21.04.2012
Österreich

Experte: Stifter als Prügelknaben

Privatstiftungsexperte Eiselsberg kritisiert Regierung für „Holzhammermethode“ bei Schwarzgeldabkommen mit der Schweiz. Mit Liechtenstein gebe es erstmals Wettbewerb.

Von Nina Werlberger

Innsbruck – „Man kann auch mit einem Rolls-Royce in den Graben fahren. Natürlich kann man mit einer Stiftung auch etwas Kriminelles machen“, meint Maximilian Eiselsberg zu Stiftungskonstruktionen im Ausland. Eiselsberg ist Österreichs führender Experte für Privatstiftungen.

Im TT-Gespräch sagt er, Stiftungen etwa in der Schweiz seien nicht grundsätzlich problematisch. Das Vermögen von Österreichern in ausländischen Stiftungen stamme vielfach aus der Nachkriegszeit. „Damals hat man das Familienvermögen differenziert und sich abgesichert. Hier geht es um den Notgroschen der alten Generation“, meint Eiselsberg.

Der Regierung wirft er vor, hier „Prügelknaben“ zu schaffen. Die Bemühungen um Schwarzgeldabkommen mit Liechtenstein und der Schweiz sieht er skeptisch. Wie berichtet, hat der Ministerrat kürzlich ein Abkommen mit der Schweiz über die Besteuerung von Schwarzgeld beschlossen. Österreich will mindestens 1 Mrd. Euro aus der Schweiz lukrieren. „Die Schweiz zahlt uns gar nichts, keinen Cent. Dieses Geld wird den Stiftern weggenommen“, kommentiert Eiselsberg. Das Abkommen mit der Schweiz inklusive Amnestie-Modell für Steuersünder kritisiert er als „Holzhammermethode“. Statt früh und regelmäßig wie etwa Italien die legale Rückkehr von Kapital zu ermöglichen, werde jetzt „zwangsweise alles mit der Keule zurückgeholt“. Um straffrei auszugehen, müssen Österreicher mit unversteuertem Geld in der Schweiz eine Pauschale für Gewinne bezahlen, künftige Gewinne werden besteuert.

Das geplante Abkommen mit Liechtenstein, das wie das Schweizer Modell Millionen zurück nach Österreich bringen soll, werde wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, meint Eiselsberg. Der Grund: Österreich habe sich „aus politischem Kalkül“ auf eine „Fluchtsteuer“ von 25 % versteift, die Österreicher dann bezahlen müssten, wenn sie Geld in eine Liechtensteiner Stiftung einbringen wollen. Dennoch werde es in Zukunft zwischen österreichischen und Liechtensteiner Stiftungen echter Wettbewerb geben, wobei das Liechtensteiner Modell transparenter, einfacher und flexibler sei.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 21.04.2012
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