07.05.2012, 14:21  Aktualisiert: 07.05.2012, 14:52 
Österreich

Air Berlin verschärft Sparkurs bei Niki

Die zur deutschen Air Berlin gehörenden Fluggesellschaft Niki (flyniki) ist vom Sparpaket der deutschen Mutter mit einem zweistelligen Millionenbetrag betroffen.
Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn (li.) und Niki-Geschäftsführer Christian Lesjak.
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Wien, Berlin – - Die zur deutschen Air Berlin gehörende Fluggesellschaft Niki (flyniki) ist vom Sparpaket ihrer deutschen Mutter mit einem zweistelligen Millionenbetrag betroffen. Niki-Geschäftsführer Christian Lesjak sprach heute von 12 Mio. Euro im Jahr. Bisher waren 10 Mio. Euro genannt worden. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn will mit seinem 250 Mio. Euro schweren Sparprogramm die schwer defizitäre zweitgrößte Airline Deutschlands wieder in die schwarzen Zahlen zwingen. „Wir schauen unter jeden Teppich, unter jeden Stein, suchen in jeder Jacke den letzten Cent“, sagte Mehdorn am Montag in Wien.

Weitere Airlines werden aufgeben

Natürlich würden Sparmaßnahmen von der Belegschaft immer mit einer gewissen Nervosität betrachtet, weiß Mehdorn. Man müsse sich aber nur umschauen: Bei Lufthansa stünden massive Veränderungen an, Air France fahre ein Restrukturierungsprogramm. Viele Airlines seien verschwunden. „Das ist nicht zu Ende“, so Mehdorn. „Wir haben rechtzeitig angefangen, uns besser aufzustellen“. Er will weiter ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen.

Nach dem Riesenverlust der Air Berlin im „miserablen Jahr 2011“ will Mehdorn heuer ausgeglichen bilanzieren. Alle kämpften aber weiter mit der Finanzkrise. „Die Eurokrise hat vielleicht einen Moment Pause gemacht. Sie wird sich in den nächsten Monaten sicher noch von ihrer hässlichen Seite zeigen.“ Die Treibstoffpreise stiegen in den letzten Monaten zweistellig. Obendrauf kämen noch die Belastungen aus der Ticketsteuer. Das alles macht Fliegen in nächster Zeit wohl teurer.

Bei Air Berlin machte die Luftverkehrssteuer 2011 rund 160 Mio. Euro aus, bei Niki im ersten Dreivierteljahr nach der Einführung 9 Millionen. Richtig fatal wirkte sie laut Niki-Chef Lesjak ab Herbst 2011. Heuer werden es 20 Millionen sein.

Düstere Prognosen für Bundesländerflughäfen

Mehdorn und Lesjak wollen diese Steuern ganz weg haben. Sie haben sonst für Tourismus, Hotellerie und Bundesländerflughäfen nur düstere Prognosen. „In kleineren Märkten schaffen wir es nicht, diese Steuer an die Passagiere weiterzugeben, wo sie zehn Prozent vom Ticketpreis kostet.“ Als Konsequenz würden die Strecken auf allen Bundesländerflughäfen ausgedünnt. Besonders betroffen seien Graz, Salzburg und Linz. Im Winter etwa sei es gänzlich unmöglich, auf der Strecke Graz-Palma die Steuer weiterzugeben. Lesjak: „Österreich ist im Destinationen-Wettbewerb teurer geworden.“

Er versucht gerade, einen Veranstalter für Skicharterflüge von Dänemark nach Salzburg bei der Stange zu halten. Der könne genausogut nach Verona ausweichen. „Es kann sein, dass wir den Verkehr verlieren“, so der Niki-Manager. Und mit ihm der Airport Salzburg und die Partnerhotels. Wenn der Vizekanzler zugleich „über das Unternehmen Österreich schwadroniert und philosophiert“, passe das nicht zusammen, befand Lesjak. Am Ende des Tages werde auch die Finanzministerin mit dieser Steuer nicht positiv aussteigen, glaubt auch Mehdorn.

Wien wird wichtiger

Wien wird aber immer wichtiger. Mehdorn will den Flughafen Wien-Schwechat für die Air Berlin Gruppe als Südosteuropa-“Hub“ ausbauen. Ob man im Wettbewerb mit AUA/Lufthansa da etwas verdienen könne? Mehdorn: „Sonst würden wir‘s nicht tun.“ In Osteuropa bemühe man sich um neue Verkehrsrechte. Mit der Ukraine war man schon mal weiter. Nach Osten würden zusätzliche Frequenzen aufgebaut. „Und wir sind wahrscheinlich die einzige Airline, die dieses Jahr die Kapazitäten nach Griechenland steigert“, fügte Lesjak hinzu.

