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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 08.02.2013

Unisex macht Versicherungen teurer

Durch die Neugestaltung der Tarife wurden viele Versicherungen teurer. Größte Veränderungen bei Ablebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – Die Versicherungsunternehmen dürfen seit 21. Dezember 2012 EU-weit nur noch Unisex-Tarife anbieten. Das heißt, die Verträge für Männer und Frauen müssen die gleichen Konditionen und Prämien aufweisen. Die Anpassung der Tarife geht auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zurück.

„Durch die Umstellung hat sich im Tarifangebot viel verändert“, sagt die Versicherungsexpertin des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) Gabi Kreindl. In vielen Bereichen, wie Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherungen, seien von den Versicherern neue Angebote geschaffen worden. Was man bisher sagen könne, sei, dass über den Jahreswechsel die meisten Versicherungen teurer geworden sind. „Aber das ist meistens so, wenn Tarife neu gestaltet werden“, so Kreindl. Laut VKI lässt sich die Veränderung am deutlichsten im Bereich der Risikoablebensversicherungen darstellen, da sich hier die Leistungsdifferenzen durch die Umstellung nicht verändert haben. In diesem Bereich stellte der VKI eine große Bandbreite an Prämienänderungen quer über die verschiedenen Versicherungen fest. Beim größten österreichischen Versicherer Uniqa wurde die Ablebensversicherung über 100.000 Euro für einen 35-jährigen Mann um 21,27 % billiger, für eine Frau um 23,23 % teurer. Ganz anders bei Wüstenrot: Hier wurde die Ablebensprämie für einen 35-jährigen Mann um 0,89 % billiger, für die Frau wurde sie allerdings um 35,53 % teurer. „Dabei handelt es sich um strategische Preiserhöhungen, die Versicherungen häufiger vornehmen, wenn sie das Risiko nicht mehr tragen und daher keine Neuabschlüsse für ihr Versicherungsprodukt möchten“, weiß Thomas Lang, Geschäftsführer vom Versicherungsvergleichsportal chegg.net.

Auch der Online-Versicherungsexperte hat die Tarife der Versicherungen vor und nach der Unisex-Umstellung miteinander verglichen. Das erstaunliche Ergebnis: Deutliche Teuerungen blieben im Großen und Ganzen aus. Das liege aber hauptsächlich daran, dass die Versicherer schon im Laufe des Jahres 2012 die Tarife aneinander anpassten. Bei den Ablebensversicherungen kam der Grazer Versicherungsspezialist auf dasselbe Ergebnis wie der VKI. Berufsunfähigkeitsversicherungen wurden für Frauen um bis zu 12 % billiger und für Männer bis knapp 13 % teurer. Für Frauen günstiger wurden auch Krankenversicherungen. Grund dafür ist vor allem der Wegfall von speziellen Zuschlägen für das so genannte „Geburtenrisiko“. 40-jährige Frauen zahlen bei den Top-Angeboten um bis zu 14,5 % weniger. Für Männer wurde es in diesem Bereich um 2 % bis 5,5 % teurer.

Der VKI rät dazu, Versicherungsverträge nach Risikoprüfung und breitem Angebotsvergleich auszuwählen.