06.02.2012
Österreich

Südtirol im Clinch mit Air Alps

Südtirol fordert von Air Alps Schadenersatz und weigert sich, als Leumund aufzutreten. Auch Strecke Bozen – Wien wird ausgeschrieben.

Von Max Strozzi

Bozen – Südtirol will Ernst machen und von der tirolerisch-südtirolerischen Fluglinie Air Alps wegen der ausgefallenen Flüge im Jänner Schadenersatz verlangen. Das bestätigte der Südtiroler Mobilitätslandesrat Thomas Widmann. „Es ist keine Frage, dass wir Schadenersatz fordern werden“, sagte Widmann zur TT. Die Strafe betrage 2500 Euro für die ersten fünf ausgefallenen Tage, dann 5000 Euro pro Ausfallstag. Am 13. Jänner hatte die Airline ihre Flüge vom Flughafen Bozen eingestellt und am 1. Februar wieder aufgenommen. Damit dürfte sich die Schadenssumme auf mindestens 70.000 Euro belaufen. Wie berichtet, sieht sich auch der Air-Alps-Mehrheitseigentümer Welcome Air mit einer Klage konfrontiert: Christophorus Reisen hat wegen der Streichung der Sommerflüge nach Olbia (Sardinien) Klage eingereicht.

Südtirols Landesrat Widmann attackiert die Air Alps heftig. „Ich finde die Vorgehensweise nicht professionell und an der Grenze zum Seriösen, wenn jemand taktiert, um Druck aufzubauen“, so Widmann. Laut Widmann werde sich Südtirol daher weigern, im Zuge der Verhandlungen der Air Alps um den Erhalt der Betriebsgenehmigung als Leumund der Air Alps aufzutreten. „Die Air Alps hat uns gebeten, als Leumund aufzutreten. Wir werden das nicht machen, nachdem uns die Fluglinie vor vollendete Tatsachen gestellt hat“, sagt Widmann.

Für die Air Alps dürfte sich laut Widmann eine weitere Hürde aufbäumen. Die Codesharing-Vereinbarung mit der italienischen Fluggesellschaft Alitalia soll derzeit auf Eis liegen. Codesharing-Verträge ermöglichen den Fluggesellschaften, Flüge anzubieten, die sie gar nicht selbst durchführen, sondern wo sie nur als Kooperationspartner auftreten. Meist sind es Flüge von Unternehmen, die in Flugallianzen verbunden sind (wie z.B. Staralliance). Diese Verträge sind auch wichtig, damit Passagiere mit Anschlussflügen durchbuchen können. Bei einem TT-Anruf beim Ticketservice der Alitalia wurde auch bestätigt, dass dort zwar Buchungen für Air-Alps-Flüge möglich seien, nicht aber weitere Anschluss-Buchungen mit Alitalia. Auch auf der Air-Alps-Homepage war gestern die Buchungs-Maske der Alitalia nicht mehr verfügbar. Neo-Geschäftsführer Oliver Ladurner war gestern für die TT nicht erreichbar. Südtirols Landesrat Widmann will indes binnen sechs Monaten neben der Linien Bozen – Rom auch Bozen – Wien ausschreiben.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 06.02.2012
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