3 schluckt Orange, A1 holt sich Yesss!
Wien, Hongkong – Die Übernahmeschlacht hat ein Ende. Seit Freitagfrüh, kurz nach Mitternacht, ist offiziell, worüber die heimische Mobilfunkbranche seit Monaten spekuliert hat. Ausgerechnet 3, der kleinste Mitbewerber am heiß umkämpften österreichischen Markt, schnappt sich Orange Austria, die Nummer drei.
Somit soll vier Jahre, nachdem aus One Orange wurde, die Marke vom österreichischen Markt verschwinden. Orange gehört zu 65 % dem Finanzinvestor Mid Europa Partners, 35 % hält die France Telecom. Insgesamt 1,37 Milliarden Euro zahlt 3 und wird damit hundertprozentiger Eigentümer von Orange. 3 hat sich aber verpflichtet, den Orange-Billiganbieter Yesss! sowie mehrere Sendestationen und Frequenzen an den Marktführer A1 um 390 Millionen Euro weiterzuverkaufen. Mit dem mächtigen chinesischen Mutterkonzern Hutchison Whampoa im Rücken kann 3 die Finanzierung stemmen. Darüber hinaus will 3 weitere 70 Mio. an den bisherigen Orange-Mehrheitseigentümer Mid Europa Partners zahlen, sobald sich die Integration von Orange für 3 ausgezahlt hat. 3-Österreich-Chef Jan Trionow ortet durch die Fusion Synergieeffekte von 500 Mio. Euro.
Die Übernahme von Orange muss bei den Wettbewerbshütern in der EU-Kommission aber erst noch genehmigt werden, 3 erwartet sich grünes Licht bis zum Sommer 2012. Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde muss außerdem grünes Licht für den Verkauf von Yesss! an A1 geben und hat generelle Bedenken: „Ein Okay für dieses Paket ist, so wie es derzeit ausschaut, schwer vorstellbar“, sagte BWB-Sprecher Stefan Keznickl am Freitag in einer ersten Stellungnahme und spricht von einer „Reduktion des Wettbewerbes“. Bei der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR wurde die Fusion noch nicht angemeldet.
„Für die Orange-Kunden ändert sich vorerst nichts“, erklärt 3-Boss Jan Trionow im Gespräch mit der TT. In einer ersten Phase werde der Deal von den Wettbewerbshütern geprüft: „Bis dahin müssen beide Unternehmen völlig unabhängig am Markt agieren“, so Trionow. Langfristig sollen die Kunden vom starken Netz von 3 mit mehr Frequenzen profitieren. Trionow bleibt Chef der neuen 3-Gruppe, Orange-Boss Michael Krammer nimmt den Hut, sobald die Mobilfunk-Ehe genehmigt und abgeschlossen ist.
Orange und 3 halten derzeit gemeinsam einen Marktanteil von 22 Prozent, Trionow visiert künftig einen Anteil von mindestens 30 Prozent an. Er geht nicht davon aus, dass sich der Wettbewerb entschärfen werde: „Das war auch bei der Übernahme von Telering durch T-Mobile nicht der Fall.“ Auch die Preise sollen nicht steigen: „Wir bleiben weiterhin aggressiver Preisbrecher“, kündigt Trionow an. Neben der technischen Integration und der organisatorischen Zusammenführung der beiden Mobilfunker sei für 3 die größte Herausforderung, „die Orange-Mitarbeiter und Orange-Kunden bei 3 willkommen zu heißen“. Wie viele der 800 Orange-Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, ist noch offen. An der Orange-Billigmarke Yesss! sei 3 nicht interessiert gewesen: „Wir konzentrieren uns auf eine starke Kernmarke“, erläutert Jan Trionow. (bea, APA)




