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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 15.01.2013

BOB

Schneller als die Polizei erlaubt

Die Tiroler Bob-Pilotin Christina Hengster greift bei der Heim-Europameisterschaft in Igls am kommenden Wochenende nach einer Medaille.

Von Günter Almberger

Innsbruck – „Wer kein Ziel vor Augen hat, kann auch keinen Weg hinter sich bringen.“ Das Motto von Christina Hengster könnte besser nicht gewählt sein. Österreichs Damenbob-Aushängeschild arbeitet stattdessen ein Ziel nach dem anderen ab, bringt Weg um Weg hinter sich – und das mit Erfolg.

Im Weltcup überzeugt die 26-Jährige nicht erst seit dieser Saison mit konstanten Top-Ten-Plätzen. Der Junioren-WM-Titel und der erste Podestplatz – jeweils auf der Heimbahn in Igls – lassen die Erwartungen steigen. 2014 soll dann der große Wurf gelingen: Bei den Spielen in Sotschi will sich Hengster ihren Traum vom olympischen Edelmetall erfüllen. Alles andere wird beim „Bobteam Hengster“ vorerst hinten angestellt.

Darum entschied sich die Tirolerin 2010 nach ihrem abgeschlossenen Studium der Rechtswissenschaften auch gegen eine Laufbahn im juristischen Bereich und für eine sportliche Karriere im Eiskanal. „Bobfahren ist meine Leidenschaft. Ich wollte als Kind schon immer zu den Olympischen Spielen. Das kann man mit mehr Geld, das ich in einem anderen Job verdienen könnte, gar nicht aufwiegen“, betont Hengster.

Damit sie ihren Traum aber leben kann, benötigt die Bob-Pilotin eine finanzielle Absicherung. Wie so viele ihrer Sportlerkollegen wollte auch die Axamerin als Heeresportlerin aufgenommen werden. „Nach meinem dritten Platz bei der Junioren-WM 2010 in St. Moritz habe ich beim Bundesheer angesucht. Doch leider wurde ich abgewiesen“, erinnert sich die Kufenflitzerin zurück. Bei der Polizei fand sie dann doch noch Absicherung und einen Ausbildungsplatz. Seit 1. Jänner 2011 absolviert Hengster die Polizeischule, im Mai steht die abschließende Dienstprüfung auf dem Programm. „Es ist für mich wirklich fein, nach dem langen Winter einmal einen Tapetenwechsel zu haben. So war das Praktikum bei der Polizeiinspektion in Hall im vergangenen Sommer eine willkommene Abwechslung für mich“, erklärt die Polizeischülerin.

Als „Freundin und Helferin“ will Hengster am kommenden Wochenende bei der Heim-EM (zeitgleich die achte Weltcup-Station) nicht fungieren. Stattdessen will sie ihre Konkurrentinnen das Fürchten lehren. Als Vorjahresdritte in Igls ist die 26-Jährige die heißeste Anwärterin aus heimischer Sicht auf Edelmetall. „Ich rechne mir keine Platzierungen aus. Ich gehe ins Rennen und will zwei perfekte Läufe hinlegen“, hält sich die Tirolerin, die dieses Mal auf Anschieberin Inga Versen vertraut, bedeckt.

Deutlichere Worte in Sachen Erwartungshaltung findet hingegen ihr Trainer Manfred Maier. „Bei einem optimalen Verlauf erwarte ich mir eine Medaille von ihr. In Igls ist die Christina eine Macht.“ Nachsatz vom Bob-Nationaltrainer: „Außer, wir schlagen uns selbst!“