EZB: Eine Billion Euro für Banken
Wie die EZB den Banken hilft
Über-Nacht-Einlagen: Viele Banken leihen sich Geld auf Vorrat und überlegen erst später, wie sie es anlegen. Gleichzeitig muss das liquide Geld über Nacht „geparkt“ werden. Da Staatsanleihen nicht über Nacht gekauft werden können, lagern die Banken das Geld bei der EZB – durch die Drei-Jahres-Anleihen vom Dezember stiegen die Einlagen auf aktuell 511 Mrd. Euro.
Drei-Jahres-Anleihen: Vergangenen Dezember bot die EZB den Banken erstmals billiges Geld über eine Laufzeit von drei Jahren an, da durch die Schuldenkrise das gegenseitige Misstrauen gestiegen war und die Anleihen der Banken untereinander stagnierten. Die Geldhäuser griffen zu und liehen sich 489,2 Mrd. Euro. Mit dem Geld können Banken im Gegensatz zu Über-Nacht-Einlagen über mehrere Jahre Anleihen kaufen und Kredite vergeben, was auch eine positive Wirkung auf die Staatsanleihen hat. Der zweite Drei-Jahres-Tender ist für Ende Februar geplant, bis zu einer Billion Euro könnten verliehen werden. Die EZB kommt dabei nicht in Finanzierungsnot – als Zentralbank stellt sie das Geld einfach elektronisch zur Verfügung.
Frankfurt, Innsbruck – Für die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag erwarten Experten eine Zinspause. Damit hält EZB-Chef Mario Draghi an seinem Kurs fest – nach nicht einmal einem Monat im Amt senkte er den Leitzins vergangenen Dezember auf ein Prozent. Die Wirkung der beschlossenen Maßnahmen würde man jetzt abwarten, heißt es aus den Reihen der Ratsmitglieder.
Beschlossene Sache ist in- des der zweite Drei-Jahres-Tender, den die EZB den Banken noch Ende Februar anbieten will. Bis zu einer Billion Euro könnte die Zentralbank dabei zur Verfügung stellen. Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria, begrüßt diesen Schritt: „Das Volumen darf man nicht überschätzen, es geht eher um die Symbolkraft.“ Auch mit einer Billion Euro würde die EZB nur einen Bruchteil zum eigentlichen Finanzierungsvolumen der europäischen Banken beisteuern – dieses liege derzeit bei 33,6 Billionen. „Die Banken machen ihr primäres Geschäft nicht mit dem, was sie sich von der EZB ausleihen. Dieses Geld schafft vor allem Überschussliquidität“, erklärt Bruckbauer.
Die ersten 100 Tage als Chef der EZB hat Draghi nach Einschätzung Bruckbauers vorbildlich gemeistert: „Der langfristig niedrige Zinssatz hilft den Banken und den Unternehmen.“ Das Vertrauen der Anleger würde langsam wieder steigen. Außerdem habe Draghi mit der Ausgabe von billigem Geld äußerst geschickt eine offene Konfrontation mit der deutschen Bundesbank umgangen – diese hatte sich gegen eine direkte Staatsfinanzierung durch die EZB ausgesprochen. Laut Bruckbauer habe Draghi erkannt, dass die Gefahr eher in einer Deflation als in der Inflation liegt. Frei nach dem Motto „Man kann ein Pferd ziehen, aber nicht schieben“ wäre die Strategie der EZB ein probates Mittel gegen wirtschaftliche Stagnation.
Dass die EZB durch den Kauf von Staatsanleihen wirtschaftlich angeschlagener Länder zu einer „Bad Bank“ wird, glaubt Bruckbauer nicht: „In der Eurozone gelten alle Staatsanleihen, außer die griechischen, als sicher. Die EZB muss diese Sicherheiten akzeptieren.“ (cs, APA, dpa)




