21.01.2013
Ski Alpin

„Wir sind nicht der Saisonhöhepunkt“

Mit der Zeit gehen, sich von ihr treiben lassen? Im Fall der Hahnenkammrennen in Kitzbühel (25.–27. 1.) keine einfach zu beantwortende Frage. Drei Protagonisten des Veranstalters versuchen sich an ihr.
Infobox

Programm Kitzbühel

Dienstag: 11.30 Uhr Abfahrtstraining.

Mittwoch: 11.30 Uhr Abfahrtstraining.

Donnerstag: 11.30 Uhr Abfahrtstraining.

Freitag: 11.30 Super-G; 18.30 Startnummernauslosung, Siegerehrung.

Samstag: 11.30 Abfahrt; 14.00 Kitz-Charity-Trophy; 18.30 Startnummernauslosung, Siegerehrung.

Sonntag: 10.15/13.30 Slalom.

Von Florian Madl

Kitzbühel – Der alljährliche Wahnsinn hat Kitzbühel wieder. Drei Macher – Kitzbühels Skiclubpräsident Michael Huber sowie seine kongenialen Helfer Peter Obernauer (Rennleiter) und Axel Naglich (Rennleiter-Stellvertreter) – machen sich wenige Tage, bevor der Hahnenkamm anschwillt, laut Gedanken: über Damenrennen, eine WM und die Zukunft.

Die WM in Schladming steht bevor – wirft das auf Kitzbühel einen Schatten?

Huber: Laut Kassier läuft der Vorverkauf im Schnitt der vergangenen Jahre. Das heißt aber nicht, dass wir heuer der Winter-Höhepunkt sind, so arrogant sind wir nicht: Der heißt WM.

Obernauer: Gegenfrage: Hatte das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon ein Problem mit den Olympischen Spielen in London?

Mancher im Brixental liebäugelt mit einer WM – ist das für Kitzbühel, der geheimen WM jeden Winters, ausgeschlossen?

Huber: Dieses Thema wurde noch in keiner mir bekannten Sitzung erörtert.

Und wenn ein Offizieller des Weltskiverbands einen Vorschlag äußern würde?

Obernauer: Es macht keinen Sinn. Erstens haben wir keine Damenstrecke und daneben ohnehin die Top-Veranstaltung im Ski-Weltcup.

Huber: Man kann das pragmatisch sehen: 1967 bewarben wir uns für eine WM und bekamen sie nicht, dazu 1996 und 2000 für Olympische Spiele (einmal mit Salzburg, Anm.). Das waren die einzigen Male, dass Kitzbühel von sich aus aktiv geworden ist.

Und Damenrennen sind kein Thema?

Huber: 1961 war das letzte Damenrennen in Kitzbühel, ab 1962 wollte man diese auf politische Intervention hin im Wechselspiel mit Gastein durchführen. Irgendwann verschwanden die Damen gänzlich, ehe 1990 und 1998 Versuche scheiterten, Damenrennen zu etablieren.

Das grundsätzliche Veto des Kitzbüheler Skiclubs gibt es dazu also nicht.

Naglich: Nein, aber mit einer Damen-Abfahrt über die Streif tun wir niemandem einen Gefallen, auch wenn es eine vereinfachte Option dafür gäbe.

Als Traditionsbewerb darf man im Gegenzug die klassische Hahnenkamm-Kombination betrachten (Premiere 1931, Anm.), die heuer letztmals stattfindet.

Huber: Emotional traf mich das im Vorstand am meisten. Ich wäre dann der Präsident, in dessen Ära die Kombination aufhört. Dann habe ich im Archiv recherchiert und bin draufgekommen: Die letzte klassische Kombination, als noch der Slalom nach dem Ergebnis der Abfahrt gestartet wurde, fand 1961 statt.

Wie sieht es derzeit aus?

Obernauer: Innerhalb des Ski-Weltverbands wird eine Super-Kombi mit Super-G und Abendslalom am Freitag befürwortet, doch seitens des Österreichischen Skiverbands ist man davon nicht begeistert. Und da grundsätzlich der nationale Verband die Termine vergibt, liegt die Entscheidung beim ÖSV.

Es drängt sich die Frage auf, ob allgemein ein Trend zur Spezialisierung feststellbar ist: hier die Techniker, dort die Speed-Athleten.

Naglich: Ich bin ein Freund der Spezialisierung, weil beispielsweise niemand daran denken würde, einen Leichtathleten über 100 und 1000 Meter auf die Strecke zu schicken. Mir ist klar: Wenn einer überall gewinnen kann, ist er ein Wahnsinnsskifahrer. Auf der anderen Seite werden diese Leute immer weniger, weil alles immer stärker ausgereizt wird. Man muss sich von der Idee lösen, Slalom und Abfahrt zu kombinieren.

