12.02.2013
Pferdefleisch-Skandal

Aktion scharf im Tiefkühlregal

Der Skandal um als Rindfleisch getarntes Pferdefleisch zieht europaweit immer weitere Kreise. Auch wenn Österreich bislang verschont blieb, gibt es Schwerpunktkontrollen.

Von Christoph Mair

Innsbruck – „Reines Rindfleisch“ versprach nur die Packung jener Lasagne, die mittlerweile Tausenden Konsumenten in mehreren europäischen Ländern den Appetit verdorben und die Zornesröte ins Gesicht getrieben hat.

Denn statt Rind war das Tiefkühlprodukt teils zur Gänze mit Pferdefleisch gefüllt. Der betroffene Lebensmittelkonzern Findus hatte nach Auffliegen des Skandals in Großbritannien die falsch deklarierten Produkte aus dem Verkehr gezogen. Seitdem dreht sich ein groteskes Karussell um Schuld und Verantwortung. Während der Lebensmittelkonzern Findus eine Betrugsklage gegen unbekannt ankündigte, schob der französische Fleischverarbeiter die Schuld rumänischen Lieferanten zu. Im möglichen Ursprungsland des Fleischs wurden Untersuchungen eingeleitet. Die britische Regierung vermutet kriminelle Machenschaften, Rumänien fühlt sich an den Pranger gestellt. Österreich sei vom Pferdefleischskandal derzeit nicht betroffen, beruhigt Carolin Krejci, Leiterin der Abteilung Lebensmittelrecht im Gesundheitsministerium. Da aber nicht auszuschließen sei, dass falsch gekennzeichnete Ware auch nach Österreich gelangt ist, werde die Entwicklung über das europäische Schnellwarnsystem intensiv beobachtet.

Dennoch hat die Affäre bereits konkrete Auswirkungen auf Österreich. So kündigt Krejci eine landesweite Schwerpunktaktion an. Dabei stehen ähnliche Fertigprodukte aus Rindfleisch im Visier der Kontrollore. „Auch um Sicherheit zu haben“, sagt Krejci, die nicht davon ausgeht, dass etwas Verdächtiges gefunden wird.

Lebensmittelkontrollen liefen in Österreich, das diesbezüglich als eines der strengsten Länder der Welt gilt, nach einem „risikobasierten Plan“ ab, erklärt die Expertin. Im Jahr 2011 besuchten die Kontrollore laut Lebensmittelsicherheitsbericht österreichweit 71.500 Betriebe und zogen 31.782 Proben. Nur 0,5 % davon waren gesundheitsschädlich, 3,7 % waren für den menschlichen Verzehr ungeeignet. Häufigster Beanstandungsgrund waren mit 8,2 % Kennzeichnungsmängel.

Genau hier hakt auch Andreas Oberlechner, Konsumentenschützer der AK Tirol ein. Die Kennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmitteln müsse verbessert und um Herkunftsangaben ergänzt werden. Dann seien auch die Verantwortlichen bei Verstößen leichter ausfindig zu machen. „Es kann nicht sein, dass wie im aktuellen Fall nicht einmal der Hersteller weiß, woher sein Fleisch kommt.“ Oberlechner fordert „drakonische Strafen“ für die Schuldigen, sieht im aktuellen Skandal aber auch eine Chance für regionale Lebensmittel, deren Herkunft bekannt ist.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 12.02.2013
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