Die Tage des Selbstdarstellers
Ihre Skiflug-Veranstaltung etablierte sich über den Sport hinaus als Seitenblicke-Event, Stars wie Muhammad Ali machten Ihnen die Aufwartung. Was kommt nach dem Superlativ?
Neuper: Ich bin draufgekommen, dass man besser sein Niveau hält. Das Einzige, was zählt: dass man das, was man kann, so gut wie möglich erledigt. Du kannst immer noch besser und noch höher kommen, aber du entfernst dich möglicherweise weit davon, das zu sein, was du warst.
Was erwarten Sie von Ihrer Veranstaltung abseits der Schanze?
Neuper: Eine Veranstaltung muss eine Seele haben. Man muss sehen, dass es richtig war, hierher nach Bad Mitterndorf zu gehen.
Welche Rolle spielt es dabei, dass ein Österreicher gewinnt? Setzen Sie sich als Veranstalter die rotweißrote Brille auf?
Neuper: Natürlich will ich, dass ein Österreicher gewinnt. Aber mein vorrangiges Ansinnen ist es, dass wir Tausenden von Zuschauern einen schönen Tag bereiten.
Die Weitenjagd erreicht mittlerweile schier unglaubliche Dimensionen, selbst von einer Schanze mit Weiten über 300 Metern ist die Rede. Wie wichtig sind Ihnen Rekorde?
Neuper: Es erscheint mir wichtig, dass es im Wettkampf über 200 Meter geht. Vor allem aber ist es entscheidend, dass das Springen interessant und dramatisch abläuft. Die Weitenjagd hat sich ohnehin relativiert.
Ihre persönlicher Rekord liegt bei ...
Neuper: ... 170 Metern. Aber damals ging es kaum weiter. Der Weltrekord (von Toni Innauer, Anm.) lag bei 176.
Hätten Sie als Veranstalter ähnliche Ambitionen wie Ihre slowenischen Kollegen in Planica? Dort will man sich förmlich eine Rekordschanze zimmern.
Neuper: Wenn ich mir die österreichische Situation anschaue, den Staatshaushalt, dann halte ich das für sinnlos. Man muss zuerst das Budget in Ordnung bringen, ich sehe das national. Wir wollen positive Stimmung erzeugen, kein Gefühl der Sinnlosigkeit aufkommen lassen.
Kritiker monieren, dass Ihr Programm nicht frei von Selbstinszenierung ist. Diesmal treten Sie und frühere Springerkollegen als Sänger mit der Band Opus auf. Selbst ist die Marke?
Neuper: Rational betrachtet ist es vielleicht sinnlos, aus unserer Sicht aber nicht. Es gibt dazu zwei Hintergründe: Wir wollen diesmal Toni Innauer hochleben lassen und andererseits Begeisterung zeigen. Mag sein, dass das polarisiert. Aber wir glauben, ich glaube, dass es richtig ist. Ich stelle mich voll und ganz selbst dar, weil ich es in diesem Rahmen für richtig halte. Aber ich habe von meinem Burnout im Jahr 2003 gelernt: dass ich nicht davon abhängig bin. Damals, als mir Leute wie Bernie Ecclestone (Formel-1-Boss, Anm.) und Ali (Box-Legende, Anm.) gratulierten, war ich ohne diese Aufmerksamkeit noch völlig verzweifelt.
Sie waren Gründer des World Sports Award (Ehrung der besten Sportler, Anm.). Die Veranstaltung verkauften Sie – warum?
Neuper: Weil ich nur Sieger küren wollte, keine Wahlverlierer. Aber ich habe schon wieder was im Hinterkopf ...
Das Gespräch führte Florian Madl



