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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 26.01.2013

Party zwischen Champagner und feurigem Leberkäse

Wer gestern in Kitzbühel keinen Spaß hatte, hieß Svindal oder Innerhofer. Die Fans jedenfalls verwandelten die Stadt in eine große Partymeile.

Von Harald Angerer

Kitzbühel – Alles ist auf Schiene – zumindest bei Manfred Planötscher, Zugbegleiter in einem der Shuttlezüge beim Hahnenkammrennen. Schon ab 8 Uhr ist er unterwegs. „So richtig los geht‘s erst um 9 Uhr“, sagt Planötscher. Doch schon jetzt sind viele Fans unterwegs. Im Gepäck: warme Kleidung, gute Laune und Dosenbier.

Auf dem Weg zum Zielgelände strömen die Fans an so manchem Fan-Stand vorbei. „Die Österreich-Fahnen sind der Renner, egal ob groß oder klein“, sagt Eva, die an ihrem Stand Fan-Utensilien vertreibt. Aber nicht alles darf mit in das Zielgelände, dort heißt es nämlich: „Flaschen müssen draußen bleiben.“ Diesen Satz hört so mancher Besucher, so auch Sabine aus Deutschland. Ihre Piccolos muss die junge Frau am Eingang zum Zielgelände im Müllkübel entsorgen. Das dämpfte die Laune aber nur kurz.

Gut gelaunt waren die Tausenden Skifans, die sich schon früh die besten Plätze an der Strecke sicherten. Darunter Sabrina und Irina aus dem Emmental in der Schweiz. „Wir sind heute Früh um halb zwei losgefahren und es geht auch heute wieder zurück“, sagen die beiden. Dass die Schweizer derzeit nicht vorne mitmischen, stört sie nicht. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, sagt Irina.

Höher sind da die Erwartungen des Adrien-Théaux-Fanclubs. Mit 44 Personen ist man am Mittwoch nach Kitzbühel gekommen. Die Hoffnung, dass sich ihr Skistar einen Platz auf dem Stockerl sichert, ging dennoch nicht in Erfüllung.

Nicht auf einen Rennläufer festgelegt haben sich Rainer und Peppi­ mit ihren Freunden aus Traun. Sie feuern die Österreicher an und dabei spielt die Gruppe alle Stückerln – oder zumindest ihre selbstgebastelte Sirenenanlage. „Kitzbühel ist das Beste, wir kommen seit 13 Jahren“, sagt Peppi. Wenige Minuten vor dem Start machen sie sich bereit für das Rennen, auch die Skilegenden Franz Klammer, Stephan Eberharter, Leonhard Stock und Hansi Hinterseer nehmen Aufstellung im Ziel. Entspannter geht es Olympiasieger Ernst Hinterseer an. Nur wenige hundert Meter entfernt vom Zielraum verfolgt er das Rennen gemütlich zu Hause vor dem Fernseher. „Mir ist es im Ziel inzwischen zu laut“, sagt Hinterseer.

Laut wird es nach dem Rennen dann in der Innenstadt, als Tausende Fans zum Feiern auf die Partymeile drängen. Dröhnende Bässe abwechselnd mit Hansi-Hinterseer-Liedern, sorgen für die richtige Stimmung. Würstl, feuriger Leberkäse und Bier oder wahlweise Champagner mit Austern stehen für die Stärkung des Partyvolkes bereit. „Wir kommen schon das dritte Jahr, inzwischen haben wir Stammgäste“, sagt Standbetreiber Robert Kneidl.

Ab 18 Uhr heißt es dann für viele wieder zurück ins Zielgelände. Die Siegerehrung mit großem Feuerwerk lockt zurück auf die Streif, bis es wieder retour in die Stadt geht und die Party erst so richtig durchstartet.

Der Tag am Fuße des Hahnenkamms endet bei den meisten, wie er begonnen hat: im Zug. Mit dabei noch immer die gute Laune, das Bier übersteht die Reise hingegen selten.