17.01.2012
YOG 2012

Von wegen Männersport

Die österreichische Mädchen-Eishockeymannschaft überzeugt bei den Jugendspielen.
Kampfbetontes Spiel – Julia Frick bejubelt den Treffer von Teamkollegin Victoria Hummel (am Boden).Foto: APA/Gindl
Foto: APA/BARBARA GINDL

Von Tobias Waidhofer

Innsbruck – Schnell, hart und körperbetont – eigentlich ist Eishockey der Inbegriff eines Männersports. Bei den Olympischen Jugendspielen ist die österreichische Mädchen-Mannschaft aktuell aber drauf und dran, dieses Vorurteil in das Reich der Fabeln zu verweisen.

Nach den erwarteten Auftaktsiegen gegen die Slowakei (9:0) und Kasachstan (8:1) ließ die rot-weiß-rote Auswahl gestern auch Deutschland verzweifeln. Mit einem 5:2-Erfolg über das nördliche Nachbarland meldete die Mannschaft von Headcoach Christian Yngve endgültig lautstark Ansprüche auf eine Medaille an. „Die Mädchen haben sehr viel Selbstvertrauen“, lobt der Trainer. „Ich konnte bisher alle Spielerinnen einsetzen. Sie haben gezeigt, dass sie bereit sind, alles für die Mannschaft zu geben. Wir werden von Spiel zu Spiel besser.“ Ein Lob, das auch den vier Tirolerinnen in der Mannschaft gebührt. Anna Schmid (Zirl), Paulina Polcik (Kirchdorf), Luisa Steiner (Prägarten) und Julia Frick (Kematen) wussten bisher vollends zu überzeugen.

Besonders hervorgetan hat sich Anna Schmid. Eigentlich ist die 17-Jährige gelernte Torhüterin – beim Olympia-Turnier wird sie allerdings als Feldspielerin eingesetzt. Für die Zirlerin kein Problem: Gegen Kasachstan gelang ihr prompt der Treffer zum 5:0. „Das war schon etwas Besonderes“, grinste Schmid noch einen Tag nach dem persönlichen Erfolgserlebnis von einem Ohr bis zum anderen.

Dass der Teamgeist bei den Mädchen besonders großgeschrieben wird, beweist folgende Geschichte: Schmids Teamkollegin Victoria Hummel besorgte der Tirolerin nach dem Match gegen Kasachstan sogar den Spielpuck, mit dem ihr der Treffer gelungen war.

Für die österreichischen Burschen setzte es gestern hingegen im dritten Spiel die dritte Pleite. Nach Finnland und den USA war auch Russland beim 1:11 eine Nummer zu groß. Medaillenchancen scheinen also nur die Mädchen zu haben – und auch dort wird schnell, hart und körperbetont gespielt.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 17.01.2012
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