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EZB will nicht in „Währungskrieg“ gezogen werden

Befindet sich die Welt mitten in einem Währungskrieg? Die Europäische Zentralbank dämpft die Sorgen, auch wenn sie die Entwicklung des Euro sehr genau beobachtet.

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Frankfurt/Main – Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich nicht an einem Abwertungswettlauf der Währungen beteiligen. „Unsere Grundposition ist unverändert: Wir haben kein Wechselkursziel, Wechselkurse sollen marktbasiert sein“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen dem Handelsblatt (Montag). Den Notenbanken der USA und Japans wird vorgeworfen, ihre Währungen künstlich billig zu halten, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Es ist bereits von einem „Währungskrieg“ die Rede.

Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen deutlich aufgewertet, insbesondere zum japanischen Yen, zum US-Dollar und zum britischen Pfund. Waren aus dem Euroraum werden in der Folge im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, was hierzulande die konjunkturelle Erholung gefährden könnte.

Der erstarkte Euro macht vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen. „Ich glaube nicht, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit in diesen Ländern“, sagte Asmussen. „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte sich wegen der Euro-Aufwertung für eine aktive Wechselkurspolitik ausgesprochen. „Die Frage nach einem Wechselkursziel ist nicht neu. Aber es gibt kein Wechselkursziel in der Eurozone. Eine solche Debatte darf nicht von den notwendigen Reformen ablenken, die die Staaten selbst unternehmen müssen“, sagte Asmussen.

„Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“

Der Notenbanker bekräftigte: „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer. Wir haben ein Mandat, das wir erfüllen. Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“ Besser sei es, solche Fragen auch in Zukunft im Kreis der führenden Wirtschaftsnationen (G7 und G20) zu besprechen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am vergangenen Donnerstag die Aufwertung des Euro als „Zeichen der Rückkehr des Vertrauens“ in die europäische Gemeinschaftswährung bezeichnet. Langfristig bewege sich der Euro in der Nähe seines Durchschnittswerts.

Dass Draghi zugleich erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge, werteten Ökonomen als „sanfte verbale Intervention“ gegen die Euro-Aufwertung: Der Euro-Kurs sackte am Donnerstag schlagartig um fast zwei Cent zum Dollar ab. Am Montag startete der Euro-Kurs unter der Marke von 1,34 US-Dollar. (dpa)

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