01.12.2011, 09:39  Aktualisiert: 01.12.2011, 15:18 
Korruptionsindex

Transparency: Schuldenkrise „zum Teil“ auf Korruption zurückzuführen

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) hat auf die enge Verbindung zwischen der langjährigen Korruption und der Finanzkrise in einigen europäischen Staaten aufmerksam gemacht.
Italien und Griechenland nehmen die Plätze 69 beziehungsweise 80 (von 183 Ländern) ein. Schlechter liegt in der EU nur noch Bulgarien.
Foto: APA (Archiv/Fohringer)/HELMUT FO

Berlin - Die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) hat auf die enge Verbindung zwischen der langjährigen Korruption und der Finanzkrise in einigen europäischen Staaten aufmerksam gemacht. Die Schuldenkrise sei „zum Teil“ darauf zurückzuführen, dass die Regierungen darin gescheitert seien, Bestechung und Steuerflucht zu bekämpfen, erklärte TI am Donnerstag aus Anlass der Vorstellung des jüngsten Korruptionswahrnehmungsindex‘ (Corruption Perceptions Index) für das Jahr 2011.

Jahrzehntelange Korruption

Transparency erstellt den Korruptionswahrnehmungsindex einmal im Jahr. Da die einbezogenen Quellen und auch die Zahl der eingestuften Staaten differieren, ist die Rangfolge von Jahr zu Jahr nicht absolut vergleichbar. TI vergibt Werte zwischen 0 (hoch korrupt) und 10 (unverdächtig). Auf dieser Skala erhält Deutschland für das Jahr 2011 den Wert 8,0, die USA liegen bei 7,1 (Rang 24) und Frankreich bei 7,0 (Rang 25). Italien ist eingestuft bei 3,9 und Griechenland bei 3,4 - in Europa nur noch unterboten von Bulgarien (3,3 und Rang 86).

Durch jahrzehntelange Korruption würden die Volkswirtschaften selbst und der Glaube an die öffentlichen Institutionen untergraben, erläuterte TI-Geschäftsführer Cobus de Swardt. Wenn ein Staat es nicht fertig bringe, die Korruption und die Steuerflucht einzudämmen, so gingen dadurch zum einen Milliardenbeträge verloren, zum anderen erhielten die Bürger den Eindruck, dass es „Teil des normalen Lebens“ sei, den Arzt und den Finanzbeamten zu „schmieren“. Vor drei Jahren erstellte TI einen Bericht zur Korruption in Griechenland, aus dem hervorging, dass eine Durchschnittsfamilie dort jährlich 1.450 Euro an Schmiergeldern zahlt.

Somalia und Nordkorea sind nach Erkenntnissen von Transparency International die korruptesten Länder der Welt. Für die Anti-Korruptions-Organisation bilden sie mit der Bewertung 1,0 das gemeinsame Schlusslicht einer 183 Länder umfassenden Liste.

Spitzenreiter Neuseeland

Auf der Transparency-Bewertungsskala erreicht Neuseeland 9,5 und ist damit das Land, in dem es am wenigsten korrupt zugeht. Die EU-Länder Finnland und Dänemark (je 9,4) sind dem Spitzenreiter dicht auf den Fersen. Österreich (7,8) liegt mit Barbados und Großbritannien auf Rand 16.

Von den großen Staaten liegen Deutschland und Japan auf Platz 14, die USA kommen auf Platz 24. China erreichte den 75. Rang, Russland verbesserte sich vom 154. auf den 143. Rang.

Korruption plage unverändert viele Länder, erklärte Transparency International bei der Vorlage seines Jahresberichts am Donnerstag. Gründe für viele Proteste in der Welt seien die Verschwendung öffentlicher Mittel, Schmiergeldzahlungen und undurchschaubare Entscheidungsprozesse. Ganz gleich, ob es um die Krise der Eurozone oder die Volksaufstände in der arabischen Welt gehe, müssten die Politiker Forderungen nach besserem Regierungshandeln erfüllen, sagte die Transparency-Vorsitzende Huguette Labelle.

Zwei Drittel der von der Organisation unter die Lupe genommenen Länder erreichten weniger als 5,0 Punkte. So liegen die meisten Länder des „Arabischen Frühlings“ in der zweiten Hälfte der Liste und werden geringer als 4,0 bewertet. Und unter den EU-Ländern rangieren jene Staaten der Eurozone am unteren Ende der Skala, die auch wegen Fehlschlägen im Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung von der Schuldenkrise besonders hart getroffen wurden. (APA/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 01.12.2011  09:39
aktualisiert: Do, 01.12.2011  15:18
Weitere Artikel zum Thema
„Grexit“   Mi, 16.05.2012

Chaos in Griechenland: Märkte fürchten Austritt aus Eurozone

Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Austritts G...

Griechenland   Mo, 14.05.2012

„Grexit“ könnte Milliarden-Loch ins österreichische Budget reißen

Bei einem Euro-Austritt Griechenlands dürften für das österreichische ...

International   Mo, 14.05.2012

Griechen-Drama drückt Euro auf Viermonatstief

Die Krise in Athen hat den Euro auf seinen tiefsten Stand seit vier Mo...

AGB Kontakt Impressum