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Telekom-Prozess

10-Millionen-Bonus könnte 10 Jahre Haft bringen

Heute Montag ist der Startschuss zur strafrechtlichen Aufarbeitung der Korruptionsskandale um die Telekom Austria (TA) gefallen. Den Vorständen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

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Wien – Im Wiener Straflandesgericht hat am Montagvormittag unter enormem Medienandrang der Prozess gegen Teile des ehemaligen Vorstandes der Telekom Austria. Die Anklage wirft ihnen vor, durch eine Kursmanipulation im Februar 2004 widerrechtlich zu einem millionenschweren Bonusprogramm gekommen zu sein. Strafrechtliches Vergehen bestreiten die angeklagten Manager, eine „Kurspflege“ im Sinne der Aktienentwicklung des Kurses im „üblichen Rahmen“ räumen sie teilweise ein.

Der Hauptangeklagte ehemalige Festnetzvorstand Rudolf Fischer soll laut Aussagen involvierter Anwälte ein Teilgeständnis ablegen. Dies hätte weitreichende Folgen, weil der als emotional geltende Hobbygolfer Fischer auch noch in anderen vermeintlichen Korruptionsfällen im Focus steht. Hierbei geht es um Scheinrechnungen über den Lobbyisten Peter Hochegger, der das Geld an das Umfeld der FPÖ bzw. des BZÖ zur Gesetzesbeeinflussung weitergeleitet haben soll. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Angeklagt sind neben Fischer der Ex-Finanzvorstand Stefano Colombo, der seinerzeitige Generalsekretär Heinz Sundt, Telekom-Prokurist Josef Trimmel und der Broker Johann Wanovits, über den der Deal unter andrem mittels 500.000-Euro-Plastiksackerl am Wiener Naschmarkt abgewickelt worden sein soll. Wanovits pocht darauf, mit seinem Aktieninvestment einen feindlichen Angriff auf den Telekom-Kurs bekämpft zu haben.

Sundt hat laut seinem Anwalt von einer illegalen Kurspflege nichts gewusst, war aber bestrebt, im Sinne der leitenden Mitarbeiter und der Reputation der Telekom den Kurs des teilstaatlichen Konzerns zu steigen, hieß es von seiner Rechtsvertretung zu Journalisten. Insgesamt bekamen die Manager 10,6 Mio. Euro brutto aus den Bonusprogramm, Generalsekretär Sundt soll daraus 360.000 Euro erhalten haben – zurückgezahlt hat er diesen Betrag bisher nicht. Die Telekom Austria (A1), die sich zu 28 Prozent im Besitz der Österreicherinnen und Österreicher befindet, hat sich dem Prozess als Privatkläger angeschossen,

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Untreue, der Strafrahmen beträgt bis zu zehn Jahre. Die Anklage stützt sich unter anderem auf ein neues „Instrument“, die Kronzeugenregelung. Als Kronzeuge angeboten hat sich der ehemalige Telekom-Manager Gernot Schieszler, der umfassend ausgesagt haben soll.

Die Anklage wird von Staatsanwalt Hannes Wandl vertreten, vorsitzender Richter des Schöffensenats ist Michael Tolstiuk.

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