03.02.2012
Snowboard

Nicht nur das Zillertal steht kopf

Noch ein Tag bis zum Billabong Air & Style – die TT bat Tirols Hoffnungsträger zum Spaziergang durch Innsbruck und traf drei Zillertaler Jungs, die ihren Traum verwirklichen. In guten wie in schlechten Zeiten.
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Von Max Ischia

Innsbruck – Es ist kalt da draußen. Saukalt. Doch die neun Minusgrade, die das Thermometer anzeigt, kosten die Jungs im Snowboard-Outfit nicht einmal einen Huster. Werner Stock, Peter König und Tom Klocker sind es schließlich gewohnt, bei Wind und Wetter ihrer Arbeit nachzugehen. Sie sind Snowboard-Profis – und am Samstag ab 17 Uhr Tirols Hoffnungsträger­ beim Billabong Air & Style am Bergisel. Beim gemütlichen Spaziergang durch die Innsbrucker Innenstadt plauderte das Trio über sein bewegtes Leben – und über so manchen Rückschlag, der in diesem Hochrisikojob zum Tagesgeschäft gehört.

Werner Stock (24): Vor einem Jahr, als sich der Blondschopf aus Tux als Dritter aufs Air&Style-Podest getrickst und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt hatte, hing der Himmel voller Geigen. Wenige Wochen später fand sich der „Wörni“, wie er allerorts genannt wird, sinnbildlich in der Hölle wieder. Nicht nur, dass er sich im Training nach 2004 und 2007 zum dritten Mal das Kreuzband im rechten Knie gerissen hatte­, lag er später aufgrund von auftretenden Komplikationen binnen dreier Monate fünfmal am Operationstisch. Ein prägendes Stück Vergangenheit, wie der 24-Jährige heute meint. Doch weil das Knie hält und er im Sommer körperlich hart wie nie zuvor gearbeitet hat, fühlt er sich gut in Schuss. Vielleicht kommt der morgige Event noch ein paar Wochen zu früh, „aber bei diesem einzigartigen Publikum gehst du ohnedies automatisch über deine Grenzen“.

Peter König (23): Aller guten Dinge sind drei – sagt sich auch der König aus Fügen, denn die beiden bisherigen Air & Style-Auftritte blieben eher in schmerzhafter Erinnerung. Bei der Premiere 2009 luxierte sich der selbst ernannte Spaßvogel zum wiederholten Male seine Schulter, 2011, also im Vorjahr, kam das Erstrunden-Aus gegen den slowenischen Titelverteidiger Marko Grlic. Und morgen? Erwartet den 23-Jährigen ein heißer Gang durch die Qualifikation. „Ich habe mir die Quali-Liste angesehen und da gibt es nicht nur einen, der am Ende sogar den Contest gewinnen kann.“ Seit fünf Jahren verdient der gelernte Maschinenbautechniker und technische Zeichner seine Brötchen mit Snowboarden. Vor allem mit Foto- und Filmaufnahmen. Die Frage, ob er demnächst die erste Euro-Million auf die hohen Kante legt, entlockt ihm nur ein verdammt müdes Lächeln. „Aber ich verdiene genug, um mir meinen Traum vom Snowboarden zu verwirklichen.“

Tom Klocker (20): Der Jüngste im Bunde der Zillertal-Connection. Und der Einzige, der noch die Vorzüge des „Hotel Mama“ genießt. Vor zwei Jahren glänzte der damals 18-Jährige mit Rang zwei bei der Air & Style-Rookie-­Challenge, im Vorjahr verzichtete er aufgrund hartnäckiger Knieprobleme auf einen Bergisel-Start. Das mit dem Knie ist inzwischen so weit in Ordnung, doch als Klocker­ den linken Ärmel seiner Kapuzenjacke hochschiebt, blitzt eine Riesennarbe aus der Unter­armtätowierung hervor. Ein bleibendes Mahnmal an jene Handgelenkszertrümmerung, die sich der gelernte Maler im März bei den US Open in Vermont zugezogen hatte. Bis heute halten drei unterschiedlich lange Schrauben die Knochen zusammen, bis heute spricht der Pechvogel von einem Dauerschmerz. „Aber jammern bringt mich nicht weiter, damit muss ich leben“, sagt einer, der am Samstag wieder kopfüber durch die Lüfte wirbeln wird. Und im besten Fall nicht nur das Zillertal kopfstehen lassen wird.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 03.02.2012
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