Das auf Niki entfallende Sparpaket von 12 Mio. Euro sei im Großen und Ganzen schon gestemmt, sagte Lesjak, der ab 1. Juli Niki-Alleingeschäftsführer ist. Da geht es um 3 Mio. Euro Treibstoffersparnis („wir fliegen langsamer“), Gebührennachlässe am Flughafen, aber auch millionenschwere Einsparungen bei Lieferanten wie beim Catering, und hier wieder vor allem mit dem traditionellen Bordverpfleger Do & Co. Mit dem Caterer ziehe man den aktuellen Sparkurs durch, man verstehe einander blind, es sei aber nichts sakrosankt, hieß es heute.

„Niki“-Flugzeuge werden neu bemalt

Ab Herbst werden die „Niki“-Flugzeuge neu bemalt und dem Design von Air Berlin angenähert. Die Grundfarbe wird weiß sein, an der Heckflosse prangt dann das Air-Berlin-Logo, am Bauch bleibt es beim „Niki“-Logo. Die Marke Niki bleibe erhalten. Niki hat 2011 den Umsatz um 28,5 Prozent auf 452,6 Mio. Euro erhöht, die Passagierzahl stieg um 32 Prozent auf 4,5 Millionen. Um wieviel die Niki Luftfahrt GmbH mit ihrem „zweistellig positiven“ Millionenergebnis 2011 den Air-Berlin-Verlust (Ebit-Verlust: 247 Mio. Euro) gedrückt hat, wurde nicht erläutert.

Vorstand will keinen Branchen-KV

Während der vor einer Woche neu und erstmalig gewählte Betriebsrat bei der österreichischen Billigairline Niki („flyniki“) nichts weniger als eine Fixanstellung der bisherigen Leasingbeschäftigten zum Ziel hat, bleibt die Geschäftsführung bei ihrer Rechtfertigungslinie. Auch Gewerkschaftsbestrebungen für einen Branchen-Kollektivvertrag zusammen mit der AUA kann Niki-Chef Christian Lesjak nichts abgewinnen.

„Meines Wissens gibt es derzeit keinen gültigen Kollektivvertrag in irgend einem Luftfahrtunternehmen in Österreich, wir waren unserer Zeit voraus“, ätzte Lesjak am Montag in Richtung AUA. Dort haben im Streit um Gehaltskosteneinsparungen im Februar bzw. März AUA-Vorstand bzw. Gewerkschaft die Bord-Kollektivverträge von Austrian bzw. Tyrolean aufgekündigt.

„Es ist sicher nicht unser Ziel, in einen Korb mit anderen geworfen zu werden“, sagte Lesjak heute in einer Pressekonferenz in Wien. Jede Airline habe ihr eigenes Geschäftsmodell und müsse mit den Kosten leben, die sie im Wettbewerb habe. Was der Mitbewerber (AUA) in Österreich an Tarifverträgen bekommen habe, habe genau diese Wettbewerbsfähigkeit unterminiert.

Vor diesem Hintergrund sei die Konstruktion des Labour Pool bei Niki zu sehen. „Wir wissen, dass es in Österreich des öfteren Versuche gab, Branchenkollektivverträge zu ‚satzen‘“, sagte der Niki-Manager. Man habe es auch nicht zugelassen, den AUA-Kollektivvertrag zu übernehmen. Natürlich sei der Labour Pool ein Vehikel gewesen, das zu verhindern, sagte Lesjak.

In der österreichischen KV-Landschaft sehe er nichts, woran man aus seiner Sicht einen KV für seine Gruppe festmachen könnte. „Wir können keinen fertigen KV übernehmen“. Im übrigen würden aus dem Labour Pool Piloten ausschließlich für Niki fliegen, und sie würden in der Gruppe ausgebildet.

„Wir sehen also keine wirklichen Mehrwerte, das zu ändern“, befand Lesjak, „weder für das Unternehmen noch für die Mitarbeiter. Wir werden uns natürlich darüber unterhalten und schauen, dass wir auch in der Belegschaft einen Konsens herbeiführen“, meinte Lesjak ohne jedes weitere Detail.

700 von 800 Flyniki-Mitarbeitern werden aktuell über eine Leasingfirma beschäftigt. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 07.05.2012  14:21
aktualisiert: Mo, 07.05.2012  14:52
Fahrplaninfo
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche

    Faust

    Wann: 21.06.2013
    Wo: Tiroler Landestheater - Grosses Haus

    8. Symphoniekonzert

    Wann: 21.06.2013
    Wo: Congress Innsbruck, Saal Tirol

    WIE IM HIMMEL

    Wann: 23.06.2013
    Wo: Tiroler Landestheater - Grosses Haus

    Trailer - Gambit

    Die Coen-Brüder haben mit "Gambit - Der M...

    Trailer: The Purge

    Einmal im Jahr ist jedes Verbrechen erlaubt und...

    Trailer - Olympus Has Fallen

    Nordkoreanische Terroristen nehmen das Weiße H...
    Panoramabilder
    Panoramabilder
    Panoramablick
    Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
    AGB Kontakt Impressum