber es ist jetzt schon alles bereit“, meinte Gschwentner noch in Athen. Und tatsächlich scheint es so, als würde die olympische Jugendpremiere in Tirol unter dem besonderen Schutz der Götter stehen: Denn das olympische Feuer kam in ein verschneites Innsbruck, wo es am Flughafen von LH Günther Platter und BM Christine Oppitz-Plörer in Empfang genommen und vor den Augen vieler Schaulustiger in der Maria-Theresien-Straße entfacht worden ist.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 18.12.2011
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