Ticketpreise der ÖBB am Prüfstand
Von Max Strozzi
Innsbruck – Die ÖBB stellen ihre Ticketpreise auf den Prüfstand: „Die Ticketpreise sind nicht unantastbar“, sagte ÖBB-Chef Christian Kern jüngst im Rahmen eines Tourismus-Treffs in St. Anton am Arlberg vor Journalisten. „Die Kosten steigen jährlich um rund 120 Mio. Euro, hier öffnet sich zunehmend eine Schere“, rechnet Kern vor. Im Herbst soll das Ticketsystem der ÖBB umgebaut werden. „Mit 1. September ist es das Ziel, die Ticketlogik überschaubarer zu machen und zu vereinheitlichen. Die Buchungslogik wird einfacher, die SMS-Tickets werden einfacher“, so Kern. Österreichweit gebe es etwa 100 verschiedene Ticket-Varianten im Zuge von Kooperationen. Dies gelte es zu vereinfachen. „Das Einzige, das österreichweit gleich kostet, ist der Hund, der mitfährt“, so Kern. Auch das Buchungssystem in Richtung Luftverkehr soll erweitert werden.
Auf der Strecke zwischen Salzburg und Wien liefern sich die ÖBB mit der privaten Westbahn indes eine Preisschlacht. Die Zugkapazität auf dieser Strecke habe – in der Summe aus ÖBB und Westbahn – insgesamt um 25 % zugelegt. „Der Wettbewerb ist nicht ÖBB gegen Westbahn, sondern Zug gegen Westautobahn“, so der Bahn-General. Die Autobahn sei klarer Verlierer des Zugduells gewesen. Der Verlierer vor Gericht steht indes noch nicht fest. Westbahn und ÖBB decken sich gegenseitig mit Klagen ein. Die Westbahn macht bei der Bundeswettbewerbsbehörde Druck, etwas gegen die jährliche 600-Millionen-Subvention für die Staatsbahn zu unternehmen. Die Vorwürfe der Quersubventionierung seien „unsinnig“, meint ÖBB-Chef Kern.
Den ÖBB-Sanierungskurs sieht Kern auf einem guten Weg, demnächst präsentieren die ÖBB die Vorjahresbilanz. Wie berichtet, dürfte sich das Minus (EBIT) im Vorjahr auf etwa 28 Mio. Euro reduziert haben, bis 2013 soll die schwarze Null stehen. „Wir wollen bis 2015 die Wirtschaftlichkeit der Bahn um 500 Millionen Euro verbessern – ein Drittel durch Zusatzeinnahmen, ein Drittel durch Sparen“, so Kern. Alleine durch den neuen Caterer Do & Co würden in sechs Jahren 40 Mio. Euro im Vergleich zum Ex-Caterer eingespart.
Im laufenden Jahr habe die Bahn im Nahverkehr bislang zugelegt. Die größten Zuwächse gab es demnach in Vorarlberg (+17 %), in der Steiermark (+8 %) und in Kärnten (+6 %). In Tirol legten die ÖBB beim Nahverkehr um 1,2 % zu. Rund zwei Drittel der Zuwächse sieht Kern als Folge des Spritpreiswuchers, in Tirol habe aber auch die Erhöhung der Frequenz mehr Gäste gebracht. Seit 2006 stieg laut ÖBB in Tirol die Zahl der Zuggäste von 9,6 Mio. auf 15 Millionen.
Heuer will die Bahn verstärkt um „Spritpreisopfer“ buhlen. „Das Statussymbol Auto verliert an Bedeutung, davon wird die Bahn profitieren“, glaubt Kern. Zuwächse erhofft sich der Bahn-Chef auch bei Geschäftsreisenden. „Jede fünfte Geschäftsreise in Österreich wird mit dem Zug absolviert, wir wollen den Marktanteil um 5 Prozent erhöhen“, gibt Kern vor. Unter anderem auch auf der Strecke Innsbruck – Wien, zumal im Herbst die Fahrzeit auf knapp 4 Stunden sinken soll. Auch im Tourismus ortet Kern noch Wachstumspotenzial, besonders bei den Pauschalreisen peilt die Bahn heuer 20 bis 30 % Zuwachs an. Allerdings machen Zugtouristen derzeit lediglich ein Prozent aller Passagiere aus.






