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Trotz Krise

US-Großbanken verdienen wieder wie zu besten Zeiten

Branchenprimus JPMorgan Chase fuhr im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 21,3 Mrd. Dollar (15,98 Mrd. Euro) ein, Konkurrent Goldman Sachs baute seinen Überschuss auf 7,5 Mrd. Dollar aus.

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New York - Vier Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers verdienen die US-Großbanken wieder so prächtig wie selten zuvor. Branchenprimus JPMorgan Chase fuhr im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 21,3 Mrd. Dollar (15,98 Mrd. Euro) ein, Konkurrent Goldman Sachs baute seinen Überschuss auf 7,5 Mrd. Dollar aus. Die Institute profitierten dabei vor allem von der Erholung des US-Immobilienmarktes und dem florierenden Handelsgeschäft. Zudem müssen sie angesichts der Erholung der amerikanischen Wirtschaft weniger Geld für Kreditausfälle zurücklegen.

Goldman über Erwartungen

Mit ihren Milliarden-Gewinnen legen JPMorgan und Goldman Sachs die Latte für die europäischen Großbanken hoch, die angesichts der Euro-Schuldenkrise deutlich hinter den Ergebnissen ihrer US-Rivalen zurückbleiben dürften. Die europäischen Institute legen ihre Zahlen in den kommenden Wochen vor, die Deutsche Bank am 31. Januar.

An der Börse kamen am Mittwoch besonders die Zahlen von Goldman Sachs gut an, die deutlich über den Erwartungen der Analysten lagen. Die Aktien der New Yorker Investmentbank legten an der Wall Street gut zwei Prozent zu. Goldman Sachs profitierte zuletzt von der steigenden Zahl an Übernahmen, Börsengängen und Kapitalerhöhungen, bei denen das Institut rund um den Globus satte Gebühren einstreicht. Zudem gewannen die Aktien und Anleihen in den Büchern der Bank an Wert.

Im vierten Quartal stiegen die Einnahmen von Goldman um mehr auf die Hälfte auf 9,2 Mrd. Dollar. Dennoch gingen die Personalkosten - der größte Kostenblock der meisten Wall-Street-Banken - im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent zurück. Die Personalkosten betrugen damit nur noch 21 Prozent der Einnahmen - ein außergewöhnlich niedriger Wert für die Investmentbank, die in der Vergangenheit oft einen doppelt so hohen Anteil an seine Beschäftigten ausschüttete.

Dimon erhält „nur“ 11,5 Mio. Dollar

Bei der größten amerikanischen Bank JPMorgan stand vor allem die Bezahlung des Vorstandsvorsitzenden Jamie Dimon im Fokus. Der Bankchef, der für das Geschäftsjahr 2011 noch satte 23,1 Mio. Dollar erhalten hatte, muss sich für das abgelaufene Jahr mit 11,5 Mio. Dollar begnügen. Der Grund für Dimons deutliche Bonus-Kürzung sind die Fehlspekulationen eines britischen Händlers - Spitzname „Londoner Wal“ - die JPMorgan über sechs Mrd. Dollar gekostet haben.

In einer internen Untersuchung gab die Bank zwar drei Untergebenen von Dimon die Hauptverantwortung für den Handelsskandal in London. Aber als Vorstandschef trage Dimon letztlich die Verantwortung für die Verfehlungen, die zu den Verlusten geführt haben, erklärte die interne Task Force des Instituts. „Er hätte besser überprüfen können, ob das, was ihm gesagt wurde, verlässlich ist.“ Der Handelsskandal hat dem Ruf der Bank massiv geschadet. Das US-Justizministerium, die Börsenaufsicht SEC und die britische Finanzaufsicht ermitteln.

Im operativen Geschäft gibt es für Dimon dagegen kaum Grund zu klagen. Die Bank, die im Gegensatz zu Goldman auch stark im Privatkundengeschäft aktiv ist, profitierte zuletzt vor allem von der gesunkenen Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Der Gewinn kletterte 2012 um rund 12 Prozent auf über 21 Mrd. Dollar. Auch für 2013 seien die Aussichten gut, sagte Dimon. An der Börse hatten einige Anleger allerdings noch mehr erwartet. JPMorgan-Aktien gaben in New York gut ein Prozent nach. (APA/Reuters)

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