13.04.2012, 13:07  Aktualisiert: 13.04.2012, 13:18 
International

Spaniens Banken hängen immer stärker am EZB-Tropf

Wie die Notenbank in Madrid mitteilte, borgten sich die Geldinstitute des Landes im März rund 316 Mrd. Euro von der EZB - fast doppelt so viel wie im Februar.
Es wir nicht mehr ausgeschlossen, dass Spanien beim Euro-Rettungsfonds EFSF um Unterstützung für seine maroden Banken bittet.
Foto: dpa/Uwe Anspach

Madrid/Frankfurt - Spaniens krisengeschüttelte Banken hängen immer stärker von der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Wie die Notenbank in Madrid am Freitag mitteilte, borgten sich die Geldinstitute des Landes im März rund 316 Mrd. Euro von der EZB - fast doppelt so viel wie im Februar (169,8 Mrd. Euro). Mit den jetzt veröffentlichten Zahlen wird deutlich, wie schlecht es vielen spanischen Banken geht. In den Daten ist allerdings auch bereits der zweite zinsgünstige Dreijahreskredit der Zentralbank für die Banken der Euro-Zone von Ende Februar enthalten. Damals hatten sich die Finanzhäuser rund eine halbe Billion Euro bei der Frankfurter Zentralbank gesichert.

Den jetzt veröffentlichten Zahlen zufolge war die Nachfrage aus Spanien bei diesem Refinanzierungsgeschäft zwar wie erwartet sehr hoch. Wie viele Banken sich jedoch Geld bei der EZB besorgt haben, das sie tatsächlich brauchen, und wie viele nur die Gelegenheit des günstigen Zinses nutzten, ist unklar. Die Regierung in Madrid hat die Institute unlängst aufgefordert, ihre Kapitalbasis zu stärken. Viele der iberischen Geldhäuser leiden unter den Folgen der in den vergangenen Jahren geplatzten Immobilienblase.

Fachleute schließen es inzwischen nicht mehr aus, dass Spanien demnächst beim Euro-Rettungsfonds EFSF um Unterstützung für seine maroden Banken bittet. Das kann nach den Regeln für den EFSF dann geschehen, wenn sich der Staat selbst nicht mehr in der Lage sieht, die Institute am Leben zu erhalten.

Märkte sehen Spanien und Italien immer skeptischer

Die Zweifel von Investoren an der Finanzkraft Spaniens und Italiens haben sich am Freitag in wiederum anziehenden Renditen bemerkbar gemacht. Zehnjährige spanische Papiere rentierten knapp unter sechs Prozent (spätes Vortagesgeschäft: 5,82) - eine Marke, die für die staatliche Refinanzierung als zu teuer gilt. Italienische Zehnjährige rentierten um 5,5 (5,4) Prozent. Die von Investoren verlangten Risikoprämien zu den als sicher geltenden Bundesanleihen zogen an.

Die Börsen in Madrid und Mailand verloren 2,5 beziehungsweise 1,9 Prozent und damit deutlich stärker als ihre europäischen Pendants.

Auslöser für die zunehmende Skepsis waren am die Daten von der EZB, die zeigten, dass sich spanische Banken im März die Rekordsumme von mehr als 316 Mrd. Euro von der EZB geliehen haben. „Hohe Refinanzierungskosten und ein schwieriger Marktzugang werden für die spanischen Banken noch einige Zeit die größten Herausforderungen bleiben“, hieß es in einem Kommentar von Fitch.

Neben Spanien ist in den vergangenen Tagen auch Italien wieder verstärkt in den Fokus von Investoren geraten. Analysten fürchten, dass mit nachlassender Wirkung der langfristigen EZB-Tender die strukturellen Probleme wieder in den Vordergrund treten. (APA/Reuters)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 13.04.2012  13:07
aktualisiert: Fr, 13.04.2012  13:18
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