S&P dämpft Österreichs AAA-Hoffnungen
Die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) hat Hoffnungen gedämpft, dass Österreich bald wieder die Top-Bonitätsnote Triple-A erhalten könnte. „Es gibt keinen Zeithorizont und Ratingentscheidungen sind schwer vorhersehbar“, sagte der für Österreich zuständige S&P-Analyst Alois Strasser im APA-Interview.
Diese Woche hatte die Agentur Fitch das österreichische AAA-Rating bestätigt. Finanzministerin Fekter hatte daraufhin mit Auswirkungen auf das S&P-Rating gerechnet.
Österreich habe das Triple-A vor allem wegen „europäischer Faktoren“ und nicht wegen dem Bankenexposure der heimischen Kreditinstitute in Osteuropa verloren, erklärte der aus Oberösterreich stammende Analyst. Es gebe in der Eurozone „sehr wohl Fortschritte, aber auch Risiken. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Krise jetzt vorbei ist“. Die Eurozonenstaaten sollten seiner Ansicht nach ihre Wachstumspolitik forcieren. „Der Fokus auf Konsolidierung ist allein nicht ausreichend. Es braucht auch ein Wachstumselement“, betonte der S&P-Analyst. Die Abhängigkeiten voneinander in der Eurozone seien viel größer geworden. Die Bereitstellung von Liquidität (1.000 Mrd. Euro) durch die EZB für die europäischen Banken im Rahmen der langfristigen Refinanzierungsoperation (LTRO) hätte zu einer Stabilisierung geführt. Diese Maßnahmen waren auch „positiv für die Ratings“.
Bei den heimischen Banken sieht S&P Handlungsbedarf: Die österreichischen Banken seien schwach mit Eigenkapital ausgestattet und damit im internationalen Vergleich am unteren Ende. „Es gibt einige Banken, die in den nächsten Jahren möglicherweise noch Eigenkapital brauchen“, betonte Strasser. Die großen heimischen Banken seien „relativ gut“ aufgestellt. „Die Krise in Osteuropa ist noch nicht vom Tisch und es könnte noch zu gewissen Ausfällen für die österreichischen Banken kommen“, erklärte er.
S&P führt eigene Stresstests für Banken durch, die auf wesentlich dramatischeren Annahmen beruhen als die Tests der europäischen Bankenaufsicht. In einem der getesteten Krisenszenarios würde das Eigenkapital der heimischen Banken zur Gänze vernichtet werden und der Staat müsste 70 Mrd. Euro - ein Viertel des österreichischen Bruttoinlandsprodukts einschießen, berichtet die Tageszeitung „Die Presse“ in ihrer Freitagausgabe. Annahmen seien eine Rezession von sechs Prozent, ein Einbruch des Aktienmarktes um 60 Prozent und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 15 Prozent.
aktualisiert: Do, 19.04.2012 21:16



