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Letztes Update am AGT-APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

ÖSV-Herren jagen in Colorado ersten Saisonsieg

Für Kröll und Co. bieten sich in Beaver Creek drei Chancen. Hirscher ist auf der „Birds of Prey“ erstmals im Super-G am Start.

Beaver Creek – Die Damen haben es mit dem Doppelsieg von Kathrin Zettel vor Marlies Schild im Aspen-Slalom vorgemacht, die ÖSV-Herren wollen am kommende Wochenende noch auf US-Boden nachziehen. In Beaver Creek haben sie von Freitag bis Sonntag gleich drei Möglichkeiten, den ersten Saisonsieg einzufahren. Die Chancen sind gut, denn in allen drei Colorado-Rennen hat die Truppe von Mathias Berthold Sieganwärter im Rennen.

Das sind die Voraussetzungen:

Abfahrt (Freitag, 18.45 MEZ): Mit den Plätzen zwei (Max Franz) und drei (Klaus Kröll) hat die Mannschaft von Neo-Speedchef Burkhard Schaffer in Lake Louise bewiesen, dass es sowohl im Nachwuchs als auch bei den Routiniers passt. Kröll und Franz legten gleich im ersten Beaver-Training mit den Plätzen eins und zwei nach und wollen auf der steilen und anspruchsvollen Raubvogelpiste verhindern, dass der Norweger Aksel Lund Svindal auch das dritte Speed-Rennen der Saison gewinnt. Letzter ÖSV-Abfahrtssieger in Colorado war Michael Walchhofer 2007.

Noch nicht ganz in Form ist der Weltranglisten-Dritte Hannes Reichelt. Der Salzburger hadert noch etwas mit Abstimmung und Form. Nicht gut ging es zuletzt Romed Baumann. Der Asthmatiker aus Tirol tut sich mit der extremen Höhenlage in Colorado schwer und fuhr auf neuem Material bisher meist hinterher.

Weil Benjamin Raich verzichtet, sind alle elf trainierenden Österreicher inklusive der beiden über den Europacup qualifizierten Nachwuchsfahrer Florian Scheiber und Johannes Kröll am Start. Die Mitfavoriten sind Erik Guay (CAN), Adrien Theaux (FRA) und der Norweger Kjetil Jansrud, auch die US-Amerikaner (ohne Bode Miller) fahren daheim eine Klasse stärker als sonst.

„In Beaver Creek spielt die Risikobereitschaft und der Mut eine weit größere Rolle als in Lake Louise. Wer das im Griff hat, hat in den schwierigen Passagen Vorteile“, ist Trainer Schaffer überzeugt. Aufgrund der milden Temperaturen ist der nordamerikanische Maschinenschnee nicht ganz so aggressiv wie sonst, auch das kommt Kröll und Co. entgegen.

Super-G (Samstag, 19.00 MEZ): Auch hier geht Svindal als aktuellster Sieger ins Rennen. Der Norweger hat wie die Abfahrt auch das heimliche „Königsrennen“ von Beaver Creek bereits ein Mal (2008) gewonnen. Österreich hat auf der Birds of Prey eine bemerkenswert gute Super-G-Bilanz. Von den sechs Rennen seit 2004 haben dank Stephan Görgl (2004), Reichelt (2005, 2007) und Georg Streitberger (2010) vier mit österreichischen Siegen geendet.

Weltcup-Titelverteidiger Marcel Hirscher fehlte zu Wochenmitte zwar noch das „Wow-Erlebnis“, voraussichtlich wird er aber doch erstmals das Abenteuer Super-G auf der Birds of Prey wagen. Dem 23-jährigen Super-Techniker werden aufgrund des anspruchsvollen Geländes sogar sehr gute Chancen eingeräumt.

Zwar setzt mit Schaffer der eigene Trainer den Kurs, die Frage ist nur, ob das für Hirscher oder die Abfahrer besser ist. Der Italiener Christof Innerhofer ist aber überzeugt: „Kein anderer Super-G liegt Marcel so wie dieser hier.“ Fast alle trauen dem 23-jährigen Salzburger eine Top-Ten-Platzierung zu, viele sogar einen Rang in den ersten fünf.

Riesentorlauf (Sonntag, 17.45/20.45 MEZ): Fünf Wochen nach seinem gigantischen Sieg in Sölden muss Ted Ligety beweisen, ob er der Konkurrenz auf den neuen Ski wirklich derart überlegen ist. Der US-Weltmeister winkte aber selbst ab. „Sölden war nicht normal. Ich will zwar so viele Riesenslaloms wie möglich gewinnen, aber solche Vorsprünge wie dort kann man nicht jedes Mal erwarten“, sagte Ligety, der in Tirol 2,75 Sekunden vor Manfred Mölgg und 3,12 vor Hirscher gewonnen hat.

Hirscher ist als Vorjahressieger dennoch erster Herausforderer von Ligety. Der Salzburger reiste mit 600 Kilo Gepäck nach Colorado an, bereitete sich seit fast zwei Wochen in den USA vor. Er gewann einen Test-Riesentorlauf in Aspen überlegen. Im Gegensatz zum Slalom hat ihn sein „Super-G-Projekt“ im Riesentorlauf keine Trainingstage gekostet. (APA)