Air & Style im Anflug auf Seattle
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Laute Töne sind seine Sache nicht – Air & Style-Erfinder Andrew Hourmont beweist Jahr für Jahr, dass auch in der Ruhe reichlich innovative Kraft steckt.Foto: Böhm
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Steckbrief
Mehr als 18 Jahre ist es her, als am Bergisel das erste Air & Style-Kapitel aufgeschlagen wurde. Ist außer dem Erfinder und Veranstaltungschef, also Ihrer Person, noch jemand vom Gründungsteam aktiv dabei?
Andrew Hourmont: Da muss ich nachdenken (denkt nach). Nicht wirklich, zumindest, was unser Kernteam anbelangt, das sich aus gerade einmal sechs Leuten zusammensetzt. Aber wenn ich dieser Tage zu den Aufbauarbeiten auf den Bergisel schaue, tummeln sich schon ein paar, die schon damals mit von der Partie waren. Aber es ist klar, dass sich gerade in unserem Segment vieles verändert.
Inwiefern?
Hourmont: Es ist nicht so, dass ich meinen Mitarbeitern große Gagen zahlen kann. Und ab einem gewissen Alter versucht man sich auch anderweitig zu orientieren und zu positionieren. Dafür rücken immer wieder junge, hungrige Leute aus der Szene nach. Leute, die das Snowboarden leben, die ihr Hobby quasi zum Beruf machen und mit Feuereifer dabei sind und viel Kreatives beitragen.
Inwiefern haben Sie sich als nunmehriger Mitvierziger diesen Spirit, dieses Feuer erhalten?
Hourmont: Keine Frage, es gab solche und solche Jahre. Von der Zuschauertragödie bis zum Konkurs haben ich auch äußerst schmerzliche Momente erlebt. Das prägt und verändert. Doch die Air & Style-Philosophie ist immer dieselbe geblieben. Wir wollen der Jugend den coolsten Tag des Jahres bescheren. Mit den besten Freestylern der Welt, erstklassigen Bands und natürlich dem entsprechenden Rahmenprogramm. Wenn ich wie im Vorjahr gegen Contest-Ende in die feiernden Zuschauerränge blicke und sehe, welchen Spaß die Leute haben, dann gibt mir das Berge. Dann weiß ich ganz genau, wofür mein Team und ich uns ein Jahr reingehängt haben. Natürlich gibt es auch noch einen anderen Aspekt.
Und zwar?
Hourmont: Meine Vision ist es, den Air & Style weltweit aufzustellen. Wir haben mit nunmehr zwei Events in Peking einen Riesenschritt in China gemacht, jetzt wollen wir uns in den USA etablieren, um die von mir schon öfters angesprochene Air & Style-Tour ins Leben rufen zu können. Solange ich dieses Ziel nicht erreicht habe, gebe ich keinen Frieden.
Warum zieht sich die Umsetzung Ihrer Tourpläne derart in die Länge?
Hourmont: Wie bereits angesprochen: Wir sind eine sehr kleine Firma und es ist ja nicht so, dass wir unsere Rechte einfach an irgendwen irgendwo verkaufen wollen. Wir haben auch den Air & Style in Peking großteils selbst produziert und für eine schnellere Umsetzung fehlt uns ganz einfach der monetäre Background. Aber gerade darin liegt ja die große Herausforderung. Den Air & Style, dieses Tiroler Produkt, in seiner Gesamtheit zu belassen, dies aber global umzusetzen.
Wann immer Sie in den vergangenen Jahren von einem Air & Style in den USA gesprochen haben, fiel stets auch die Traumdestination New York.
Hourmont: Wir haben uns in den vergangenen zwei Jahren einige Städte und Stadien angesehen und sind inzwischen zum Schluss gekommen, dass New York zu diesem Zeitpunkt nicht die richtige City für uns ist. Da wären wir nur einer von vielen Events. Ich bin guter Dinge, dass es vielleicht schon nächstes Jahr in Seattle klappen könnte. Seattle ist eine Winterstadt wie Innsbruck, hier pulsiert die Musik- und Sportszene und wenn du so durch die Stadt schlenderst, triffst du wie bei uns auf Skater und Snowboarder. Da passen wir hin, da wollen sie uns auch haben. Und am Samstag wird auch eine Abordnung aus Seattle auf den Bergisel kommen.
Und dort waghalsige Stunts zu sehen bekommen. Erst vor zwei Wochen ist mit der kanadischen Ski-Freestylerin Sarah Burke eine mehrfache X-Games-Siegerin in der Halfpipe tödlich verunglückt. Wie gehen Sie als Veranstalter mit dieser latenten Gefahr um?
Hourmont: Natürlich eine höchst sensible Thematik. Als wir mit dem Air & Style auf den Bergisel zurückgekehrt sind, versuchten wir es zwei Jahre lang mit dem Quarterpipe-Format: äußerst spektakulär, aber auch sehr gefährlich. Da für mich klar war, dass verhängnisvolle Stürze nur eine Frage der Zeit waren, sind wir wieder zu unserem Ursprung, dem Straight Jump, zurückgekehrt. Ich will nichts verschreien, aber in den vergangenen 18 Jahren sind unsere Fahrer von gröberen Verletzungen verschont geblieben, es gab einen einzigen Knochenbruch.
Das war vor zwei Jahren der Kanadier Sebastien Toutant?
Hourmont: Genau. Seb wollte es bei seinem ersten Trainingssprung derart wissen, dass er viel zu viel Anlauf genommen hatte, die ohnedies großzügig dimensionierte Anlage regelrecht übersprang und im Flachen aufschlug. Wir tun jedenfalls alles, die ganze Sache so sicher wie möglich zu machen, ausschließen kannst du eine schwere Verletzung aber nie.
So wie es aussieht, werden die 12.500 Karten noch vor dem Contest-Tag verkauft sein. Hätten Sie mehr Tickets auflegen können?
Hourmont: Der Bergisel ist, so viel ich weiß, für 18.000 Leute ausgelegt, aber wir sind in unseren Gesprächen mit den Behörden erst gar nicht in diese Dimensionen vorgestoßen. Wir wollen ein gemütlich-volles Stadion mit genügend Freiräumen.
Auf was freuen Sie sich als Veranstalter am meisten?
Hourmont: Auf das Zusammenspiel der Sportler mit dem Publikum. Es gibt viele tolle Events, aber was hier an gegenseitiger Energie frei wird, ist für mich einzigartig.
Das Gespräch führte Max Ischia



