Die Legende lebt, aber nicht jeder liebt sie
Von Florian Madl
Innsbruck – Eine Rechnung untermauert den unmittelbaren Gegenwert des Ötztaler Radmarathons: 4000 Teilnehmer, 75 Prozent davon kommen in Begleitung. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt drei Tage; was, um im Tourismusjargon zu bleiben, mit vor- und nachgelagerten Nächtigungen eine Zahl von 25.000 ergibt. Eine erkleckliche Zahl für das Ende der Sommersaison, die in Sölden mit dem Gletscherauftakt (Ski-Weltcup) schon bald ihre Fortsetzung findet.
„Beim Ötztaler Radmarathon steigen wir ohne Gewinn aus“, erzählt Oliver Schwarz, Geschäftsführer des Tourismusverbands. 400.000 Euro Budget würden allesamt in die Qualität investiert, von einer „Cashcow“ könne keine Rede sein.
Ähnliche Worte sind von Ernst Lorenzi, dem Ideengeber des Rad-Klassikers, zu vernehmen: „Das war kein gewöhnliches Radrennen, das war eine Alpenwerbung.“ Die Bilder würden neben den heimischen TV-Stationen an Sky Italia und ZDF weitergereicht, der Ullrich-Faktor trug als Multiplikator sein Übriges in zahlreichen Medien bei.
Doch während man in Sölden von der Bedeutung der Veranstaltung restlos überzeugt ist, finden sich auf Südtiroler Seite einige Gegenstimmen: Ein Hotelbesitzer wies auf Verunreinigungen hin – er sperrte sein Haus für den Tag des Rennens zu, ließ Absperrmaßnahmen anbringen, installierte ein Videoüberwachungssystem und drohte mit Anzeigen. Im Gegenzug, hieß es, soll der Betroffene mit Bilder der Veranstaltung werben.
Auch ein Vertreter des Diensts für Hygiene und öffentliche Gesundheit in Brixen führte Beschwerden an, die Veranstalter bleiben gelassen: „Wir haben heuer transportable Toiletten bei der Labestation am Liftparkplatz Jaufenpass aufgestellt“, erklärte Oliver Schwarz (TVB) dazu, von der Straßenmeisterei habe man für die Reinigungsaktion im Vorjahr zudem ein „dickes Lob“ geerntet. Nachsatz: „Es wird leider immer ein paar schwarze Schafe geben.“ Man wolle weiterhin ein anständiges Miteinander.
Einen Superlativ des Radmarathons werde es indes nicht geben: „Was die Teilnehmerzahlen anbelangt, sind wir am Limit. Mehr lässt die Veranstaltung nicht zu, wenn wir die Qualität beibehalten wollen“, erzählt Mitorganisator Ernst Lorenzi. Wenn man den Tourismusklassiker aufwerten wolle, dann ausschließlich auf der emotionalen Schiene: „Das, was wir 2011 erlebt haben, war geradezu profimäßig. Die Zuschaueranzahl konnte sich sehen lassen.“ Und die Legende sollen künftig noch mehr Leute lieben.



