02.02.2013
International

Immer mit dem Chef in Kontakt

Eine weltweite Befragung zeigt: Virtuelle Arbeitsplätze steigern Produktivität und Effizienz, doch es geht kostbare Freizeit verloren. Das führt zu enormem Druck.
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Online-Druck: Asiaten führen Ranking an

Der Druck auf Arbeitnehmer, auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten stets online für den Arbeitgeber erreichbar zu bleiben, ist im asiatischen Raum mit 35 % am stärksten ausgeprägt. In Hongkong, Singapur und Malaysia liegt der Wert sogar bei 40 %. Das geht aus dem Kelly Global Workforce Index hervor.

Am wenigsten Druck verspüren Arbeitnehmer in Puerto Rico (20 %) und in Mexico (14 %). Im europaweiten Vergleich sticht Russland mit 37 % hervor, gefolgt von Ungarn und Polen. Auch Belgien liegt mit 32 % über dem Europa-Durchschnitt von 28 %, während Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland knapp darunter liegen.

Der Kelly Global Workforce Index (KGWI) ist eine jährlich durchgeführte Meinungsumfrage zum Thema Arbeit und Arbeitsplatz. Für den KGWI 2012 wurden 170.000 Studienteilnehmer aus der Perspektive der wichtigsten drei Generationen von Arbeitskräften (Generation Y (19 bis 30 Jahre), Generation X (31 bis 48 Jahre) und Baby Boomer (49 bis 66 Jahre) in 30 Ländern aus den Regionen Amerika, EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) und APAC (Asien/Pazifik) befragt.

Die Studie wurde von der RDA Group im Auftrag von Kelly Services – einer der weltweit führenden Anbieter von Personallösungen – durchgeführt.

Von Barbara Egger

Innsbruck – Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmen zusehends. Smartphones, Laptops und der mobile Zugriff auf Unternehmensnetzwerke haben eine Generation von Angestellten erschaffen, die ihr Büro stets mit sich herumtragen. Welche Auswirkungen hochgradig virtuelle Belegschaften auf das Arbeitsleben haben, geht aus dem aktuellen Kelly Global Workforce Index (siehe Infobox) hervor. Das wichtigste Ergebnis vorweg: Virtuelle Arbeitsplätze steigern Produktivität und Effizienz. Gleichzeitig geht kostbare Freizeit verloren.

„Immer mehr Arbeitnehmer sind heute dank mobiler Technologien praktisch rund um die Uhr mit ihrem Arbeitgeber verbunden“, erklärt Dinette Koolhaas, General Manager Kelly Services Europe. Der Siegeszug mobiler Technologien bedeute für die Arbeitnehmer Überstunden, und zwar von zu Hause aus, so Koolhaas weiter. Wie die Befragungsergebnisse im Detail zeigen, sorgt die ständige Erreichbarkeit nicht nur gefühlt, sondern auch tatsächlich für mehr Druck. So fühlen sich weltweit über ein Viertel der Studienteilnehmer (27 %) gezwungen, auch nach Feierabend mit der Arbeit digital verbunden zu bleiben. Jeder zweite Befragte (weltweit 49 %) gibt an, bis zu fünf Stunden pro Woche auch außerhalb der regulären Arbeitszeit für den Arbeitgeber erreichbar zu sein. Bei zwölf Prozent sind es sechs bis zehn Stunden und 16 Prozent sind über zehn Stunden pro Woche mit Dingen des Berufslebens beschäftigt. Nur weniger als ein Viertel (23 Prozent) sind laut Befragung nach Dienstschluss nicht für den Chef erreichbar.

Wie stark der Druck ist, erreichbar zu bleiben, hängt direkt mit der Art der Beschäftigung zusammen. Fachkräfte aus den Bereichen Vertrieb, Marketing, IT, Recht, Wissenschaft, Finanzen, Buchhaltung, Sicherheit und Gesundheitswesen spüren den Druck stärker als Beschäftigte anderer Branchen. Weniger stark ist der Druck laut Befragten bei Mitarbeitern in Callcentern und Kundendienst, Verwaltung, Bürotätigkeit und Industrie.

„Die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten wird die Arbeitswelt von immer mehr Menschen verändern“, ist Koolhaas überzeugt. „Die positiven Effekte wie höhere Produktivität und Effizienz nützen den Unternehmen und Beschäftigten gleichermaßen. Doch sollte die Nutzung nicht in zusätzlichen Druck und Überstunden münden, welche die Kräfte der Mitarbeiter aufzehren.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 02.02.2013
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