04.08.2012, 12:06  Aktualisiert: 04.08.2012, 16:59 
Olympia

„Spaziergänger“ Bolt, Prothesen-Läufer Pistorius im 400-m-Halbfinale

Der 25-Jährige lief in 45,44 Sekunden persönliche Saisonbestzeit.
Foto: EPA
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London – Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und fingen alle Blicke ein. Zum einen Oscar Pistorus, der nach langen Kampf um seine Zulassung als erster an beiden Beinen amputierter Läufer bei Olympischen Spielen an den Start gegangen war und die erste Runde über 400 Meter mit persönlicher Saisonbestzeit 45,44 Sekunden überstand. Zum anderen Superstar und Weltrekordler Usain Bolt, der bei seinem Erstauftritt Samstagmittag im Olympiastadion von London gemütlich in 10,09 Sekunden ins Halbfinale über 100 m spazierte.

Pistorius lächelte, wirkte aber leicht angespannt. Bolt gab sich cool, doch zugleich dosiert. „Ich war so nervös heute früh“, beschrieb der 25-jährige Südafrikaner Pistorius, wie es ihm vor dem historischen Rennen vor 80.000 Zuschauern ergangen war.

„Das ist die aufregendste Erfahrung meines Lebens, das Publikum war wunderbar. Alleine schon das Erlebnis, hier zu sein, ist ein wahrgewordener Traum“, sagte er nachher und dankte für die Unterstützung. „Ich wusste nicht recht, ob ich weinen sollte. Ich hatte total gemischte Gefühle“, erklärte Pistorius.

Sein erstes Großereignis ist London nicht, bei der WM im Vorjahr kam er im Einzel ins Halbfinale und gewann mit der Staffel Silber. 2008 hatte sich der „Blade Runner“ vor dem Obersten Sportgerichtshof sein Startrecht erkämpft, der Weltverband sah in den Prothesen einen Vorteil - dies wurde widerlegt. Pistorius will nach den Sommerspielen auch bei den Paralympics in London an den Start gehen.

Bolt erledigte seine Pflicht - nicht mehr und nicht weniger. Nach einem rumpeligen Start lag er schnell voran, ließ schnell nach und gewann seinen Lauf. „Meine Reaktion war gut, aber dann habe ich einen blöden Schritt gemacht und bin leicht gestolpert. Ich bin froh, dass es jetzt passiert ist“, sagte der dreifache Olympiasieger von Peking 2008, der bei der WM vor einem Jahr in Südkorea im Sprint-Finale nach einem Fehlstart disqualifiziert worden war. „Meine Beine fühlen sich gut an, deshalb bin ich glücklich.“

Weltmeister Yohan Blake erreichte in 10,00 Sekunden das Semifinale, Schnellster war der US-Amerikaner Ryan Bailey in 9,88 Sekunden. „So etwas habe ich erwartet. Ich habe keinen Druck. Niemand erwartet, dass ich eine Medaille hole. Ich kann mir eine Medaille von jemand anders stehlen“, sagte Bailey. Halbfinale und Finale stehen Sonntag auf dem Programm. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 04.08.2012  12:06
aktualisiert: Sa, 04.08.2012  16:59
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