26.01.2013
Österreich

„Jeder zahlt bald einen Pensionisten“

Der Verein der „Pensionsbeitragszahler Österreichs“ prophezeit den Zusammenbruch unseres Pensionssystems. Laut Sozialministerium und der Pensionsversicherung wird es nicht ganz so schlimm.
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Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – „Spätestens im Jahr 2040 wird jeder Erwerbstätige einen Pensionisten finanzieren müssen.“ Dieses düstere Bild zeichnete Walter Worresch, Obmann des Vereins „Die Pensionsbeitragszahler Österreichs“, am vergangenen Dienstag in der Villa Blanka. Die Fachgruppe der Finanzdienstleister der Tiroler Wirtschaftskammer lud dort zu einem Fachvortrag des „Pensionsexperten“.

Positives, zum österreichischen Pensionssystem gab es von ihm nicht zu hören. So zeigte er anschaulich anhand der Geburtenstatistik der vergangenen 100 Jahre, dass es schon in 20 Jahren Österreich, so wie wir es kennen, nicht mehr geben werde. Dann werden sich die geburtenstärksten Jahrgänge im Ruhestand befinden und das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Pensionisten stark verändert haben. Derzeit liege es etwa bei 3:1. Spätestens in zwei Jahrzehnten würden zwei Erwerbstätige für einen Pensionisten aufkommen müssen, so Worresch. Dazu komme noch, dass die Menschen immer älter werden und darum jeder Österreicher durchschnittlich 25 bis 30 Jahre in Pension sein wird. Worresch rechnete vor, dass dadurch die Pflegekosten derart steigen würden, dass die Altenpflege in Billiglohnländer ausgelagert werden müsse. Damit spricht er die Ängste vieler Österreicher an.

Hochrechnungen des Sozialministeriums bis 2060 zeichnen ein anderes Bild. Auch das Sozialministerium rechnet mit weiteren Kürzungen der Pensionen im Vergleich zum Einkommen. Ein Szenario, in dem die Anzahl der Pensionisten die Anzahl der Erwerbstätigen übersteigt, soll es aber nicht geben. Demnach werden im Jahr 2060 auf 1000 Personen im erwerbsfähigen Alter 509 Personen im Alter von 65+ kommen. Das Sozialministerium glaubt, dass jährlich rund 29.000 Personen zuwandern, die Beiträge in die Pensionsversicherung leisten werden. Auch jetzt schon zahlen Einwanderer kräftig in die Pensionsversicherung ein. Das belegen Zahlen der österreichischen Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Der Anteil der Pensionsbeitragszahler ohne österreichischen Pass beträgt rund 12 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren stieg die Zahl der Beitragszahler um rund 100.000 Personen, die Hälfte davon waren Ausländer.

Für den Direktor der Tiroler Landesstelle der PVA, Christian Bernard, ist die Darstellung Worreschs einseitig und reine Panikmache, mit dem Zweck, die Konsumenten zum Abschluss einer privaten Pensionsvorsorge zu bewegen. „An einer privaten Pensionsvorsorge ist grundsätzlich nichts auszusetzen, einige Produkte werden ja auch staatlich gefördert, aber die Mittel, mit denen hier gearbeitet wird, sind fragwürdig“, warnt Bernard. „Was mir an der Argumentation des Vereins der Pensionsbeitragszahler nicht gefällt, ist, dass hier so getan wird, als ob ältere Menschen eine Belastung für die Erwerbstätigen sind. Der Generationenvertrag ist aber ein wechselseitiges Geben und Nehmen.“

Die Pensionsbezüge seien natürlich geringer als die Erwerbstätigenbezüge, „sie liegen aber derzeit bei Menschen, die ihre 40 Beitragsjahre leisten konnten, bei 70 bis 90 % des letzten Einkommens. Wer mehr herausbekommen möchte, dem steht es natürlich frei, zusätzlich privat vorzusorgen.“ Auch für die Zukunft rechnet er nicht mit einer derartigen Verschlimmerung der Situation, wie sie der Verein der „Pensionsbeitragszahler Österreichs“ beschreibt. Die Regierungen hätten bisher immer wieder Maßnahmen ergriffen, um die Pensionen zu sichern. So sei seiner Meinung nach die Abfertigung neu, bei der die Unternehmensrücklagen für die Abfertigung bei Pensionskassen landen, ein gutes Mittel, um sich die staatliche Pension aufzubessern. „Es muss aber auch das Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es wenig sinnvoll ist, diese Rücklagen beim ersten Anlass herauszunehmen“, glaubt der PVA-Chef. Daneben gebe es eine Reihe von Fördermaßnahmen, um ältere Arbeitnehmer, die noch gesund sind und arbeiten wollen, in der Berufswelt zu halten.

Für Bernard ist das Pensionssystem ein Erfolgsmodell und er ist davon überzeugt, dass die Politik die richtigen Maßnahmen ergreifen wird, damit auch in Zukunft jeder eine Pension erhält: „Wenn das Pensionssystem von der Politik ständig nachgebessert wird, heißt das nicht, dass das System schlecht ist. Vielmehr bedeutet das, dass auf Veränderungen der Rahmenbedingungen reagiert wird.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 26.01.2013
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