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Deutsche Wirtschaft verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Während die Krisenländer in Südeuropa ihre Leistungsfähigkeit durch harte Reformen stärkten, drohe Deutschland bei Untätigkeit zurückzufallen.

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Berlin - Aufholende Südeuropäer, erstarkende Chinesen, Comeback der USA: Die deutsche Wirtschaft fürchtet wachsenden Konkurrenzdruck. „Die Standortfrage kehrt zurück“, sagte der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, am Mittwoch in Berlin. „Wichtige Indikatoren wie Arbeitskosten und Energiekosten zeigen, dass Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verliert.“ Im Großhandel sehe sich schon jetzt fast jedes zehnte Unternehmen von einer „verbesserten Wettbewerbsposition der Konkurrenten“ bedrängt.

Während die Krisenländer in Südeuropa ihre Leistungsfähigkeit durch harte Reformen stärkten, drohe Deutschland bei Untätigkeit zurückzufallen. Bereits 2011 stiegen die Arbeitskosten nach EU-Angaben erstmals seit der Jahrtausendwende schneller als im EU-Durchschnitt. Nach Prognose des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts war das auch 2012 der Fall und wird sich in diesem Jahr fortsetzen.

Auch in Übersee erwachse Exportvizeweltmeister Deutschland immer stärkere Konkurrenz, sagte Börner. China entwickle sich vom billigen Massenproduzenten zum Qualitätsanbieter. „Dort sind Wettbewerber von morgen, deren Namen wir heute nicht kennen“, sagte Börner. Stark im Kommen seien auch die USA. „Ich glaube, dass die amerikanische Wirtschaft in den nächsten Monaten zu Höchstleistungen auflaufen wird“, sagte Börner. In vielen Branchen dürften neue Konkurrenten entstehen - vor allem für Unternehmen, die viel Energie verbrauchen.

Die US-Unternehmen könnten Energie um 70 Prozent billiger einkaufen, weil die weltgrößte Volkswirtschaft schon in wenigen Jahren durch die umstrittene Förderung von Schiefergas zum Energieexporteur aufsteigen werde. Auch drohe dort kein Fachkräftemangel. „Die USA haben eine wachsende Bevölkerung mit vielen jungen Leuten - wir nicht“, sagte der BGA-Präsident. Viele deutsche Unternehmen dürften deshalb eine Produktionsverlagerung in die USA durchspielen.

Um den Standort Deutschland zu stärken, müsse die Bürokratie abgebaut werden. „Deutschland ist zunehmend überreguliert“, klagte Börner. „Diese Überregulierung behindert Unternehmertum und damit Wachstum.“ Die Bundesregierung müsse zudem auf Steuererhöhungen und neue soziale Leistungen verzichten, den Staatshaushalt sanieren und den Anstieg der Energiepreise durch mehr Wettbewerb stoppen. (APA/Reuters)

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