19.01.2012
YOG 2012

„Das hier ist kein Pfadfinderlager“

Halbzeit. Zeit, um das bisher Erlebte bei den Jugend-Winterspielen in Tirol (bis Sonntag) Revue passieren zu lassen. Ein Streifzug durch Souvenirläden und Sportgeschäfte, ein Gespräch mit den Verantwortlichen.
Die YOG-Devotionalien sind mittlerweile ausverkauft, Geschäfte berichten von gutem Umsatz. Werbung für Firmen ohne IOC-Bezug (siehe rechts) wird indes in keiner Form geduldet.Foto: Hotter, Hammerle
Foto: hotter
     

Innsbruck – Die Jugend-Winterspiele warfen im Vorfeld Fragen auf, von denen schon zur Halbzeit der Veranstaltung einige beantwortet werden können. Das Gros der Betroffenen zeigte sich über die Premiere des neuen Olympia-Formats jedenfalls zufrieden, die Latte für den nächsten Austragungsort Lillehammer – die Norweger sind 2016 an der Reihe – liegt hoch.

Medaillenjagd – war das nicht anders geplant? Von seiner ursprünglichen Idee, auf Medaillen zu verzichten, ist Jacques Rogge (Präsident des Internationalen Olympischen Komitees/IOC) abgerückt. Rogge: „Wenn es keinen Wettkampf gibt, dann würde auch keiner kommen. Der sportliche Gedanke muss erhalten bleiben. Wir sind nicht im Pfadfinderlager – hier kommen die besten Athleten der Welt zusammen.“

Interesse – entspricht es den Erwartungen? Das Zuschaueraufkommen bei den Jugend-Winterspielen ist zur Halbzeit größer als erwartet. Insgesamt haben bereits 55.000 die Bewerbe und die Medaillenzeremonie am Medals Plaza im Herzen Innsbrucks besucht. Vor allem Schulklassen finden mit ihren Lehrern oft den Weg zu den Sportstätten. Daneben lockt ein ausgefeiltes Kultur- und Konzertprogramm die Zuschauer in die Innsbrucker Innenstadt.

Vorteile/Nachteile – gibt es Justierungsbedarf? Rogge: „Ich sehe viele Vorteile, aber wenige Nachteile. Der größte Vorteil ist es, dass die Athleten zueinanderfinden. Was mir noch fehlt: die Einbindung der Trainer. Es gibt ein spezielles Programm für Athleten. So etwas ist auch für die Trainer vorstellbar.“

Geld – bleibt etwas in der Kasse? „Die rennen uns das Haus ein“, meint eine Mitarbeiterin im Tirol Shop in Anspielung auf ihre Fanartikel. Es seien mittlerweile alle ausverkauft, das hätte man „nie gedacht“. Eine Gruppe von Chinesen hätte gleich 160 Yoggl-Stofftiere gekauft. Bei einem Geschäft für Designerware konnte man eine kleine Umsatzsteigerung verzeichnen, allerdings „nicht im hochwertigen Bereich“, erklärt Ingeborg Einwaller.

In einem Sportgeschäft spricht Betriebsleiter Hjalmar Comploy von einer 15-prozentigen Umsatzsteigerung. „Mützen, Handschuhe oder Accessoires sind beliebt.“ Und von der Sonntagsöffnung will man im Kaufhaus Tyrol profitieren: „Dadurch konnten wir ein ordentliches Plus erreichen“, meint Centermanager Sebastian Schneemann.

Medien – ist Teil sein wirklich alles? Aus Sicht der Tirolwerbung auf alle Fälle. 700 Journalisten aus 81 Ländern wurden akkreditiert, über 20 TV-Stationen aus aller Welt übertragen. Die Zahl der medialen Erwähnungen schwankt zwischenzeitlich von 3000 bis 10.000.

Gästebetten – sind die gefüllt? „Das vergangene Wochenende war bis auf ein paar Restplätze so gut wie ausgebucht. Für Mitte Jänner ist das eine gute Auslastung“, meint Robert Valentini, Geschäftsführer von Innsbruck Information und Reservierung.

Wetter – bleibt das so schön? Organisationschef Peter Bayer ist auf eine schlechtere Witterung eingestellt. „Heute erwarten wir einen weiteren schönen Wintertag. Morgen wird der Schnee allerdings bis hinunter in die Stadt fallen. Es wird etwas ungemütlicher“, weiß Bayer, der Ex-Wetterexperte Karl Gabl aus dem Ruhestand geholt hatte.

Jugend und Wettkampf – kann das gutgehen? Nach Meinung von Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbands FIS, schon: „Man muss nur aufpassen, dass es nicht zu viele Jugendbewerbe gibt. Aber die YOG finden nur alle vier Jahre statt – es kommt also nur jede zweite Generation bei diesem Event zum Zug.“

Exoten – sind sie bei den YOG zuhause? Ein Ski-Olympiasieger kommt aus Marokko, FIS-Präsident Kasper weiß: „Ein großer Wert für den Sport in Afrika.“ (TT)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 19.01.2012
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