06.02.2012
Österreich

Pensionskassen-Flop: Ruf nach Wechsel bei Firmenpensionen

Angesichts der Pensionskassen-Verluste fordern Versicherungen einen leichteren Übergang in ihre Vorsorgemodelle.

Innsbruck – Angesichts der enormen Verluste der Pensionskassen und der dadurch sinkenden Zusatzpensionen für viele Rentner wittert die Versicherungsbranche Morgenluft. Die Rufe nach einer Erleichterung für einen Wechsel von den Pensionskassen in die betriebliche Kollektivversicherung (BKV) werden immer lauter. „Der Staat muss eine einfache Übertrittsmöglichkeit von der Pensionskassen-Lösung in die betriebliche Kollektivversicherung ermöglichen“, forderte Walter Schieferer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Versicherung, im Rahmen des Versicherungsmaklertages in Innsbruck. Er fordert auch, den steuerlichen Freibetrag von 300 Euro pro Jahr auf 3000 bis 4000 Euro zu erhöhen, damit auch Klein- und Mittelbetriebe diese Form der Altersvorsorge finanzieren können. „Dies würde die zweite Säule der Altersvorsorge wesentlich attraktiver machen“, glaubt Schieferer.

Die heimischen Pensionskassen indes sind in den vergangenen Jahren wegen der hohen Verluste schwer unter Beschuss geraten. Die Bezieher dieser Firmenpensionen müssen deshalb heuer zum größten Teil erneut Pensionskürzungen hinnehmen. Für rund 50.000 der insgesamt knapp 73.000 Bezieher gibt es laut Pensionskassenverband Kürzungen von durchschnittlich rund fünf Prozent. Der Schutzverband der Pensionskassen-Berechtigten Pekabe spricht hingegen von Pensionskürzungen um die 10 Prozent. Pensionskassen haben für die rund 800.000 Begünstigen (Pensionisten und künftige Pensionisten) ein Vermögen von rund 15 Mrd. Euro veranlagt.

Die betrieblichen Kollektivversicherungen verwalten laut Versicherer-Angaben ein Vermögen von etwa 500 Mio. Euro. Unternehmer zahlen dabei bis zu 10 Prozent der Lohn- und Gehaltssumme für die Mitarbeiter ein und das steuerlich begünstigt. Mitarbeiter können denselben Betrag durch freiwillige Zuzahlung ansparen. Meist handelt es sich um eine Lebensversicherung mit fixer Mindestverzinsung, die errechneten Pensionshöhen werden garantiert. Kritik übten die Vertreter der Versicherungs­unternehmen an den EU-Plänen für verschärfte Eigenmittelvorschriften. „Die klassische Lebensversicherung wird damit zu Tode getragen“, glaubt Schieferer. Den Versicherern werde es dadurch schwer gemacht, die Pensionslücke zu füllen, die das gesetzliche Pensionssystem hinterlässt.

Laut Christian Bernard, Direktor der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) Tirol, seien bis zum Jahr 2050 in Österreich etwa 1,5 Millionen mehr Beitragszahler nötig, damit die gesetzliche Pension nicht kleiner wird. Bis 2050 werde die Zahl der Beitragszahler nämlich nahezu gleich bleiben bei etwa 3,5 Millionen Personen. Die Zahl der Pensionisten werde aber um 50 % auf 3,3 Millionen steigen, der Finanzierungsbedarf von derzeit 24,3 Milliarden auf 56 Milliarden Euro klettern. (mas, APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 06.02.2012
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