02.02.2012
Ski Alpin

Rückkehr in den Himmel

„Zwischen Himmel und Hölle“, sang Elisabeth Görgl vergangenes Jahr – der Titelsong der Ski-WM von Garmisch-Partenkirchen. Sie selbst fuhr sich mit zweimal Gold in den Ski-Himmel. Nun kehrt sie zurück.

Von Manuel Fasser

Garmisch – Die Ski-Welt erwartete den Showdown zwischen Lindsey Vonn und Maria Riesch – damals noch ohne Doppelnamen –, die bis zu diesem Dienstag, 8. Februar 2011, in allen Speed-Rennen dominant waren. Doch der Lauf der Dinge wandte sich gegen die beiden Ausnahme-Skifahrerinnen: Vonn war kurz zuvor bei einem Trainingslauf so schwer gestürzt, dass sie eine Gehirnerschütterung erlitt, die sie für die Dauer der Weltmeisterschaften außer Konkurrenz setzte. Und Lokalmatadorin Riesch packte eine Erkältung – mit Taschentüchern am Pult saß sie bei Pressekonferenzen und klagte nasal ihr Leid.

Die Gunst der Stunde ergriff Elisabeth Görgl (30), die auf der pickelharten Piste eine Klasse für sich war: Erst gewann die Innsbruckerin den Super-G, das Auftaktrennen der WM; eine Woche später schlug sie auch in der Abfahrt zu und ließ sich die zweite Goldene um den Hals hängen. „From Heaven to Hell“ – „Vom Himmel in die Hölle“, sang sie zwischen ihren Siegen. „You‘re the Hero“ war der Titelsong der Weltmeisterschaften, der in Anlehnung an die Streckenabschnitte Himmel und Hölle auch zur Metapher von Görgls Karriere wurde: Nach langen, harten Jahren schaffte die 30-Jährige nach Bronze bei den Olympischen Spielen 2008 in Garmisch endgültig den Durchbruch an die Spitze. Görgl war sozusagen im Ski-Himmel angelangt.

Gestern kehrte Görgl zurück nach Garmisch-Partenkirchen. In jene Marktgemeinde, in der sie von einer guten zu einer herausragenden Sportlerin wuchs. In der Zwischenzeit wurde sie zu Österreichs Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Vor einem Monat gewann sie in Bad Kleinkirchheim eine Abfahrt, ihr erster Sieg seit den WM-Medaillen.

In Garmisch-Partenkirchen, bei der Abfahrt am Samstag und den Super-G am Sonntag, wolle sie tun, was sie immer tue: Einfach ihren Weg gehen. Und natürlich stets in der Mitte bleiben, ihr Lebens- und Erfolgsmotto.

Jedoch dürfte in der heurigen Ausgabe von Garmisch-Partenkirchen ein härterer Wind um die Zugspitze blasen: Lindsey Vonn ist in Top-Form und konnte sich auch zuletzt in St. Moritz ohne ernsthafte Widersacherin das Stockerl erobern. Und auch Maria Höfl-Riesch scheint nach anfänglichen Startschwierigkeiten in die Gänge gekommen zu sein: Ihr Sieg bei der Super-Kombination von St. Moritz war ein klares Ausrufezeichen.

Zu guter Letzt ist die Abfahrt selbst ein entscheidender Faktor: Die Piste ist dank massig Schnee eine gänzlich andere als bei der WM vor einem Jahr.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 02.02.2012
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