Reutte springt in die Bresche
Von Brigitte Wacker
Reutte – „Die Alarmglocken haben geläutet. Ein Aus bedeutet ja, alles ist weg: die schon bezahlte Ausstellung, das Zentrum. Wenn wir nun nicht ein letztes Aufbäumen wagen, geht alles verloren“, bekräftigt Armin Walch, Geschäftsführer der Burgenwelt Ehrenberg, den Entschluss, sich in das Naturparkprojekt einzuklinken.
Nachdem der Bund die versprochenen Mittel für das in Weißenbach geplante, über drei Millionen Euro teure Naturparkhaus nicht bereitstellen wollte, hing der weitere Verlauf sprichwörtlich in der Luft. Die derzeitige Variante des Naturparkvereins würde eine Art „Perlenkette“, die entlang des Lech Informations- und Animationspunkte bieten soll und ein kleines Vereinsgebäude für die Verwaltung beinhalten.
Die Marktgemeinde Reutte, der Tourismusverband Naturparkregion Reutte und die Burgenwelt Ehrenberg wollen aber nach dem über Medien bekannt gegebenen definitiven Aus des Naturparkhauses in Weißenbach das eigentliche Projekt nicht sterben lassen. Neue Ideen und Konzepte präsentierten die drei vergangenen Freitag. Sie befürworten nun ein Naturparkzentrum mitten im Burgenensemble Ehrenberg.
„Wir haben nicht vor, ein Naturparkhaus aufzumachen, sondern wollen eine zentrale Anlaufstelle und Ausstellungsfläche schaffen, um möglichst viele Menschen für den Naturpark Tiroler Lech zu begeistern“, erklärt Reuttes Bürgermeister Alois Oberer.
„Dort sollen sie Appetit bekommen – von der Quelle bis zum Fall – mit verschiedenen Attraktionen“, begründet Armin Walch die Idee der Lech-Vermarktungseinheit auf der Klause. Da die Sehenswürdigkeiten an der noch umzusetzenden Perlenkette auf 70 Kilometer entlang des Flusses verstreut seien, wäre es umso wichtiger, einen Knotenpunkt zu installieren. Ehrenberg punkte mit rund 120.000 Besuchern jährlich, liege an der B179 und am Radweg Via Claudia Augusta und habe ein großes Infrastruktur-Angebot. „Man muss nur einen kleinen Teil an der Bastion dazubauen und hat eine Ausstellungsfläche von über 230 Quadratmetern“, klärt Walch auf. Außerdem stecke die schon fertig geplante Ausstellungskonzeption aus Weißenbach, die ja auch verloren ginge, mit im Entwurf.
„Viele Einrichtungen und Personal-Ressourcen, die ein Naturparkzentrum benötigt, sind bereits vorhanden. Während das Weißenbacher Naturparkhaus mit 3,2 Millionen Euro veranschlagt war, würde diese Lösung nur 1,4 Millionen kosten“, sagt Oberer. Für alle Aufwendungen, die aus dem Betrieb des Besucherzentrums entstehen, wie z. B. Ticketschalter, Heizung oder Reinigung, würde die Marktgemeinde bzw. die Burgenwelt aufkommen und dem Verein Naturpark Tiroler Lech würden keine Folgekosten entstehen. Bestmögliche Synergiepotenziale gelte es in Zeiten angespannter Haushalte (Land Tirol, Gemeinden, TVB) zu nutzen.
Das Argument, das Naturparkzentrum liege weit weg vom Lech, sei nicht entscheidend, sondern „wichtig ist, dass die Menschen durch entsprechende Präsentationen angeregt werden, um sich die Naturlandschaft anzusehen“, hebt der Marktchef hervor. Auch im Nationalpark Hohe Tauern liege das Besucherzentrum mitten in Mittersill, nicht in freier Natur und funktioniere trotzdem.
Franz Kammerlander, Geschäftsführer der TVB Naturparkregion Reutte, befürwortet aus touristischer Sicht ebenfalls das Vorhaben: „Die Naturparkausstellung ist für das gesamte Projekt enorm wichtig. Eine große Ausstellungshalle, wie auf Ehrenberg geplant, wäre genau das, was wir bräuchten.“ Da garantiert werde, dass es keine Folgekosten für den Naturparkverein Tiroler Lech gebe, könne er sich eine Entscheidung „pro Ehrenberg“ von verantwortlicher Seite durchaus vorstellen.