Für den Super-Freitag bräuchte man eine Flutlichtanlage im Zielraum.

Obernauer: Dazu müssten wir zunächst wissen, ob dieser Super-Freitag kommt. Zunächst könnte man das auch mobil betreiben.

Gab es schon Vorgespräche, ob sich etwa Bund und Land an der Finanzierung beteiligen?

Obernauer: Vom Bund haben wir noch nie Geld bekommen, vom Land war es auch nie viel. Die Gemeinde Kitzbühel, der Tourismusverband und die Bergbahnen sind auf dem Gebiet Investitionen allerdings sehr engagiert.

Huber: Wir bekommen von Bund und Land de facto keine Förderung für die Hahnenkammrennen.

Das verwundert doch sehr, rührt man doch für Tirol die Werbetrommel.

Naglich: Wir haben angefragt um Subvention für den Lift, der ja zum Sportstadion Streif/Ganslern gehört, sind aber abgeblitzt. Ich sehe das wie die Reichensteuer (lacht).

Offensichtlich steigen jene am schlechtesten aus, die keine Probleme haben.

Obernauer: Das stimmt, denn mir fallen andere Sportinstitutionen ein, die sehr viel Geld vom Land bekommen und im Vergleich keine Werbung für Tirol machen. Von der Tirol-Werbung bekommen wir nur eine Kleinigkeit. Wie wir behandelt werden, ist nicht fair, das muss man ehrlich sagen.

Huber: Andererseits sind wir selbstständig, das ist auch viel wert.

Kitzbühel lockt alljährlich Promis an. Finden Sie das mittlerweile überbordend?

Huber: Wichtig ist für mich der Mix an Gästen, das ist auch das Schöne: Wenn du nur in eine Richtung tendieren würdest, wäre das schlecht. Wir haben den normalen Sportfan, jeder Fan soll kostengünstig zu uns kommen können. VIP-Gäste sind genauso wichtig.

Wenn wir vorausblicken: Wo sehen Sie das Hahnenkammrennen in 20 Jahren?

Obernauer: Immer noch auf der Streif (lacht). Unser Wunsch: dass wir auch in zehn Jahren noch die führende Weltcup-Veranstaltung im alpinen Skirennsport sind.

Huber: Ich will nicht präpotent wirken, aber Kitzbühel zählt zu den Klassikern im Sport, wir werden in einem Atemzug mit Wimbledon (Tennis, Anm.) und Monaco (Formel 1, Anm.) genannt. Es gibt Bücher, und in denen gibt es auch uns. Wenn du weltweit eine Umfrage machst, liegt der Hahnenkamm immer noch vor dem Bergisel oder dem Happel-Stadion.

Ist der Faktor Show eine Messgröße?

Naglich: Nein. Es gibt aber viele Schrauben, an denen man drehen kann. Zuschauermanagement, Infrastruktur – ich bin ein Fan eines mehrtägigen Ski-Festivals. Das wird nicht in drei Jahren sein, und das geht nicht in Richtung WM. Aber ein Film-Festival, eine Trade-Show, Skilehrer-Wesen, Philosophen, Sportmediziner – ein Treffpunkt der skifahrenden Welt eben. Aber bei allen Nebengeräuschen: Wir müssen sportlich immer top bleiben, an der Schraube gibt es nichts zu drehen. Das sahen wir, als wir die Slalom-Strecke ins Zielstadion verlegten. Weg vom Ganslern, weg von der Tradition, das wollte niemand, das hat sportlich nicht gepasst.

Huber: Wir gehen 2015 in die 75. Ausgabe der Veranstaltung. Für mich ist die Verwaltung des Erbes eine Faszination und durchaus nicht selbstverständlich auf diesem Niveau. Es zu schaffen, das Ganze auf diesem Level zu bewahren und weiterzugeben, bleibt mein Ziel. Qualität geht immer noch vor Quantität.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 21.01.2013
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche

    36. Innsbrucker Wochenendgespräche

    Wann: 25.05.2013
    Wo: Tiroler Landestheater -

    Die Geschichte von Babar dem kleinen Ele...

    Wann: 26.05.2013
    Wo: Tiroler Landestheater -

    KRIEG. STELL DIR VOR, ER WÄRE HIER

    Wann: 29.05.2013
    Wo: Tiroler Landestheater - [K2]

    Trailer - Mutter und Sohn

    Barbu (Bogdan Dumitrache) rast 50 Stundenkilome...

    Trailer: Eine Dame in Paris

    Anne verlässt Estland nach Paris, um sich dort...

    Trailer: Pieta

    Der südkoreanische Filmemacher Ki-duk Kim füh...
    Panoramabilder
    Panoramabilder
    Panoramablick
    Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
    AGB Kontakt Impressum