Stromverbrauch in Österreich wird noch um gut ein Sechstel steigen
![]()
Für die Austrian Energy Agency wird der steigende Verbrauch auch künftig zusätzliche Kraftwerke erfordern.
Foto: APA/HARALD SCHNEIDER
|
||
Wien - Der Stromverbrauch in Österreich wird langfristig weiter steigen - nach Annahme der Austrian Energy Agency um 15 bis 20 Prozent. Damit würde der elektrische Endverbrauch von 58,7 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2008 auf bis zu 68,2 TWh im Jahr 2050 klettern, heißt es in einer für den E-Wirtschaftsverband Oesterreichs Energie erstellten Studie. Der weiter wachsende Verbrauch wird auch künftig zusätzliche Kraftwerke erfordern - mit Hauptaugenmerk auf Wasserkraft und anderen Erneuerbaren. Ergänzend werden thermische Anlagen nötig sein, etwa hocheffiziente erdgasbetriebene Kraftwerke.
Auch die „Energiestrategie Österreich“ geht von einem weiteren Anstieg des heimischen Stromverbrauchs aus, und zwar von 57,1 TWh 2005 auf 61,9 TWh im Jahr 2020. Getrieben wird der Bedarfszuwachs durch immer mehr Haushalte und eine weiter steigenden Geräte-Dichte, durch höheren Verbrauch des Produktionssektors trotz gewisser Entkoppelung von der Entwicklung der Gesamtwertschöpfung sowie auch einem wachsenden Bedarf durch die langsam aufkommende E-Mobilität.
In den Privathaushalten hat sich der Stromverbrauch zwischen 1985 und 2010 verdoppelt - von 8,3 auf 17,1 TWh. Dass der Verbrauch pro Kopf zugleich „nur“ um 85 Prozent von 1.100 auf 2.034 kWh zugelegt hat, liegt an der höheren Zahl der Haushalte sowie dem Anwachsen der Bevölkerung. Die Zahl der Haushalte wuchs in der Zeit um 29 Prozent von 2,8 auf 3,6 Millionen, in denen zuletzt im Schnitt aber nur noch 2,31 (2,7) Personen lebten, weil die Zahl der Single-Haushalte von 768.000 auf 1,3 Mio. geklettert ist. Parallel nahm die Einwohnerzahl von 7,6 auf 8,4 Mio. zu und soll laut Prognose der Statistik Austria bis zum Jahr 2050 weiter auf 9,4 Mio. steigen.
Beeinflusst wird der Energieverbrauch der Haushalte auch durch den immer größeren Wohnraum. So stieg die Gesamtnutzfläche der Haushalte von 251 Mio. m2 1991 auf über 354 Mio. m2 im Jahr 2009 - pro Haushalt ist das ein Anstieg von 84,4 auf 98,5 m2. Durch immer weniger Menschen je Haushalt wuchs die Fläche von 32,4 auf 42,4 m2 pro Kopf. Ferner heizt auch die Änderung der Altersstruktur den Bedarf an: Laut einer aktuellen Studie der Statistik Austria verbrauchen Senioren-Haushalte im Schnitt um 31 Prozent mehr als die übrigen, da sie mehr Zeit zu Hause verbringen und daher Geräte häufiger nutzen; der Anteil über 60-Jähriger an der Bevölkerung dürfte von 2010 bis 2050 von 23 auf 34 Prozent klettern, nimmt die Statistik Austria an.
Gerätebezogen gab es den größten Verbrauchszuwachs in den Haushalten in den letzten Jahren bei Beleuchtung und EDV, wo sich der Strombedarf von 1993 bis 2009 verdoppelte. Insgesamt stieg der Stromverbrauch der Haushalte für Geräte und Anwendungen in diesem Zeitraum um 30 Prozent von 10,1 auf 13,2 TWh.
Im produzierenden Bereich ist der Stromverbrauch von 1995 bis 2009 von 19 auf 26,7 TWh gestiegen, um 41 Prozent; zugleich wuchs die reale Bruttowertschöpfung nur um 26 Prozent. In Gebäuden des Dienstleistungssektors stellt wie bei Haushalten die Ausstattung eine wesentliche Triebfeder dar: Für Beleuchtung und EDV-Anwendungen ist er dort laut Statistik Austria zwischen 1993 und 2009 um über 20 Prozent auf gut 3,4 TWh gewachsen. Der Strombedarf für Raumwärme und Klimatisierung der Dienstleister (öffentliche wie private) erhöhte sich in dem Zeitraum ebenfalls um mehr als 20 Prozent auf 2,26 TWh.
Auch die zaghafte Einführung von Elektroautos - bis 2020 soll laut Energiestrategie eine Viertel Million erreicht sein - wird langfristig den Stromverbrauch pushen, so die Expertise der Österreichischen Energieagentur für Oesterreichs Energie. Ein Großteil des zusätzlichen Bedarfs an elektrischer Energie wird dabei aber erst nach 2020 auftreten. Bis dahin sei ein Bedarf von 0,7 TWh realistisch, wie ihn auch die Energiestrategie erwartet. (APA)
aktualisiert: Fr, 20.04.2012 10:19



