Archiv

Letztes Update am APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Hirscher-Interview

„Wenn du ein Großer sein willst, solltest du hier ein Mal gewinnen“

Marcel Hirscher über die Gefühle nach dem Kitzbühel-Sieg, die klassische Kombination und Arnold Schwarzenegger.

drucken

Sie sind erstmals Kitzbühel-Sieger. Wie fühlt sich das an?

Hirscher: „Geil. Ich habe immer von diesem Tamtam um Kitzbühel gesprochen, damit ich die Bedeutung persönlich wegschieben kann von mir. Jetzt ist es umso schöner. Wenn du ein Großer sein willst, solltest du es ein Mal gewonnen haben.“

Wieder Vollgas im zweiten Durchgang. Was macht Sie da so stark?

Hirscher: „Es ist immer dasselbe. Einer haut einen guten Lauf runter und dann bleibt mir nur noch alles oder nichts. Da muss ich einen Schalter umlegen. Bei weniger großen oder schweren Sachen fahre ich eher mit Zurückhaltung.“

Und was macht Sie da so cool?

Hirscher: „Coolness oder nicht kann man besser von außen beurteilen. Ich bin der Marcel und ich probiere nicht, cool zu sein. Vielleicht ist es das, was einen cool macht.“

Wie schwer war es, diesen Slalom zu gewinnen?

Hirscher: „Sehr schwierig, wegen der Bedingungen. Ich musste zwischen den Durchgängen Ski wechseln. Ich musste 100 Prozent geben und mein persönliches Maximum bringen.“

Sogar Arnold Schwarzenegger ist aufgesprungen, als Sie im Ziel waren. Freut einen das?

Hirscher: „Das freut mich irrsinnig. Ich dachte, er ist eher auf Speed und Adrenalin fokussiert. Das ist schon eine riesige Wertschätzung gegenüber unseren Sport. Er ist doch der bekannteste Österreicher momentan.“

Mit diesem Sieg ist der ganze WM-Druck wieder da, oder?

Hirscher: „Ich habe nun schon sehr oft die Gelegenheit bekommen, mein Können unter Beweis zu stellen. Im Slalom ist mir das sieben Mal in Folge gelungen. Dennoch sollte für jeden begreifbar sein, warum ich kein Schweizer Uhrwerk oder ein Computerprogramm bin. Auch ich bin menschlich und kann Fehler machen. Vielleicht passieren diese genau bei der WM und dann darf man nicht enttäuscht sein und auf mir rumhacken. Im Skisport ist generell nichts erzwingbar.“

Ivica Kostelic bedauert den Wegfall der klassischen Kitz-Kombi. Ihre Meinung?

Hirscher: „Ich glaube, Tradition sollte im modernen Skisport erhalten bleiben. Ivica hatte recht mit seinen berührenden Worten. Es wäre sehr schade, diese Kombination zu streichen. Ich würde es bedauern, wenn ich nicht mehr aktiv bin und dennoch hätten Funktionäre diese klassische Kombi auf ewige Zeiten zerstört.“

Sie fahren vor der WM noch in Moskau. Was erhoffen Sie und wie geht es dann weiter?

Hirscher: „Ich versuche, in Moskau ein paar Runden weiter zu kommen, das wäre sehr wichtig. Dann werde ich mich erholen, aber nicht allzu lange, sondern mich gescheit auf die WM vorbereiten. Ich freue mich, dass ich nun wieder einmal trainieren kann.“

Ist für Sie der WM-Teambewerb ein Thema?

Hirscher: „Grundsätzlich sind mehrere WM-Bewerbe angedacht. Aber wie so oft bei WM‘s werden Dinge spontan entschieden. Mir würde es Spaß machen. In allen anderen Sportarten werden Teambewerbe hoch geschätzt und haben zurecht einen hohen Stellenwert. Nur im Skisport ist der Teambewerb ins Lächerliche gezogen worden, auch von den Athleten. Das verstehe ich nicht. Die Besten sollten antreten, damit kriegt der Bewerb seine Wertigkeit.“

Svindal sagt, Sie sind sein härtester Konkurrent im Weltcup. Denken Sie an die Gesamtwertung?

Hirscher: „Danke, Aksel. Vermutlich ist‘s die Wahrheit. Ich habe jetzt über tausend Punkte, das ist nicht so schlecht für die Jahreszeit.“

Aufgezeichnet bei und nach der Sieger-Pressekonferenz

drucken