Schlecker: „Österreich bleibt eigenständig und erfolgreich“
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Drogeriekette funktioniert in Österreich besser.
Foto: APA (DPA)/Martin Gerten
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Wien - Nach der Insolvenz in Deutschland ist die Drogeriekette Schlecker sichtlich bemüht, in Österreich gute Stimmung zu verbreiten. „Österreich ist und bleibt eigenständig und erfolgreich“, betonte der Sohn des Firmengründers, Lars Schlecker, am Mittwoch in Wien auf der ersten Österreich-Pressekonferenz überhaupt vor zahlreichen Medienvertretern. Schlecker-COO Thorsten Rusch fügte eilig hinzu, dass die Österreich-Tochter „definitiv nicht vom deutschen Insolvenzverfahren betroffen“ sei. Auch die anderen Auslandsmärkte würden positive Zahlen erwirtschaften und seien von der Insolvenz nicht betroffen.
Ein Verkauf der Auslandstöchter, um die notwendige Restrukturierung zu stemmen, sei kein Thema. Lars Schlecker sieht im Ausland die größten Wachstumschancen. Die Familie werde aber keine Einlage in den insolventen deutschen Mutterkonzern leisten. „Wenn noch ein signifikantes Vermögen da wäre, würden wir nicht hier sitzen“, betonte er.
Um das Überleben des Unternehmens zu sichern, sei ein Investor „wahrscheinlich und notwendig“, sagte Schlecker am Rande der Pressekonferenz zur APA. Über die Höhe der Investor-Beteiligung wollte der Sohn des Unternehmensgründers nicht spekulieren. Mit wie vielen Investoren man derzeit verhandle, wollte er ebenso nicht verraten. Nur soviel: Es gebe laufend „intensive Gespräche“ und man habe sich kein „Timeframe“ gesetzt.
Wenn „alles positiv“ verlaufe, wird sich Firmengründer Anton Schlecker im August oder September komplett aus dem Unternehmen zurückziehen, kündigte Lars Schlecker an. „Es wird eine Veränderung der Firmenstruktur geben.“
Fraglich ist, inwieweit sich Schlecker-Österreich vom Schicksal seiner Konzernmutter abkoppeln kann und überhaupt alleine überlebensfähig wäre. Die profitable Austro-Tochter des Versandhandelsunternehmen Quelle schlitterte etwa wegen der engen Bindung zur Mutter in die Pleite. Branchenexperten und Wirtschaftsprüfer hatten in der Vergangenheit auch bei Schlecker-Österreich auf dieses Risiko hingewiesen. Schlecker soll hierzulande nur profitabel sein, weil Einkauf und die IT über die Konzernmutter laufen, heißt es in der Branche. Die Drogeriekette hat dies heute aber zurückgewiesen.
Laut heutigen Angaben ist das Ergebnis in Österreich in den vergangenen Jahren immer im siebenstelligen Bereich positiv gewesen, auch operativ. 2012 werde ebenfalls ein positives siebenstelliges Ergebnis angestrebt. Allerdings bestehen Forderungen gegenüber der Konzernmutter von knapp über 100 Mio. Euro, die Schlecker gefährlich werden könnten. „Dass diese Forderungen nicht so toll sind, ist nachvollziehbar. Kaufmännisch ist das furchtbar. Man schreibt nicht gerne einen dreistelligen Anspruch an die Mutter ab, aber es hat keinerlei Auswirkungen auf die österreichische Gesellschaft“, versuchte Schlecker-COO Thorsten Rusch dennoch zu beruhigen. Derzeit seien die Forderungen gegenüber der Mutter wegen der Insolvenz „eingefroren“.
Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hielten schon in ihrem Bestätigungsvermerk für den Österreich-Geschäftsbericht 2010 fest: „Ohne unseren Bestätigungsvermerk einzuschränken, weisen wir darauf hin, dass der Fortbestand der Gesellschaft sowohl auf Grund der Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen als insbesondere auch wegen der wirtschaftlichen Verflechtung mit der Anton Schlecker, Ehingen, vom Fortbestand der Anton Schlecker, Ehingen, abhängig ist.“ Damals beliefen sich die Forderungen auf 169 Mio. Euro, in etwa so hoch war zu diesem Zeitpunkt auch das Eigenkapital. Dazu äußern wollte man sich heute auf Nachfrage nicht.
Schlecker betreibt in Österreich nach heutigen Angaben 930 Filialen und beschäftigt 2.995 Mitarbeiter, die man auch halten wolle. 2011 setzte die Drogeriekette hierzulande über 300 Mio. Euro um. 2012 soll eine „geringe Filialzahl im unteren zweistelligen Bereich“ geschlossen werden, auf der anderen Seite aber neue aufgemacht werden. Von den 930 Geschäften seien inzwischen 50 auf das neue Konzept umgestellt worden, 25 sollen heuer folgen. Die Umstellung einer Filiale koste etwa 20.000 bis 30.000 Euro. In zwei bis vier Jahren soll die Modernisierung laut Rusch abgeschlossen sein. Die Läden sollen heller, die Gänge breiter und die Warenpräsentation besser werden, so das Ziel.
Die Warenversorgung in Österreich wurde heute als gesichert dargestellt. „Zum aktuellen Stand haben wir eine über 80-prozentige Lieferbereitschaft“, sagte Kampenhuber. Man könne wieder zu gleichen Konditionen wie vor der Insolvenz der Konzernmutter einkaufen und müsse nicht im Voraus bezahlen. ( APA)
aktualisiert: Mi, 08.02.2012 17:08




