18.04.2012
Österreich

Handel attackiert die AK: Austro-Zuschlag ein „Mythos“

Der Handel wehrt sich gegen die AK-Vorwürfe, bei Österreichs Kunden ein Extra-Körberlgeld zu kassieren. AK bekräftigt „Österreich-Aufschlag“.
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Wien – Ist Einkaufen in Österreich teurer als in Deutschland? Um einen vermeintlichen „Österreich-Zuschlag“ in Supermärkten und Drogerien ist ein veritabler Streit entbrannt. Die Arbeiterkammer hat große Unterschiede zwischen Preisen in Österreich und in Deutschland festgestellt und Supermarktketten vorgeworfen, sich beim österreichischen Kunden ein zusätzliches Körberlgeld zu verdienen und die Preise in die Höhe zu jagen.

Verglichen wurde ein Billigst-Einkauf mit den 40 günstigsten Produkten in Wien und Berlin. In Wien müssen Kunden laut AK dafür im Schnitt um rund 9 % mehr auf den Tisch legen als in der deutschen Hauptstadt. Besonders auffällig seien laut AK die Preisunterschiede bei unverarbeiteten Waren wie Fleisch, Zucker oder Mehl. Hühnerkeulen kosteten demnach in Wien mehr als doppelt so viel wie in Berlin, Vollmilch war um 74,5 % teurer.

Diese Vergleiche seien teilweise „unseriös“, wehrt sich der heimische Handel. Die Preisvergleiche seien partiell nicht nachvollziehbar. „Der Österreich-Aufschlag ist ein Mythos. Es gibt Preisunterschiede in beide Richtungen“, sagt Bundesspartenobfrau Bettina Lorentschitsch. Grund für die teilweise höheren Preise in Österreich seien laut Lorentschitsch höhere Lohnnebenkosten von neun Prozentpunkten sowie höhere Produktionskosten durch eine kleinteiligere Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie. „Unterschiedliche Preise sind Teil der Marktwirtschaft“, so Lorentschitsch. Dass der deutsche Handelsriese Rewe (Billa, Merkur, Penny, Bipa) konzernweit in Deutschland einkaufe, stimme nicht. So kämen 90 % des Fleisches aus Österreich. Auch kritisiert sie die Darstellungsweise der AK: Ein Schwammtuch sei hierzulande um 410 % teurer gewesen, konkret ging es nur um 53 Cent Unterschied. Überdies seien viele Produkte in Österreich günstiger.

Die AK hingegen bekräftigt ihre Vorwürfe. „Es gibt einen Österreich-Aufschlag sowohl bei identen Markenprodukten als auch bei den preiswertesten Produkten“, kritisiert der Direktor der Arbeiterkammer Wien, Werner Muhm. Schuld sei die hohe Marktkonzentration und als Folge dessen der geringere Wettbewerb. Laut AK halten in Österreich die drei größten Unternehmen – Rewe/Adeg, Spar und Hofer – einen Marktanteil von über 80 %. In Deutschland indes würden die vier größten Ketten (Edeka, Rewe, Lidl und Aldi) auf 66 % kommen. Durch die stärkere Marktkonzentration in Österreich könnten die Lebensmitteleinzelhändler die Preiserhöhungen schneller an die Konsumenten weiterreichen als in Deutschland. „In Deutschland kontrollieren die Behörden schärfer, was letztlich billigere Preise für die Konsumenten bringt“, so die Arbeiterkammer.

Die insgesamt höheren Preise in Österreich seien daher „hausgemacht“, bei den Drogeriewaren sei die Marktaufteilung ähnlich. Hier verglich die AK im März idente Produkte bei Schlecker, dm und Müller in Wien und Köln. Ihr Fazit: In Wien kosteten die Drogerie-­Markenprodukte vom gleichen Konzern im Schnitt um 27,5 % mehr als in Köln. So verrechnet dm in Köln für das 50-Milli­liter-Balea-Roll-On 55 Cent, in Wien 1,47 Euro. (TT, APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 18.04.2012
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