WK-Präsident drischt auf die Politikerkaste ein
Von Helmut Mittermayr
Reutte – Die offizielle amikale Plauderei beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer in Reutte wurde immer wieder durch überraschende Untergriffe unterbrochen. Tirols WK-Präsident Jürgen Bodenseer zeigte sich besorgt darüber, was sich Österreichs Politiker in Wien in Sachen neuem Sparpaket gerade einfallen lassen würden. Der Jahreswechsel sei wie eine Fahrt „mit der Geisterbahn ins Ungewisse“. Er erwartet nur Belastungen und „nichts Gutes, denn da sind Leute am Werk, die ihr Leben lang noch nie richtig gearbeitet haben. Parteisekretäre und solche, die in der Früh nicht zur Arbeit aufstehen oder gar am Monatsende Löhne zahlen müssen. Was will man davon schon erwarten“, schimpfte er. Und bekam verhaltenen Applaus.
Jürgen Bodenseer warnte vor neuen Formen des Klassenhasses und -kampfes sowie der Sturheit der Arbeiterkammerfunktionäre – „und noch schlimmer“ – der Gewerkschafter, die Chefs als Unmenschen hinstellen würden. „Zeigt mir eine Firma in Tirol, in der es nicht funktioniert. Niemand macht die Mitarbeiter zur Schnecke“, wie es in einer Gewerkschaftskarikatur gern dargestellt wird“, polterte der Rumer Unternehmer.
Reuttes Kammerobmann Michael Baldauf verwies in der vorangegangenen Pressekonferenz auf mögliche Standortnachteile im Außerfern hin, die es zu beseitigen gebe. Er nannte das Beispiel der Firma kdg mit Sitz in Elbigenalp. „Während im Großraum Innsbruck und in allen anderen, besser erschlossenen Gebieten schon flächendeckend die SHDSL-Technologie für schnellen Datentransfer benutzt wird, fehlt im Lechtal diese Möglichkeit. Deshalb muss dort die auf Glasfaser basierende LWL-Technologie verwendet werden. Sie ist zwar leistungsstark, aber im Vergleich viel zu teuer“, sagt Baldauf.
Er rechnet vor, dass ein Unternehmen in Innsbruck für eine 20-Mbit/s-Internetleitung mittels SHDSL 8000 Euro pro Jahr zu bezahlen habe. In Elbigenalp gelte es für die gleiche Leistung via Glasfaser 31.000, also 23.000 Euro mehr, zu bezahlen. Da sich die Mindestlaufzeiten der Versorgungsverträge meist über fünf Jahre erstrecken würden, beziffere sich der Standortnachteil auf 120.000 Euro. Für ihn besteht hier dringender Handlungsbedarf durch die Gemeinden, Landespolitiker und die Tiwag.






