09.01.2012
Olympia

Olympische Rosen für Herrn Rosenzopf

Das gewagte Experiment, Olympische Winterspiele jugendlichen Sportlern zugänglich zu machen, steht in Tirol (13.-22. Jänner 2012) vor seiner Durchführung.
Das mit 60.000 Zuschauern gefüllte Bergisel-Stadion (unten/1964), darüber ein enthusiastischer Franz Klammer (1976).Fotos (2): imago/Kicker
   
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Jugendspiele 2012

Die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele finden von 13. bis 22. Jänner 2012 in Innsbruck, Seefeld und im Kühtai statt.

1059 Athleten zwischen 15 und 18 Jahren aus über 60 Nationen haben sich angekündigt, Österreichs Mannschaft werden 81 Athleten angehören.

63 Medaillenwettbewerbe stehen auf dem Programm, nicht weniger als 14 davon erleben in Tirol ihre olympische Premiere. Darunter: Snowboard Slopestyle und Ski Halfpipe sowie gemischte Teambewerbe und nationenübergreifende Bewerbe, bei denen Athleten aus verschiedenen Ländern gemeinsam an den Start gehen.

Infos: www.innsbruck2012.com

Von Florian Madl

Innsbruck – Ein unbeugsamer Kärntner namens Johann Rosenzopf (72), man könnte ihn den „Don Quijote“ der modernen Sport-Zeitrechnung nennen, machte den Anfang. Der Kärntner war Ende der 90er mit seiner Idee, Olympische Jugendspiele zu veranstalten, beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgeprescht (und abgeblitzt).

Als sich Jahre später ausgerechnet IOC-Präsident Jacques Rogge für die Idee feiern ließ, war der Kampf perfekt: Jakob gegen Johann, Groß gegen Klein. „Da geht es um Gerechtigkeit. Andere stehen im Lexikon, ich nicht.“ Erst Jahre später wurde Johann Rosenzopf die von ihm juristisch eingeforderte Anerkennung zuteil. Der Kärntner bekam vom IOC 2010 die Erlaubnis, sich als „maßgeblicher und bedeutsamer Impulsgeber“ der Veranstaltung zu bezeichnen.

Doch mit dem, was Jacques Rogge aus der Idee kreierte, hatte das Rosenzopf‘sche Modell in etwa so viel gemeinsam wie die ersten Olympischen Spiele (776 v. Chr.) mit denen der Neuzeit. In der Antike traten Sportler nackt an und lediglich unverheiratete Frauen durften in die Zuschauerränge. Auf Verstoß gegen diese Regel stand die Todesstrafe. Rogges Idee von Jugend-Winterspielen war neu, sie erntete viel Kritik von Olympia-Puristen und Kommerzialisierungsgegnern. Aber das haben bahnbrechende Entwicklungen nun einmal an sich, das war schon 1972 so. Damals, als Karl Schranz aufgrund einer Kaffee-Werbung in einem Hobby-Fußballspiel nach Hause geschickt wurde. Oder 1976, als das Fernsehen im großen Stil seinen Einzug hielt. Oder 1984, als bei den Sommerspielen in Los Angeles erstmals Verträge im großen Stil abgeschlossen wurden und das Minusgeschäft Olympische Spiele plötzlich die Infrastruktur eines Gastgeberlandes um Lichtjahre nach vorne katapultieren konnte. In Athen verzögerten die Sommerspiele 2004 zumindest den schleichenden Niedergang der staatlichen Wirtschaft.

Weg von der Kommerzialisierung, hieß es einem Stehsatz gleich vor den ersten Jugendspielen im Sommer 2010 (Singapur). Doch was der asiatische Stadtstaat aus dem Boden zauberte, ließ das Lächeln der IOC-Verantwortlichen gefrieren. Die Veranstaltung verschlang das Vierfache des ursprünglich veranschlagten Budgets (222 Mio. Euro). Was als Billigevent geplant war, sprengte jeden Rahmen, allein die Eröffnung entsprach dem Gesamtbudget der anstehenden Winter­spiele 2012 in Innsbruck, Seefeld und im Kühtai. Wollte man eben doch nur neue Werbemärkte erschließen und bediente sich dabei der IOC-Ideale als Feigenblatt?

Es glich geradezu einer Drohung, als IOC-Präsident Jacques Rogge den Innsbruckern umgehend das Negativbeispiel Singapur vor die Nase hielt: So etwas wolle er nicht, soll der Belgier gesagt haben. Vielmehr fordert der ehemalige Rugby-Spieler und Olympiasegler Sport, gepaart mit Kultur. Und Innovationen wie den Teambewerb oder sportartübergreifende Staffeln. Ob es gelingt? Wie sagte Jacques Rogge einmal: „Ich kann nicht in der Kristallkugel lesen.“ So geht es ihm bei aller Zuversicht mit den ersten Olympischen Jugend-Winterspielen. Einzig der erfahrene Schauplatz Tirol dient ihm aufgrund der Erfahrungswerte von den Spielen 1964 und 1976 als Konstante.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 09.01.2012
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